Geht es nach vielen Hedgefonds, dann droht Europa nach der Wahl in Italien am Sonntag Ungemach. In den vergangenen Wochen und Monaten haben verschiedene Hedgefonds und andere Finanzinvestoren riesige Wetten auf fallende Kurse an den europäischen Aktienmärkten aufgebaut.

    In Deutschland hat sich insbesondere Bridgewater Associates mit milliardenschweren Leerverkaufspositionen hervorgetan. Die Short-Positionen bei zahlreichen DAX-Werten wurden dabei bereits seit Ende Januar eröffnet, sind also nicht etwa eine Folge des jüngsten Markteinbruchs, sondern eher ein (Mit-)Auslöser. Die Short-Wetten könnten einer der Gründe sein, warum die europäischen Märkte so viel stärker gefallen sind als die US-Märkte. In den vergangenen Tagen hat Bridgewater seine Short-Positionen bei einigen Aktien leicht aufgestockt und bei den anderen geshorteten Werten konstant gelassen. Für den heutigen Tag liegen die Daten erst am Montag vor. Viele Beobachter vermuten jedenfalls, dass die millardenschweren Short-Positionen im Zusammenhang mit den Wahlen in Italien stehen. Insgesamt haben die Short-Wetten von Bridgewater ein Volumen von mehr als 20 Milliarden Euro.

    Während sich in Deutschland die meldepflichtigen Short-Positionen bei den meisten DAX-Aktien auf Bridgewater Associates beschränken, sieht es vor allem in Italien ganz anders aus. Hier haben auch zahlreiche andere Hedgefonds Short-Positionen in nennenswertem Umfang aufgebaut. Besonders bei italienischen Banken-Titeln tummeln sich die Leerverkäufer. Das ist auch kein Wunder, schließlich dürften die ohnehin maroden italienischen Geldhäuser am meisten zu verlieren haben, sollte die Euro-Krise nach der Italien-Wahl zurückkehren.

    Besonders stark haben sich die Leerverkäufer auf die Aktien der kleinen italienischen Bank Credito Valtellinese S.p.a. eingeschossen. Hier beträgt die Short-Quote ganze 90 Prozent. Neun von zehn Aktien wurden also an Leerverkäufer verliehen, damit diese sie am Markt verkaufen können, ohne die Aktien wirklich zu besitzen. Da sich die Bank mitten in einer Kapitalerhöhung befindet, könnte sich die Aktienanzahl allerdings erhöhen. Die folgende Tabelle mit den Leerverkaufspositionen auf die Aktien von Credito Valtellinese basiert auf einer Aufstellung der italienischen Börsenaufsicht Consob. Die vorletzte Spalte zeigt, wie viel Prozent der Aktien der jeweilige Marktteilnehmer (erste Spalte) geshortet hat.

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    Italien-Wahl: Das sind die Risiken für den Markt

    Warum wird die Wahl in Italien von den Finanzmärkten so genau beobachtet? Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die populistische und Euro-skeptische 5-Sterne-Bewegung sehr stark abschneidet und womöglich sogar die stärkste Kraft wird. Sollte es dazu kommen, wird von vielen Beobachtern eine Rückkehr der Euro-Krise befürchtet. In der Vergangenheit setzte sich die 5-Sterne-Bewegung für ein Referendum über die Euro-Mitgliedschaft Italiens ein. Jetzt wird das zwar nicht mehr gefordert, die 5-Sterne-Bewegung will aber eine umfassende Reform der "Spielregeln" im gemeinsamen Währungsraum. Zu den Forderungen gehören auch massive Infrastrukturausgaben und ein bedingungsloses Grundeinkommen, was die Haushaltssituation Italiens bedeutend verschlechtern könnte.

    Wahrscheinlich sind die Sorgen - wie üblich - übertrieben. Italiens Polit-Elite hat bereits im vergangenen Herbst versucht, die Chancen der 5-Sterne-Bewegung mit einer Wahlrechtsreform zu verringern. Spannend wird es am Sonntag trotzdem, zumal Meinungsumfragen kurz vor der Wahl in Italien verboten sind. Das bedeutet, dass niemand so genau weiß, wie die Wahl tatsächlich ausgehen wird. Geht es nach den letzten offiziellen Umfragen von Mitte Februar, dürfte die 5-Sterne-Bewegung stärkste Einzelpartei werden, während die von Silvio Berlusconi unterstützte Mitte-Rechts-Koalition insgesamt die meisten Sitze im Parlament erringen dürfte. Auch die Mitte-Rechts-Koalition könnte allerdings einige Sorgenfalten auslösen, sind doch auch rechtsextreme Parteien an der Koalition beteiligt. Eine direkte Rückkehr Silvio Berlusconis an die Macht droht unterdessen nicht. Wegen einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung kann Berlusconi nicht wieder zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Der von Berlusconi auserkorene Spitzenkandidat der Rechten ist der Europaparlamentspräsident Antonio Tajani.

