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EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat bei einer Rede in Frankfurt eine Neufassung des EZB-Inflationsziels im Rahmen der laufenden strategischen Überprüfung der EZB-Geldpolitik angedeutet. "Seit 2003, als wir das letzte Mal eine Strategieüberprüfung durchgeführt haben, haben sich das Euro-Währungsgebiet und die Weltwirtschaft grundlegend verändert. Der Konsens, der die Geldpolitik weltweit regiert hat, wurde an mehreren Fronten in Frage gestellt", sagte Lagarde.

Seit 2003 verfolgt die EZB ein Inflationsziel von "unter, aber nahe zwei Prozent". Dieses Inflationsziel sei der damaligen Zeit angemessen gewesen, "als die EZB nach Glaubwürdigkeit strebte und eine zu hohe Inflation ihre Hauptsorge war", sagte Lagarde nun.

Inzwischen habe sich die Sichtweise aber geändert. "Im gegenwärtigen Umfeld niedrigerer Inflation sind die Bedenken jedoch unterschiedlich und dies muss sich in unserem Inflationsziel widerspiegeln. Es wird wichtiger sicherzustellen, dass genügend Platz über Null vorhanden ist, um die konventionelle Geldpolitik wieder zu stärken. Und um die Inflationserwartungen zu untermauern, müssen wir sicherstellen, dass unser Ziel von der Öffentlichkeit als symmetrisch wahrgenommen wird. Wir sollten also ein Inflationsziel haben, das die Öffentlichkeit leicht verstehen kann", sagte Lagarde. Die Aussagen könnten darauf hindeuten, dass die EZB ihr Inflationsziel möglicherweise auf glatt zwei Prozent oder sogar darüber hinaus erhöhen könnte.

Mit Blick auf Vorschläge, wonach Notenbanken anstreben sollten, eine Periode zu niedriger Inflation durch die Tolerierung einer anschließend höheren Inflation auszugleichen, äußerte sich Lagarde vorsichtig skeptisch. "Wenn dies glaubwürdig ist, kann eine solche Strategie die Fähigkeit der Geldpolitik stärken, die Wirtschaft angesichts der Untergrenze zu stabilisieren", sagte Lagarde. "Dies liegt daran, dass das Versprechen eines Inflationsüberschreitens die Inflationserwartungen erhöht und daher die Realzinsen senkt." Solche "Aufholstrategien" bei der Inflation seien aber weniger erfolgreich, wenn Menschen nicht völlig rational handelten, gab Lagarde zu bedenken. Gleichzeitig betonte die EZB-Präsidentin, dass die Nützlichkeit eines solchen Ansatzes untersucht werden sollte.

Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HICP) als Inflationsmaßstab habe "gute Dienste geleistet" und werde kontinuierlich verbessert, so Lagarde. Gleichzeitig müsse aber die "Zukunftsfähigkeit" des Inflationsmaßes sichergestellt werden. Gleichzeitig müsse auch der zugrunde liegende Inflationsdruck Beachtung finden. "Die Öffentlichkeit erwartet zu Recht, dass wir die Kaufkraft des Geldes verteidigen, und deshalb zielen wir auf den gesamten HVPI ab. Die zugrunde liegenden Inflationsmaße reagieren jedoch stärker auf die wirtschaftliche Flaute und prognostizieren die Inflation mittelfristig besser", sagte Lagarde. Deshalb müsse die EZB auch auf die zugrunde liegende Inflation achten.

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Fazit: EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat mit ihrer heutigen Rede eine Überarbeitung des EZB-Inflationsziels in Aussicht gestellt. Dabei scheinen die Aussagen Lagardes anzudeuten, dass das bisherige Inflationsziel von "unter, aber nahe zwei Prozent" zur Disposition stehen könnte und die EZB womöglich sich künftig ein Inflationsziel von genau zwei Prozent verordnen könnte. Leicht skeptisch äußerte sich Lagarde hingegen zu Vorschlägen, wonach Perioden zu niedriger Inflation anschließend durch Phasen höherer Inflation ausgeglichen werden sollen. Gleichwohl sagte Lagarde, dass solche Ansätze überprüft werden sollten. Die EZB-Strategieüberprüfung soll wegen der Corona-Pandemie erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 abgeschlossen werden, nachdem zunächst ein Abschluss noch in diesem Jahr angestrebt wurde.


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