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München (GodmodeTrader.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag bekannt gegeben, ihr Anleihenkaufprogramm Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Die aktuell sehr niedrigen Zinsen sollen jedoch noch über den Sommer 2019 hinaus niedrig bleiben. Finanzmarktexperten kommentieren das Ergebnis der EZB-Sitzung.

Die EZB hat sich mit geldpolitischen Abenteuern lange zurückgehalten. Umso eiliger hat sie es nun offenbar bei der Weichenstellung über das Ende von Quantitative Easing (QE) und die weitere Zinsentwicklung. Ab September 2018 soll sich das Volumen des Kaufprograms APP auf 15 Milliarden Euro pro Monat halbieren und zum Jahresende ganz auslaufen. Mindestens bis zum Sommer 2019 rechnet die EZB nicht mit Zinserhöhungen, wie Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege der DWS, in einem aktuellen Kommentar schreibt.

„Eine so frühe und ausdrückliche Festlegung hatten wir für dieses Treffen nicht erwartet. Insgesamt aber decken sich die Zentralbankspläne in etwa mit unseren Einschätzungen. Wieder einmal hat die EZB deutlich gemacht, dass sie keine schnellen Zinserhöhungen will. Das macht, vor dem Hintergrund der Unsicherheiten, z.B. drohender Handelskonflikte, Sinn. Was das aber im Einzelnen heißen wird, muss sich aber erst noch zeigen. Die EZB betont weiterhin die Datenabhängigkeit, auch wenn sie die Fortschritte in Richtung Inflationsziel inzwischen als ‚substantiell‘ ansieht“, so Kreuzkamp.

Garland Hansmann, Portfolio Manager des Investec Global Total Return Credit, schreibt: „Die EZB hat zwar die Leitzinsen unverändert gelassen, dennoch hat sie uns und die Märkte mit einer deutlich kulanter als erwarteten Haltung überrascht. Mit der Aussage die Leitzinsen bis nach dem Sommer 2019 auf den historischen Niedrigständen zu halten, hat die EZB jegliche Fantasie einer früheren Zinserhöhung aus dem Markt genommen. Das war überraschend und vom Markt nicht erwartet.“

Die Aussage habe wahrscheinlich nur eine recht geringe Auswirkung auf die längerfristigen Zinssätze, halte sie aber unter Umständen stabiler auf dem aktuell niedrigen Niveau als es sonst der Fall gewesen wäre. Man könnte sich jedoch vorstellen, dass es eine schwächende Wirkung auf den Euro zur Folge hat, insbesondere im Vergleich mit dem US-Dollar, wo die Fed ja zuletzt die Leitzinsen erhöht habe, heißt es weiter.

„Somit versucht Draghi wohl sicher zu stellen, dass die Inflation weiterhin auf das Zielniveau der EZB steigt und auch versucht der europäischen Konjunktur, die zuletzt schwächere Zahlen aufgewiesen hat, Halt zu geben. Das Ende des Wertpapierankaufprogramms für Dezember war weitgehend erwartet. Es wird ab September auf voraussichtlich 15 Milliarden Euro pro Monat reduziert und dann eingestellt“, so Hansmann abschließend.

Die Tatsache, dass am aktuellen Zinsniveau festgehalten werden soll, zumindest bis zum Sommer 2019 und auf jeden Fall so lange wie nötig, hält UBP-Volkswirt Olivier Arpin für entscheidender als die Ankündigung, dass das Anleihenkaufprogramm zum Jahresende auslaufen soll. Ein weiterhin niedriger Leitzins solle sicherstellen, dass die Inflationsentwicklung mit den derzeitigen Erwartungen an einem nachhaltigen Anpassungspfad in Einklang bleibe, heißt es in seinem Kommentar zur jüngsten EZB-Sitzung. Zum Thema Italien schreibt er: „Solange das Problem für Italien weitgehend eingedämmt bleibt, wird die EZB unseres Erachtens wohl im Hintergrund bleiben.“