Die internationalen Rentenmärkte schließen fast unverändert. Am Devisenmarkt kommt die Euro-Aufwärtsbewegung bei gut 1,28 US-Dollar zum Stoppen. Am Donnerstag wird der Ifo-Index veröffentlicht.

Euroraum: Die beste aller Welten?

Das Umfeld scheint derzeit wie gemacht für die Kapitalmärkte im Euroraum. Zum einen wächst die Wirtschaft weiter mit beachtlichem Tempo. Wie Eurostat berichtete, lag die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 0,5 Prozent über dem Vorquartal und 2,6 Prozent über dem Vorjahresquartal. Deutschland hat dazu auch sein Scherflein beigetragen. Das Bruttoinlandsprodukt konnte in den Sommermonaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent zulegen. Das über der Potenzialrate liegende Wirtschaftswachstum gibt zudem berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass die hiesige Wirtschaft den Abgabenschock Anfang 2007 gut überstehen wird.

Doch das kräftige Wirtschaftswachstum ist nur die eine Seite der Medaille. Was die Finanzmärkte mindestens genauso erfreut ist die Tatsache, dass das Thema Inflation zusehends an Bedeutung verliert und damit die Wahrscheinlichkeit für ein allzu energisches Anziehen der Zinszügel geringer wird. Die Teuerungsrate für die Eurozone betrug im Oktober lediglich noch 1,6 Prozent (Kernrate: 1,5 Prozent). Seit Juni hat sie damit fast um einen vollen Prozentpunkt nachgelassen. Dies ist nicht zuletzt auf die Entspannung an den Rohölmärkten zurückzuführen. In der Vorwoche mussten zeitweise nur noch 57 US-Dollar für ein Fass Rohöl (159 Liter) bezahlt werden. Vor allem Meldungen über eine geringe Kartelldisziplin der OPEC-Mitglieder hatten die Preise an den Terminmärkten unter Druck gesetzt.

Die Zehnjahresrenditen verharrten in der letzten Woche bei gut 3,7 Prozent, was angesichts der alles in allem günstigen Wirtschaftsaussichten für 2007 auf den ersten Blick eher gering erscheint. Zieht man jedoch auch die verringerten Inflationsrisiken mit ins Kalkül, dürften die Euro-Rentenmärkte derzeit annähernd fair gepreist sein. Stärkere Ausschläge nach oben oder unten stehen in den längeren Laufzeiten nicht bevor. Da aber das kurze Ende bei deutlich geringerem Risiko in etwa die gleiche Verzinsung erbringt, sollten Rentenmarktinvestoren hierauf ihre Haupt-aufmerksamkeit richten.

USA: Weiche Konjunkturlandung?

Auch in den Vereinigten Staaten bewegten sich die Anleiherenditen zuletzt kaum vom Fleck. Zehnjährige Treasuries werfen zurzeit eine Rendite von rund 4,6 Prozent ab. Bei einer um volatile Komponenten bereinigten

Kerninflationsrate von 2,7 Prozent Tendenz gegenwärtig aber eher wieder abnehmend und einem erwarteten BIP-Anstieg von gut zwei Prozent im kommenden Jahr stellt dieses Renditeniveau einen angemessenen Wert dar. Es ist deshalb auch davon auszugehen, dass die Zehnjahresrendite vorerst weiter in dem seit vier Monaten bestehenden Korridor von 4,5 bis 5,0 Prozent schwanken wird. Die inverse Zinsstrukturkurve, bei der zweijährige Staatstitel eine höhere Verzinsung erbringen als zehnjährige Papiere, dürfte also weiterhin Bestand haben.

Im Hinblick auf den makroökonomischen Datenkranz brachte die letzte Woche keine größeren Überraschungen mit sich. Die offizielle Inflationsrate lag im Oktober bei 1,3 Prozent, was eine Bestätigung des jüngsten Abwärtstrends darstellte. Datenveröffentlichungen zu den Einzelhandelsumsätzen, zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung standen ebenfalls weitgehend im Einklang mit den zuvor geäußerten Erwartungen. Das Konjunkturszenario weiche Landung nimmt aus Sicht vieler Marktteilnehmer immer mehr Gestalt an. Sowohl Bond- als auch Anleihemärkte scheinen damit gut leben zu können. Anders sind die günstigen Marktbewegungen der letzten Zeit kaum zu interpretieren. Warnsignale wie der am Freitag gemeldete Einbruch in der amerikanischen Bauwirtschaft werden dabei bislang geflissentlich übersehen.

Selbst am Devisenmarkt ist inzwischen wieder Ruhe eingekehrt. Nachdem es zwischenzeitlich danach ausgesehen hatte, als ob der Euro mal wieder die Marke von 1,30 US-Dollar je Euro ins Visier nehmen wollte, ist dem Angreifer jedoch relativ schnell die Luft ausgegangen. Ohne klare Signale von der Zinsseite sprich: eine signifikante Verringerung der Zinsunterschiede zwischen den USA und dem Euroraum dürfte sich daran auch auf absehbare Zeit nichts ändern.

Ausblick

Nach einer Vielzahl von Datenveröffentlichungen in den letzten beiden Wochen kehrt jetzt Ruhe an der Konjunkturfront ein. Mit dem Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan steht in den nächsten Tagen nur eine wichtige US-Kennzahl zur Bekanntgabe an. Im Euroraum richtet sich die Aufmerksamkeit insbesondere auf wichtige Frühindikatoren wie den deutschen Ifo-, den französischen INSEE- und den belgischen BNB-Index. Die Frühindikatoren sollten sich dabei auf hohem Niveau konsolidieren. Aus Deutschland gibt es zudem die erste Schätzung für die November-Inflationsrate.

Quelle: Union Investment

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