Griechenland könnte bereits in der kommenden Woche das Geld ausgehen. Die Barreserven sind fast aufgebraucht, wie der stellvertretende Finanzminister am Freitag erklärte. Das Land muss am nächsten Freitag Anleihen im Volumen von 5,0 Milliarden Euro zurückzahlen. Die EU will eine Staatspleite aber um jeden Preis vermeiden. Unterdessen sind die Target2-Forderungen der Bundesbank im Oktober wieder gestiegen.

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Ein EU-Vertreter schloss am Freitag aus, dass Griechenland in der kommenden Woche in die Staatspleite rutschen wird. "Es wird keinen Pleite-Unfall geben", sagte ein namentlich nicht genannter EU-Verantwortlicher in Brüssel. Der EU-Vertreter schloss allerdings nicht aus, dass die nächste Griechenland-Hilfstranche noch nicht beim nächsten Finanzministertreffen am 12. November freigegeben wird. Es sei sehr gut möglich, dass ein weiteres Treffen notwendig sei, sagte der Beamte. Auch das Bundesfinanzministerium rechnet nicht damit, dass bereits am kommenden Montag eine Entscheidung fallen wird.

Damit scheint es wahrscheinlich, dass Griechenland mit Hilfe von EU und EZB erneut eine Art Überbrückungsfinanzierung erhalten wird. Dies könnte beispielsweise durch die Ausgabe neuer Geldmarktpapiere geschehen. Voraussetzung für eine Platzierung der kurzlaufenden Anleihen ist allerdings, dass die griechischen Geschäftsbanken diese bei der griechischen Notenbank als Sicherheiten zum Beispiel für Notfall-Liquiditätshilfen (ELA) hinterlegen können. Am Dienstag will Griechenland vier- und 13-wöchige Geldmarktpapiere im Volumen von 3,125 Milliarden Euro plus 30 Prozent Mehrzuteilung versteigern, wie die griechische Schuldenagentur am Freitag mitteilte.

Unterdessen sind die Target2-Forderungen der Bundesbank im Oktober wieder gestiegen, nachdem im September ein deutlicher Rückgang verzeichnet worden war. Die Forderungen Deutschlands gegenüber den anderen nationalen Notenbanken des Euro-Systems erhöhten sich bis Ende Oktober auf 719,4 Milliarden Euro, wie in dieser Woche mitgeteilt wurde. Einen Monat zuvor hatten sie noch bei 695,5 Milliarden Euro gelegen. Der bisherige Höchststand war im August mit 751,4 Milliarden Euro erreicht worden.

Die Target-2-Salden sind ein Indikator für die private Kapitalflucht aus den Euro-Krisenländern und taugen damit auch als „Krisenindikator“. Bei einer Zuspitzung der Euro-Krise flüchtet mehr privates Kapital aus den Krisenstaaten. Dieses private Kapital wird durch Notenbankkredite ersetzt, weswegen die Forderungen der Bundesbank gegenüber den anderen nationalen Notenbanken der Eurozone ansteigen.

Target2 ist der Name des Zahlungssystems, über das der elektronische Geldverkehr in der Eurozone abgewickelt wird. Ab Sommer 2007 und in besonderem Maße seit Beginn der Euro-Krise hat sich ein extremes Zahlungsbilanzungleichgewicht zwischen den Überschussländern im Norden (Deutschland, Niederlande, Luxemburg, Finnland) und den Defizitländern (insbesondere Griechenland, Irland, Portugal, Spanien) gebildet. Bei der Bundesbank entstanden riesige Target-Überschüsse beziehungsweise Forderungen gegenüber den Notenbanken der Krisenstaaten.

Steigende Target2-Forderungen bedeuten für Deutschland auch eine höhere Haftung in der Eurokrise. Würde die Eurozone auseinanderbrechen, wären die Target2-Forderungen für die Bundesbank wohl verloren. Der deutsche Steuerzahler hätte Verluste von mehr als 700 Milliarden Euro zu verzeichnen, obwohl über diese Summe niemals ein Parlament abgestimmt hat.

Mit dem erneuten Anstieg im Oktober wurden die Hoffnungen der Optimisten, die die Euro-Krise bereits als gelöst sahen, erst einmal enttäuscht. Der deutliche Rückgang im September war vor allem auf die Ankündigung des neuen EZB-Anleihenkaufprogramms zurückzuführen. Die Aussicht auf volumenmäßig unbegrenzte Anleihenkäufe versetzte die Märkte damals in Euphorie. Wie bei früheren Notenbankinterventionen hielt die gute Stimmung aber nur für einige Monate.

Jetzt bleibt abzuwarten, wie es mit Griechenland weitergeht. Eine Staatspleite wird die EU um jeden Preis verhindern wollen. Allerdings sind noch einige Fragen ungelöst, obwohl das griechische Parlament in dieser Woche das geforderte Sparpaket im Volumen von 13,5 Milliarden Dollar verabschiedet hat. Noch nicht entschieden ist beispielsweise, wie die langfristige Schuldentragfähigkeit Griechenlands, die eine Bedingung für die weitere Mitwirkung des IWF ist, wiederhergestellt werden soll. Ohne Schuldenschnitt oder Anleiherückkaufprogramm dürfte das kaum möglich sein. Es bleibt also spannend!

Oliver Baron

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