Wie so häufig steht der Präsident der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, relativ isoliert auf weiter Flur. Er hält eine Ausweitung des Anleihenkaufprogramms für unangebracht. Es sollte wirklich nur im absoluten Ernstfall genutzt werden und diesen Ernstfall gibt es derzeit nicht.

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Die Wirtschaft der Eurozone wächst in moderatem Tempo. Im dritten Quartal ist die Wirtschaft um 0,3% gewachsen. Das entspricht einer Jahresrate von 1,2%. Die Zahl löst keinen Geschwindigkeitsrausch aus, doch sie ist solide. Das Wachstum ist jedoch etwas geringer ausgefallen als ursprünglich angenommen. Es wurde von 0,4% auf 0,3% nach unten revidiert.

Ein Grund für die Revision ist die Korrektur der Industrieproduktion nach unten. Diese ist im dritten Quartal langsamer gewachsen als zunächst angenommen. In der EU ist sie auf Monatssicht um 0,1% gefallen. In der Eurozone betrug der Rückgang 0,3%. Während die einstigen Krisenländer noch relativ gut performen kann man das von den Kernländern (Deutschland, Finnland, Österreich) nicht behaupten. In Deutschland ist die Produktion mit 1,2% auf Monatssicht relativ stark zurückgegangen.

Die Produktion steigt auf Jahressicht in Spanien am stärksten an. Hier betrug das Wachstum 4,4%. In Frankreich und Italien ergeben sich Werte von 1,3% und 1,7%. Deutschland stagniert mit 0,2%. Deutschland ist ein Schwergewicht in Europa und beeinflusst entsprechend das Gesamtbild.

Die Verlangsamung des Wachstums in der Eurozone ist nicht auf die einstigen Krisenländer zurückzuführen, sondern auf die bisher als stabil geltenden Kernländer. Diese sind vor allem vom Export abhängig und der Export lahmt. Weltweit ist ein Rückgang des Handels zu beobachten. Bis in den Sommer hinein konnten sich europäische Länder diesem Trend entziehen, doch jetzt holt der Trend auch die Eurozone ein.

Wahrscheinlich haben die EZB Banker genau diese Zahlen im Blick, wenn sie von neuen, erheblichen Abwärtsrisiken sprechen. Die Grafik zeigt die Entwicklung der Industrieproduktion der Eurozone, sowie jene von Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien. Die Daten erinnern ein wenig an die Zeit von 2003 bis 2004. Nachdem viele Länder die Rezession hinter sich gelassen hatten kam es zu einer mehrmonatigen Wachstumsdelle im Jahr 2003. Eine ähnliche Tendenz sehen wir auch seit 2014.

Der EZB ist daran gelegen, den moderaten Abschwung, wie er 2003 erlebt wurde, zu verhindern. Es soll keine Wiederholung geben. Doch welche Möglichkeiten hat die EZB überhaupt, um gegenzusteuern?

Die Eurozone kann als Gesamtheit einen Abschwung nur verhindern, wenn Deutschland, Österreich und Finnland am Aufschwung partizipieren. Als Exportnationen sind diese Länder mehr vom internationalen Umfeld abhängig als die Krisenländer, die sehr viel stärker vom Inlandskonsum getrieben sind.

Die Exporte lassen sich erhöhen, indem der Euro weiter geschwächt wird. Das zu erreichen ist nicht schwer. Die EZB kann aus zahllosen Mitteln auswählen, um dieses Ziel zu erreichen. Ob sie dabei zu einer Ausweitung des Anleihenkaufprogramms greift oder die Zinsen weiter senkt, ist eigentlich unerheblich.

Die Kernfrage ist, was die EZB durch zusätzliche Maßnahmen erreichen will. Will sie lediglich den Euro schwächen, um den Exporteuren zu helfen oder will sie die Exportnationen motivieren den Inlandskonsum anzuheizen?

Kauft die EZB mehr Staatsanleihen, dann hat das nur einen geringen Einfluss auf den Inlandskonsum. Die Zinsen sind bereits niedrig und dem durchschnittlichen Sparer ist die Höhe der Rendite von Staatsanleihen relativ egal. Was zählt, das sind die Zinsen auf dem Sparbuch oder Bausparvertrag. Anders formuliert: wenn die Zinsen für Staatsschulden weiter sinken, dann hat das kaum einen Effekt auf den Konsum.

Sinken hingegen die Leitzinsen weiter und geben Banken die immer niedrigeren Zinsen an ihre Kunden weiter, dann sieht die Sache möglicherweise anders aus. Wird der Einlagensatz auf -0,5% oder -0,75% gesenkt, dann dürften viele Banken die Nullzinsen auf den Konten ebenfalls ins Negative rutschen lassen und ihren Kunden Kosten für Bargeld berechnen. Bereits unter den aktuellen Nullzinsen denken Banken über diesen Schritt nach.

Derzeit ist es für den durchschnittlichen Konsumenten noch kostenfrei Bargeld auf dem Konto zu horten. Wird diese Möglichkeit genommen, dann ist es denkbar, dass Konsumenten versucht sind ihr Geld auszugeben, anstatt Zinsen zahlen zu müssen. Am effektivsten wäre meiner persönlichen Meinung nach die Senkung der Zinsen. Das führt automatisch auch zu einer weiteren Abwertung des Euro. Gleichzeitig kann es aber auch den Konsum antreiben.

Ein schwächerer Euro allein ist keine Garantie für steigende Industrieproduktion und mehr Wachstum. Wenn es international kein Land gibt, welches die Produktion abnimmt – egal wo der Euro steht – dann kann das Wachstum nur durch mehr Binnenkonsum angeschoben werden. Genau darauf läuft es hinaus. Der Euro hat gegenüber dem Dollar und damit auch dem chinesischen Yuan stark abgewertet. Die Exporte hat es nicht beflügelt. Was eine Abwertung von 25% nicht erreicht hat, wird eine Abwertung von 30% auch nicht richten.

Am effektivsten ist die Senkung der Zinsen – zumindest theoretisch. Praktisch könnten tiefere Zinsen die Konsumenten auch dazu bewegen mehr zu sparen, anstatt mehr auszugeben. Wer keine Zinsen mehr erhält, muss mehr sparen, wenn er in der Rente einen bestimmten Geldbetrag zur Verfügung haben möchte. Weitere Lockerungsmaßnahmen könnten nach hinten losgehen.