Frankfurt (BoerseGo.de) - Die EZB hat die Erwartungen des Marktes in diesem Monat erneut übertroffen. Denn sie hat zum einen deutlich gemacht, dass sie an ihrem Inflationsziel festhält. Zum anderen hat sie hervorgehoben, dass die Marktteilnehmer nach so vielen Monaten mit niedrigen Inflationsraten die Hoffnung verlieren könnten. Dass die Inflationserwartungen kürzlich gefallen sind, hat die EZB zu einer Zinssenkung und einem starken Bekenntnis zu ABS-Käufen bewogen, wie Martin Harvey, Anleihen-Portfoliomanager bei Threadneedle Investments, in einem aktuellen Kommentar zum gestrigen EZB-Entscheid schreibt.

Im Zusammenspiel mit dem TLTRO-Programm könnten diese Maßnahmen die Bilanz der EZB um bis zu eine Billion Euro aufblähen. Ein so großes Programm zum Aufkauf von Vermögenswerten werfe gewiss Fragen hinsichtlich der damit verbundenen technischen Schwierigkeiten auf. Dies erkläre, weshalb die EZB den Umfang des Programms nicht genauer beziffere. Nichtsdestotrotz sollte ihr allgemeines Bekenntnis genügen, um das Vertrauen des Marktes in sie und ihre Fähigkeit, ihrem Mandat gerecht zu werden, zu stärken, heißt es weiter.

„Das ABS-Programm wird eine Phase der ultralockeren Geldpolitik einläuten, wenn auch ohne die dabei üblicheren Staatsanleihenkäufe. Solche politischen Mittel sind immer mit organisatorischen Hürden verbunden. Dennoch behält die EZB sie für den Fall, dass die Konjunktur sich weiter verschlechtern sollte, in der Hinterhand. Vorerst sollte diese Form der Geldpolitik risikoreicheren Vermögenswerten weiteren Auftrieb geben. Zudem dürfte sie dafür sorgen, dass die Jagd auf Rendite am Anleihenmarkt anhält – wenigstens so lange, bis sich zeigt, wie schnell die Bilanzverlängerung der EZB von statten geht“, so Harvey.