Eine turbulente Woche neigt sich ihrem Ende zu. In den zurückliegenden Wochen und Tagen wurde europäische Geschichte geschrieben. Die Instabilität Griechenlands führte zeitweise zu Unruhe und Instabilität der Eurozone. Das frühe und eindeutige Bekenntnis der Eurogruppe, Griechenland unbedingt im Euro zu halten, animierte die griechische Regierung dazu, regelrecht Amok zu laufen und die Situation zu eskalieren. Mit der Ausrufung des Referendums überspannte sie allerdings den Bogen, die Stimmung auf Seite der Gläubiger kippte.

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    Anstatt wie davor Tag für Tag, Stunde für Stunde Tsipras und Varoufakis hinterherzulaufen, Gesprächsangebote zu unterbreiten und unzählige "allerletzte" Treffen anzuberaumen, in denen man sich mit Varoufakis anscheinend lediglich über das Wetter unterhalten konnte, war nun die Bereitschaft da, einen Grexit einzuleiten. Bisheriges Ende des Liedes ist eine Einigung zwischen Griechenland und seinen Gläubigern zu harten Konditionen. Die angedachten harten Kontrollmechanismen bedeuten eine Einschränkung der Souveränität Griechenlands. Der US Finanznachrichtendienst Bloomberg titelte "Griechenland hat kapituliert". Ähnlich polarisierend berichteten die Medien in UK, teilweise aber auch in Frankreich und Italien.

    Der Clou an der Sache ist der, dass die unerfahrene griechische Regierung durch die zunehmende Eskalation der Lage der Eurogruppe erst zum Ende hin ermöglicht hat, ein Exempel zu statuieren. Potentielle Wähler radikaler Parteien in Spanien oder Frankreich dürften sich nun sehr genau überlegen, wie sie wählen. Bestehende Verpflichtungen lassen sich nicht einfach abwählen. Am Beispiel Griechenlands konnte jeder hautnah mitverfolgen, was passiert, wenn radikale nicht regierungserfahrene Parteien die Macht übernehmen. Die Wirtschaft fährt sich fest, Chaos entsteht, der Schuß geht nach hinten los.

    Der Soziologe Prof. Jürgen Habermas kritisiert den Ausgang der Verhandlungen scharf. Der Deal komme einer Bestrafung gleich, Deutschland strebe unverhohlen die Hegemonie in Europa an. O-Ton: „Ich fürchte, die deutsche Regierung, inklusive der Sozialdemokraten, hat in einer Nacht all das politische Kapital verspielt, das ein besseres Deutschland in einem halben Jahrhundert angesammelt hat.“ Diese Kritik ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

    Wie geht es weiter ?

    Meines Erachtens hat Tsipras eine große Chance, mit seinen hohen Zustimmungswerten in der griechischen Bevölkerung einen Wandel einzuleiten. Strukturreformen sind unabdingbar.

    Kommen wir nun zum Euro.

    Das Kursgeschehen im Verlauf dieses Jahres zeigt eine inverse SKS Bodenbildung mit Nackenlinie bei 1,15xx $. Dieser mittelfristige Bodenbildungsprozess beginnt seit dieser Woche abgebrochen zu werden. Nach Ausbildung des zyklischen Tiefs, das die rechte Schulter der SKS darstellt, gelang kein Anstieg über 1,15xx $. Ein solcher wäre aber erforderlich gewesen, um den Bodenbildungsprozeß final auszulösen. Stattdessen verzeichnet das Währungspaar nach Bekanntgabe der Einigung zwischen Griechenland und seinen Gläubigern Kursabschläge.

    Abgebrochene Bodenbildungsprozesse innerhalb bestehender Abwärtstrends sind als Trendfortsetzungssignale zu interpretieren.

    Es sind starke mittelfristige Verkaufssigbale.

    Die mittelfristige Prognose sieht nun einen Kursverfall bis zu einem Kursziel bei 0,9750 $ vor. Bei 1,0700 $ liegt ein Etappen-Kursziel. Insofern bietet es sich m.E. an, das Währungspaar in jedwedge Erholung leerzuverkaufen.

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    EURUSD

    Kursverlauf seit 31.12.2001

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