Jean-Claude Trichet ließ am Freitag die Katze aus dem Sack: Nachdem wir zweieinhalb Jahre die Leitzinsen auf einem historisch außergewöhnlich niedrigen Niveau gehalten haben, ist der EZB-Rat bereit, mit Blick auf die Leitzinsen eine Entscheidung zu fällen. Damit scheint einer Zinserhöhung am 1. Dezember nichts mehr im Wege zu stehen.

Euroland: Die Leitzinsen werden angehoben

Die Europäische Zentralbank wird den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wohl in Kürze Rechnung tragen und am 1. Dezember den Hauptrefinanzierungssatz um 25 Basispunkte auf dann 2,25 Prozent anheben. Den Ausschlag hierfür dürften die jüngsten Wachstumszahlen aus dem Euroraum gegeben haben. Im dritten Quartal 2005 hat die Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal zugenommen und damit den Trend bestätigt, welchen die Frühindikatoren vorgegeben haben. Die Gefahr, dass ein leichtes Anziehen der Zinszügel zu Bremsspuren im Konjunkturverlauf führen wird, ist damit inzwischen deutlich kleiner geworden. Die wirtschaftliche Belebung eröffnet der EZB damit den Spielraum, dem wachsenden Inflationsdruck entgegenzutreten. Seit September befindet sich die Teuerungsrate spürbar über dem EZB-Zielwert von 2,0 Prozent. Zudem liegt das Geldmengen- und Kreditwachstum über den Vorgaben der Währungshüter. Der relativ schwache Euro birgt zusätzliche Inflationsrisiken, da die Importe verteuert werden. Die von der großen Koalition in Deutschland für 2007 beschlossene Mehrwert-steuererhöhung um drei Prozentpunkte könnte in diesem Zusammenhang auch eine Rolle spielen die Ankündigung einer strafferen Geldpolitik gewissermaßen als Warnschuss für die Tarifparteien, die höheren Verbrauchsteuern nicht als Argument für Lohnsteigerungen zu nehmen. Die EZB dürfte bestrebt sein, Zweitrundeneffekte und eine Verfestigung der Inflationserwartungen in jedem Fall zu verhindern. Deshalb werden dem jetzt anstehenden Zinsschritt im nächsten Jahr voraussichtlich weitere folgen. Am Rentenmarkt führten die Aussagen Trichets zu deutlich höheren Renditen, nachdem sich die Festverzinslichen in der ersten Wochenhälfte noch freundlich präsentierten. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag in der Spitze bis zu 12 Basispunkte höher als am Vortag. Allerdings rechnen wir nicht damit, dass sich am langen Ende diese Tendenz fortsetzen wird. Dafür sind trotz der jüngsten Aufhellungen die Wirtschaftsdaten in der Eurozone immer noch zu schwach.

USA: Robuste Konjunktur

Die US-Konjunktur zeigt sich weiterhin in robuster Verfassung. Die in der letzten Woche veröffentlichten Konjunkturzahlen waren jedenfalls erneut überwiegend freundlich. Zuwächse gab es vor allem in der Industrieproduktion und bei der Kapazitätsauslastung zu vermelden. Zudem fielen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe niedriger aus als zuvor erwartet wurde. Für Unterstützung des Bondmarkts sorgten zudem die jüngsten Zahlen zur Inflationsentwicklung. Sowohl auf der Produzenten- als auch auf der Konsumentenseite blieb der Anstieg moderat. Insbesondere die um stark schwankende Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigten Kernraten deuten darauf hin, dass der Teuerungsdruck nicht übermäßig stark werden dürfte. Am geldpolitischen Kurs der Fed dürfte sich daher nichts ändern. Zu einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte sollte es in diesem Jahr noch kommen. Im ersten Halbjahr 2006 dürften dann noch weitere Schritte in Richtung fünf Prozent folgen.

Devisen: Euro bleibt angeschlagen

Die Gemeinschaftswährung tendiert weiter zur Schwäche. Auch die Aussicht auf eine Zinserhöhung der EZB, wodurch sich der Zinsabstand zu den USA zumindest kurzzeitig etwas verringern würde, konnte dem Euro gegenüber dem US-Dollar kaum Rückenwind verleihen. Die Euro-Schwäche geht dabei einher mit einer Dollar-Stärke. Der Homeland Investment Act, der Gewinnrückführungen in die Vereinigten Staaten steuerlich begünstigt, sorgt nach wie vor für kräftige Kapitalrückflüsse in die USA und damit in den Dollar. Außerdem ist damit zu rechnen, dass die amerikanische Notenbank ihren straffen Zinserhöhungskurs weiter fortsetzen wird. Die Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euroraum wird sich damit wieder vergrößern. Und nicht zuletzt die immer noch hohen Ölpreise münden in einer beständigen Nachfrage nach Dollar und erweisen sich somit als Kursstütze für den Greenback am Devisenmarkt.

Ausblick:

In einer insgesamt datenarmen Woche dürften die Frühindikatoren aus dem Euroraum (Ifo-, INSEE-, BNB-Index) die größte Aufmerksamkeit erlangen. Wegen Thanksgiving am Donnerstag haben die Amerikaner nur eine verkürzte Handelswoche. Vor diesem Hintergrund dürfte die Rentenmärkte nach der volatilen Vorwoche wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser gelangen.

Quelle: Union Investment

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