    Was sollten Trader und Anleger beachten?

    In den vergangenen Jahren haben mehrere politische Großereignisse ihre Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen, so insbesondere das Brexit-Referendum und die US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2016. Beide Ereignisse sorgten kurzzeitig für stark einbrechende Kurse, die Erholung lies aber nicht lange auf sich warten. Dass es dieses Mal ganz ähnlich läuft, ist nicht unwahrscheinlich. Schließlich müssen die riesigen Short-Positionen, die in den vergangenen Wochen und Monaten aufgebaut wurden, irgendwann auch wieder zurückgefahren werden. Das sorgt für zusätzlichen Kaufdruck, der im Extremfall sogar zu einem sogenannten Short Squeeze werden kann. Unter einem Short Squeeze versteht man eine Kursexplosion, die dadurch ausgelöst wird, dass zahlreiche Marktteilnehmer ihre Verkaufspositionen gleichzeitig glattstellen wollen.

    Wie Trader und Anleger mit politischen Extremereignissen tatsächlich Geld verdienen können, zeigt das Beispiel der Brexit-Abstimmung sehr deutlich: Weltweit reagierten die Aktienmärkte am 24. Juni 2016 auf den Ausgang des Brexit-Referendums zunächst mit dramatischen Kursverlusten, die sich aber innerhalb kurzer Zeit wieder relativierten. Der DAX startete am 24. Juni mit 9.237,62 Punkten in den Xetra-Handel und damit mehr als 1.000 Punkte bzw. rund 9,9 Prozent unter dem Vortagesschlusskurs von 10.257,03 Punkten. Vorbörslich wurde der DAX sogar auf unter 9.200 Punkte getaxt, womit die Kursverluste im deutschen Leitindex mehr als 10 Prozent betrugen.

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    Der DAX rund um die Brexit-Abstimmung im Jahr 2016 

    Doch innerhalb kurzer Zeit erholten sich die Kurse wieder. Wer direkt zur Eröffnung des Xetra-Handels Aktien kaufte, kam sehr billig in den Markt. Im Verlauf des Handelstages konnte der DAX im Vergleich zum Eröffnungskurs bereits wieder um 300 Punkte zulegen. In der Folge dauerte es noch rund 20 Handelstage, bis das Niveau vor der Brexit-Entscheidung wieder erreicht wurde. Die berühmte Börsenweisheit "Politische Börsen haben kurze Beine" hatte wunderbar funktioniert. Die Erfahrung zeigt: Die Börsen übertreiben besonders bei unerwarteten Ereignissen häufig stark. Innerhalb kurzer Zeit wird ein starker Sell-Off zumindest teilweise wieder rückgängig gemacht.

    Dass es bei der Wahl in Italien ähnlich läuft, ist natürlich nicht garantiert. Klar ist aber, dass übertriebene Kursrücksetzer bei politischen Großereignissen exzellente Einstiegsmöglichkeiten sind. Wer nach einem Kursrücksetzer kauft, hat jedenfalls eine viel größere Gewinnwahrscheinlichkeit als der Anleger, der bereits vor dem Einbruch in den Markt einsteigt.

    Wer darauf spekulieren will, dass vorübergehende Kursrücksetzer schnell wieder aufgeholt werden, kann sogenannte Abstauberlimits in den Markt legen. Unter einem Abstauberlimit versteht man einen limitierten Kaufauftrag, bei dem das Limit (also der höchste akzeptable Kaufpreis) sehr deutlich unter dem aktuellen Kurs liegt. Setzt der Kurs tatsächlich stark zurück, kommen Anleger und Trader so günstig in den Markt. Sollten die Kurse anschließend tatsächlich wieder steigen, lassen sich schnelle Kursgewinne realisieren.

    Ganz gleich, wie die Italien-Auswahl ausgeht: GodmodeTrader.de hält Sie über die Marktreaktionen auf dem Laufenden!

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