Den US-Arbeitsmarktzahlen für Juni war kein klarer Hinweis auf die weitere Zinspolitik der Fed zu entnehmen. Die EZB wird vermutlich schon Anfang August die Leitzinsen weiter anheben. Bereits in der laufenden Woche dürfte die Japanische Notenbank (BoJ) ihre faktische Nullzinspolitik beenden und den anderen großen Zentralbanken auf dem Weg zu höheren Zinsen folgen.

USA: Keine Klarheit nach Arbeitsmarktzahlen

Die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktzahlen hinterließen unter den Marktteilnehmern eine gewisse Ratlosigkeit. Einerseits fiel der Beschäftigungsanstieg im Juni mit 121.000 schwächer aus als erwartet, was auf eine gewisse Abschwächung der Konjunktur hindeutet und damit die Notwendigkeit weiterer Zinsanhebungen durch die Federal Reserve Bank geringer werden lässt. In dieses Bild passen auch die zuletzt bekannt gegebenen Stimmungsindikatoren, die ebenfalls auf eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik in den Vereinigten Staaten hinweisen. Andererseits scheint der Lohndruck aber immer noch spürbar zuzunehmen. Im Vergleich zum Vormonat stieg der durchschnittliche Stundenlohn um 0,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich dadurch eine Lohnsteigerung von 3,9 Prozent, was den stärksten Anstieg seit dem Jahr 2001 markiert. Eine Entwarnung von der Inflationsfront sieht anders aus. Vor diesem Hintergrund ist eine neuerliche Zinsanhebung der FED auf dann 5,5 Prozent bereits in Kürze durchaus denkbar. Der Rentenmarkt konnte sich in der Vorwoche dennoch behaupten. Die Zehnjahresrendite lag zum Wochenschluss nahezu unverändert bei gut 5,1 Prozent. Der Markt scheint auf klare Signale zu warten, wohin die Reise geht, was Konjunktur, Inflation und Zinsen angeht.

EZB vor nächster Zinserhöhung

Die Europäische Zentralbank hat zwar wie erwartet die Leitzinsen auf ihrer Sitzung in der letzten Woche bei 2,75 Prozent belassen. Eine faustdicke Überraschung war jedoch die Ankündigung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, Anfang August statt - wie ursprünglich geplant einer Telefonkonferenz eine reguläre EZB-Ratssitzung abzuhalten. Gepaart mit der Aussage, dass die Währungshüter sich in einem Zustand erhöhter Wachsamkeit (strong vigilance) befänden, deutet dies sehr stark auf eine weitere Zinserhöhung auf dann 3,0 Prozent hin. Die EZB verließe ihren bisher praktizierten Rhythmus von einer Zinsanhebung pro Quartal. Damit hat aus unserer Sicht die Wahrscheinlichkeit erheblich zugenommen, dass zum Jahresende der Hauptrefinanzierungssatz bereits bei 3,5 Prozent liegt.

Die Entscheidung für eine Fortsetzung des Zinserhöhungskurses dürfte den Notenbankern angesichts der jüngsten Konjunkturzahlen aus dem Euroraum ohnehin nicht allzu schwer fallen. Neben freundlichen Stimmungsindikatoren wie den europaweiten Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und den Dienstleistungssektorsektor meldete auch die deutsche Industrie für Mai eine abermalige Erhöhung ihrer Produktion um 1,5 Prozent. Der Konjunkturaufschwung schlägt inzwischen auch auf den Arbeitsmarkt durch. Die Arbeitslosenquote für die Eurozone lag im Mai bei 7,9 Prozent, was den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren markiert. Gleichzeitig bleibt der Teuerungsdruck hoch. Die Inflationsrate für Juni musste auf 2,5 Prozent revidiert werden, wozu wiederum in erster Linie die Energiepreise verantwortlich waren. Auch auf den vorgelagerten Produktionsstufen macht sich Preisdruck bemerkbar. Die Erzeugerpreise stiegen im Mai in den Ländern des Euroraums um 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Selbst unter Herausrechnung der Energiekomponente lag der Preisniveauanstieg immer noch bei beachtlichen 2,6 Prozent. Die erhöhte Wachsamkeit der EZB ist also berechtigt.

BoJ vor erstem Zinsschritt

Die Anzeichen verdichten sich, dass die Bank of Japan (BoJ) bereits in der laufenden Woche die Abkehr von der faktischen Nullzinspolitik vornehmen und den Leitzins auf 0,25 Prozent festsetzen wird. Damit ginge ein siebenjähriger Krieg gegen Rezession und Deflation zu Ende. Schritt für Schritt sollte die Quelle billigen Geldes, mit der die Welt in den letzten Jahren regelrecht geflutet wurde, versiegen. Die Bedingungen für ein Anziehen der Zinszügel sind jedenfalls gegeben. Die Deflation ist positiven Inflationsraten gewichen und die Konjunkturdaten sind durchweg günstig. Die japanische Wirtschaft dürfte das vierte Jahr in Folge überdurchschnittlich wachsen. Vor diesem Hintergrund sollte auch der politische Widerstand gegen eine Straffung der Geldpolitik gering bleiben. Gewinner könnte vor allem der Japanische Yen sein, da die Zinsdifferenz am kurzen Ende zu den anderen Wirtschaftsräumen sukzessive abnehmen wird.

Ausblick:

Nur wenige Konjunkturdaten stehen in der laufenden Woche zur Veröffentlichung an. Spekulationen über die Zinspolitik in den USA und im Euroraum könnten deshalb etwas in den Hintergrund treten. Die Musik dürfte eher am Aktienmarkt spielen, wo in dieser Woche die Quartalsberichtssaison beginnt. Mit Rückwirkungen auf den Rentenmarkt ist zu rechnen, da hiervon die Asset Allocation vieler professioneller Investoren beeinflusst wird.

Quelle: Union Investment

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