Die Euro-Länder haben sich angesichts der vorerst gescheiterten Griechenland-Verhandlungen offenbar auf einen Notfallplan für das Land verständigt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, soll Griechenland zunächst noch eine Chance erhalten, sich mit den Gläubigern zu einigen. Die Euro-Finanzminister treffen sich am Donnerstag und Freitag in Brüssel. Bei dieser Gelegenheit könnte noch eine Einigung erzielt werden, auch wenn auf technischer Ebene eigentlich schon vorher eine Einigung ausverhandelt sein müsste.

    Sollte keine Einigung erzielt werden, sollen ohne weitere Verzögerung die Staats- und Regierungschefs in Brüssel zusammenkommen, um noch nach einer politischen Lösung zu suchen. Dies könnte bereits am Freitagabend geschehen.

    Kommt kein Kompromiss zustande, sollen laut "Süddeutscher Zeitung" ab dem Wochenende Kapitalverkehrskontrollen vorbereitet werden. Die Banken in Griechenland müssten demnach einige Tage geschlossen bleiben, anschließend könnten Abhebungen an Geldautomaten und der inländische Zahlungsverkehr eingeschränkt und Überweisungen ins Ausland komplett gesperrt werden. Damit sollen weitere Kapitalabflüsse und ein zu befürchtender Bank-Run verhindert werden. Allerdings müsste Griechenland selbst ein entsprechendes Gesetz beschließen. Sollte sich Athen weigern, könnten die Euro-Länder allerdings als letzte Möglichkeit Griechenland den Zugang zum gemeinsamen Euro-Zahlungssystem verweigern.

    Die Bundesregierung wollte den Bericht der "Süddeutschen Zeitung" nicht bestätigen, während Griechenland den Bericht sogar dementierte. Doch angesichts der Brisanz möglicher Kapitalverkehrskontrollen heißt dies keineswegs, dass der Bericht nicht zutrifft. Vielleicht sollen auch nur zusätzliche Kapitalabflüsse verhindert werden, bevor die Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden können.

    Bereits in dieser Woche am Mittwoch entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB), ob griechische Banken weitere Not-Kredite (ELA) der griechischen Notenbank erhalten. Dazu müsste das Volumen der ELA-Kredite erneut erhöht werden. Am Montag sagte EZB-Präsident Mario Draghi, dass die griechischen Banken weiter mit Notkrediten versorgt würden, solange sie solvent seien. Man werde die Lage aber im Auge behalten.

    Unterdessen stellt sich die griechische Regierung weiter quer. Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte am Montag, dass man "geduldig warten" wolle, bis die Gläubiger realistischer Forderungen stellen. Finanzminister Varoufakis kündigte unterdessen in einem Interview an, auch beim Treffen der Euro-Finanzminister keine neue Reformliste vorlegen zu wollen. "Die Euro-Gruppe ist nicht das Forum, Positionen und Vorschläge zu präsentieren, die zuvor nicht auf unterer Verhandlungsebene diskutiert und verhandelt worden sind", sagte Varoufakis der "Bild"-Zeitung.