Jahrelang erzählten uns Notenbanker, dass die Nullzinspolitik wegen der Deflationsgefahr notwendig sei. Inzwischen sehen sie die Deflationsgefahr als gebannt an. Die ultralockere Geldpolitik wird ein Stück weit korrigiert. Das ist allerdings zu spät.

Nur am Rande erwähnen Notenbanker, dass sie im Finanzmarkt Ungleichgewichte erkennen. In den USA werden immer wieder der Aktienmarkt und der Verschuldungsgrad von Unternehmen genannt. In anderen Ländern ist es vielleicht nicht der Aktienmarkt, der deutlich überbewertet ist, sondern z.B. der Immobilienmarkt.

Niedrige Zinsen führen zu Ungleichgewichten und Spekulationsexzessen. Werden diese erkannt, wie es jetzt langsam der Fall ist, ist es für gewöhnlich zu spät. Notenbanken versuchen langsam Luft abzulassen, doch das geht meistens schief.

Das Grundproblem liegt darin, dass sich Notenbanken zuerst auf die Inflation fokussieren und dann – wenn überhaupt – auf alles andere. Ein gutes Beispiel ist die Immobilienblase in Japan. Die japanische Notenbank begann 1986 die Zinsen zu senken. Sie lagen damals bei 5 %. Bereits 1987 lag der Zinssatz nur noch bei 2,5 %.

Die Zinssenkung war eine Reaktion auf die Inflationsrate. Diese lag 1985 noch bei 2 %, fiel aber innerhalb von zwei Jahren auf -1 %. Um der Deflation entgegenzuwirken wurden die Zinsen gesenkt. Dies führte dann allerdings zu der berühmten Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt.

Innerhalb von 5 Jahren stiegen die Immobilienpreise um 150 %. Das das nichts mehr mit der Realität zu tun hat, muss allen klar gewesen sein. Die Notenbank reagierte auf den Preisanstieg erst sehr spät. Die Inflationsrate war ja niedrig. Die Zinsen wurden spät angehoben, dafür dann aber sehr schnell. Sie stiegen von 2,5 % auf 6 % innerhalb von nur zwei Jahren. Die Blase platzte.

Es ist dabei nicht einmal klar, ob die Zinsanpassung wegen der Spekulationsblase stattfand oder wegen der Inflation. Diese stieg 1989 wieder über 2 % und erreichte 1991 sogar 4 %. Die Notenbank reagierte möglicherweise nur auf die Inflation und nicht auf die Spekulation.

Das ist ein großer Fehler. Notenbanken ignorieren die Finanzstabilität, weil sie sich ausschließlich auf die Inflationsrate fokussieren. So sind bei uns die Zinsen im kurzfristigen Bereich immer noch negativ. Gemessen an der Inflationsrate mag das sinnvoll sein, doch aus Sicht der Finanzstabilität ist es das nicht.

Wegen des Fokus auf die Inflation werden Ungleichgewichte überhaupt erst geschaffen. Platzen dann die Spekulationsblasen, müssen Notenbanken reagieren. Besser wäre es, wenn diese Exzesse gleich vermieden werden könnten. Dafür müssten Notenbanken ein weiteres Mandat erhalten: Stabilität des Finanzsystems.

Derzeit werden alle mit einem einzigen Zinssatz bedient. Die Notenbank argumentiert, dass die Finanzstabilität Sache der Politik ist, indem sie z.B. höhere Anforderungen für Immobilienkäufe auferlegt. Welcher Politiker aber vergrault schon gerne seine Wähler?

Die Aufgabe kann eigentlich nur die Notenbank übernehmen, zumal sie ja auch den Schaden anrichtet. Es muss ein weiter gefasstes Mandat her, und dieses muss die Politik schaffen. Andernfalls wiederholt sich die fehlgeleitete Zinspolitik aufgrund eines einzelnen Faktors immer und immer wieder.