Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt die Leitzinsen in der Eurozone wie erwartet auf ihrem Rekordtief. Dies teilte die EZB nach der geldpolitischen Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag mit. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich die Banken bei der EZB in einwöchigen Geschäften Geld leihen können, bleibt bei 0,05%. Auch der Spitzenrefinanzierungssatz (0,30%) und der Einlagenzinssatz der Banken (-0,20%) werden nicht verändert. Diese Entscheidungen waren ausnahmslos so erwartet worden. Zuletzt waren die Leitzinsen Anfang September gesenkt worden.

    Mittelfristig erwarten die meisten Experten, dass die EZB trotz der Kritik vor allem aus Deutschland weitere Maßnahmen ankündigen wird, um Konjunktur und Inflation in der Eurozone anzukurbeln. Dabei dürfte die EZB auch ein Programm zur quantitativen Lockerung, also breit angelegte Käufe von Staatsanleihen, beschließen. Die bisherigen Kaufprogramme der EZB für Kreditverbriefungen (ABS) und Pfandbriefe sowie ein Programm für gezielte Langfristkredite für die Banken (TLTRO) dürften nach Expertenmeinung alleine nicht ausreichen, um die Bilanzsumme der EZB wie geplant um rund eine Billion Euro auszuweiten und so mehr Geld in die Wirtschaft der Eurozone zu pumpen.

    Ab 14.30 Uhr wird EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz die Entscheidungen der EZB erläutern und die neuen Inflations- und Wachstumsprojektionen der Notenbank vorstellen. Marktteilnehmer erhoffen sich außerdem weitere Andeutungen zu künftigen Maßnahmen. Draghi hatte in den vergangenen Wochen wiederholt die Bereitschaft der EZB signalisiert, wenn nötig weitere Maßnahmen zu ergreifen, um ein Abrutschen der Eurozone in eine Deflationsspirale zu verhindern. Im November war die Teuerungsrate in der Eurozone wieder auf 0,3% gesunken. Die EZB strebt eigentlich eine Inflationsrate von knapp 2% an.

    Die Pressekonferenz ab 14.30 Uhr findet heute zum ersten Mal in der neuen EZB-Zentrale im Ostend von Frankfurt am Main statt und wird live auf der Website der EZB übertragen (hier).

    Die Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi können außerdem auf der Echtzeitnachrichtenplattform Jandaya verfolgt werden.