Helsinki (GodmodeTrader.de) - Christine Lagarde und Ursula von der Leyen sind für die Präsidentschaft der Europäischen Zentralbank (EZB) bzw. der Europäischen Kommission gesetzt. Dies zeigt: Europa wird weiblicher. Beide Kandidatinnen sind außergewöhnlich. Sie sind bekannt für ihre Fähigkeit, Koalitionen zu bilden, und sollten Europa nachhaltig prägen, wie Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

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Christine Lagarde sei während ihrer gesamten Karriere eine Verfechterin von Stabilität gewesen. Sie habe in der Regierung von François Fillon begonnen, in verschiedenen Bereichen von der Wirtschaft bis zur Landwirtschaft gedient, und habe für Aufgeschlossenheit gestanden. Als Arbeitsrechtlerin habe sie sich für dieses Thema eingesetzt, ohne sich stark rechts oder links zu positionieren. Während der Verhandlungen über die europäische Rettungsaktion habe sie an der gewohnten Haltung des Internationalen Währungsfonds festgehalten, was sie klar im Lager der Falken verortet habe, heißt es weiter.

„Mit Argentinien war sie jedoch auch bereit, ein großes Risiko einzugehen. Entsprechend sollte sie als Konsensfinderin betrachtet werden, als jemand, der sich der jeweiligen Situation anpasst. Sie dürfte zunächst eine weitere Lockerung befürworten, aufgrund der aktuellen Verlangsamung des Wachstums und der Tatsache, dass das Inflationsziel nicht erreicht wird. Sobald sich die Situation jedoch umkehrt, wird sich vermutlich ihre Position ändern und sie dürfte erneut ins Lager der Falken wechseln. Angesichts des Widerstands der US-Regierung dürften negative Zinssätze nur moderat eingesetzt werden“, so Galy.

Ursula von der Leyen sei bekannt für ihre Fähigkeit, Aufgaben erfolgreich zu erledigen. Seit 2005 sei sie ununterbrochen in der Regierung von Angela Merkel tätig gewesen, zuletzt als Verteidigungsministerin. Ihr internationaler Hintergrund dürfte ihr zugutekommen: Als Kind habe sie in Belgien gelebt, sie spreche fließend Französisch und sei seit ihrer Geburt den Umgang mit hochrangigen Persönlichkeiten gewohnt. Ihre Ausbildung zur Ärztin dürfte ihr dabei helfen, Probleme zu analysieren und dann Lösungen dafür zu finden. Ihre Karriere als Professorin habe vermutlich dazu beigetragen, dass es ihr mühelos gelinge, Menschen und Gruppen anzuleiten. So auch die Gruppe der europäischen Verteidigungsminister, heißt es weiter.

„Tatsächlich beeindruckte sie die Franzosen so sehr, dass diese Angela Merkel ihre Kandidatur vorschlugen. Politisch gehört sie der Christlich Demokratischen Union Deutschlands an, also der rechten Mitte. Ihre Kandidatur ist jedoch noch keine ausgemachte Sache, da sie vom Europäischen Parlament erst noch genehmigt werden muss. Dies ist ein einzigartiger Moment in der Geschichte Europas. Denn wir haben nicht nur eine, sondern gleich zwei weibliche Kandidaten für die Spitze der EZB und der Europäischen Kommission. Das deutet auf einen Wandel an der Spitze der europäischen Führung hin und ist ein Symptom für strukturelle Veränderungen, einschließlich der Einstellungen zu Geschlechtervielfalt und Klimawandel“, so Galy.