Frankfurt (BoerseGo.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) beobachtet das Ende von QE und die anstehende Zinswende in den USA aufmerksam, schreibt Asoka Wöhrmann, Chief Investment Officer bei der Deutsche Asset & Wealth Management in seinem aktuellen Marktausblick. Die damit einhergehende Dollarstärke werde von den Volkswirten bei der EZB zunächst positiv beurteilt, da die Exportwirtschaft davon profitiere. Gesehen werde aber auch, dass in der Vergangenheit die Renditen von US-Staatsanleihen und Bundesanleihen, der Benchmark für die Zinsentwicklung im Euroraum, positiv und eng korreliert gewesen seien.

„Leitzinserhöhungen und das Ende von QE dürften in den USA im kommenden Jahr zu einem Anstieg der kurzfristigen und langfristigen Zinsen führen“, führt Wöhrmann aus und geht zugleich davon aus, dass die EZB den Leitzins im Euroraum niedrig halten wird. „Die zunehmende Zinsdifferenz zwischen den beiden großen Wirtschaftsblöcken könnte eine Kapitalabwanderung aus dem Euroraum in Richtung USA auslösen, zudem sollten steigende US-Zinsen zu einem Dollaranstieg führen, was der Kapitalabwanderung zusätzlichen Schwung verleihen dürfte“; befürchtet der CIO.

Steigende US-Renditen dürften laut dem Experten auch Spuren in Europa hinterlassen. „Da die kurzfristigen Zinsen wohl niedrig gehalten werden, dürfte die Zinskurve steiler werden. Steile Zinskurven signalisieren typischerweise ein anziehendes Wirtschafts-wachstum in der Zukunft. Diese Interpretation sollte, mit Einschränkungen, auch für die Eurozone zutreffen“, so Wöhrmann.

Er schränkt aber ein: Die Wachstumskräfte im Euroraum sind noch immer sehr schwach. „Ein Anstieg der Anleiherenditen dürfte deshalb nicht im Sinn der EZB und der Regierungen sein. Damit dürfte im Euroraum „Public QE“ – also der Ankauf von Staatsanleihen als Mittel, die Anleiherenditen niedrig zu halten – in den Fokus der Politik rücken“.

Die Diskussion sei bereits in vollem Gange: Der Internationale Währungsfonds habe jüngst gefordert, dass die EZB ein großangelegtes Programm zum Kauf von Anleihen in Erwägung ziehen sollte. Die deutsche Regierung dagegen sei skeptisch und habe gewarnt, dass dadurch die Liquidität zu groß würde. „Kommt der Anstieg der Anleiherenditen, dürfte die Zahl der politischen Befürworter steigen. Die EZB wird dann wohl unter Druck kommen, die Maßnahme Public QE aus der Instrumentenbox zu ziehen. Der Euro dürfte in diesem Fall gegenüber dem US-Dollar weiter an Wert verlieren“, so der Stratege. Er rät Investoren dieses mögliche Szenario bei ihren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Steigende US-Zinsen sprächen gegen US-Anleihen. Anleihen aus dem Euroraum dürften sich dagegen sehr volatil entwickeln. „Für Anleger gibt es aber auch eine gute Nachricht“, sagt Wöhrmann: „Zu Beginn eines Leitzinserhöhungszyklus entwickelten sich die Aktienmärkte häufig weiter positiv. Das spricht für eine höhere Gewichtung von Aktien“.