• Meta Platforms Inc - Kürzel: FB2A - ISIN: US30303M1027
    Kursstand: 191,240 $ (Nasdaq) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung
  • Alphabet Inc. (Class A) - Kürzel: ABEA - ISIN: US02079K3059
    Kursstand: 2.256,880 $ (Nasdaq) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung

New York/ Berlin (Godmode-Trader.de) - Investoren im Technologiebereich brauchen in diesem Jahr starke Nerven. Und es ist noch nicht in Sicht, wann die Zeit der Turbulenzen enden könnte. So gingen allein als Folge der jüngsten Fed-Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte Mittwoch voriger Woche in den folgenden drei Handelstagen über 1,5 Bio. US-Dollar der Tech-Marktkapitalisierung verloren. Sogar Anlegers’ Lieblinge, die berühmt-berüchtigten FAANG-Titel, sind in diesem Jahr um zweistellige Prozentsätze gefallen. Besonders böse hat es Alphabet A und Meta Platforms erwischt, die Charts präsentieren die beeindruckenden Abwärtsbewegungen. Auch Amazon, Apple und Netflix haben Federn gelassen. Gerade erst musste Apple den Platz 1 der weltweit wertvollsten Unternehmen an Saudi Aramco abgeben.

Freilich könnte man behaupten, die jüngsten Tiefschläge sind Auswirkungen der vorherigen jahrelangen Hausse und insofern nicht weiter beachtlich. Denn in der langen Phase des billigen Geldes hatten Anleger immer mehr auf wachstumsstarke Tech-Unternehmen gesetzt. Tim Ghriskey, Portfoliostratege von Ingalls & Snyder etwa sprach zuletzt lediglich von „Panikverkäufen" bei etlichen Technologietiteln und anderen hoch bewerteten Unternehmen.

Doch es gibt für die Aktien-Südläufer auch fundamentale Gründe. Insgesamt haben die zuletzt vorgelegten Quartalsbilanzen einige Schwächen der Unternehmen offenbart. Während Amazon und Netflix während der Pandemiejahre 2020 und 2021 noch zu den größten Gewinnern gehörten, leiden beide Unternehmen nun unter einer signifikanten Abschwächung ihrer Kerngeschäfte. Es ist ein Trend zu beobachten, dass ‚real‘ ‚digital‘ schlägt. Die Verbraucher suchen wieder vermehrt das reale Erlebnis, das physische Erleben von Waren im Geschäft, und fahren ihre Ausgaben für digitale Dienstleistungen zurück. Auch das Internet-Werbegeschäft von Meta und Alphabet ist vom schwindenden E-Commerce-Konsum betroffen. Und Apple war nicht immun gegen steigende Kosten und den Lieferkettenproblemen in Asien.

Die Aktienkurse sind aus fundamentaler Sicht zu einem großen Teil das Ergebnis der Einschätzung der Gewinnaussichten durch den Markt. Sie bestehen aus zwei Komponenten: dem Gewinn je Aktie und dem Bewertungsmultiplikator, auch bekannt als Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Den Preis bestimmt danach die Beantwortung der Frage, wie viel die Anleger bereit sind, für die erwarteten Gewinne eines Unternehmens zu zahlen. Deshalb ist es wichtig, auf die Entwicklung der Gewinnschätzungen des Marktes zu schauen. Und bei den FAANG-Aktien gehen die Gewinnprognosen zurück. Nach Angaben von FactSet Research sind die erwarteten Konsensschätzungen für den bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) für das vierte Quartal sämtlicher FAANG-Aktien im Zeitraum seit Jahresbeginn teils beträchtlich gesunken.

Aktuelle Analysteneinschätzungen:

- Die Analysten der LBBW sind der Meinung, dass es Tech-Titel schwer haben werden. Sie erwarten schwierige Sommermonate für Aktien und empfehlen eine defensivere Ausrichtung.

- JPMorgan hat das Kursziel für die Alphabet A-Aktie nach Zahlen von 3.450 auf 3.200 US-Dollar gesenkt, die Einstufung aber auf „Overweight" belassen. Tenor: Das operative Umfeld sei für Alphabet nicht mehr so vorteilhaft wie im vergangenen Jahr.

- Jefferies hat das Kursziel für Netflix nach Quartalszahlen von 415 auf 280 US-Dollar gesenkt, aber die Einstufung auf "Hold" belassen. Tenor: Bei Managementaussagen keine Spur mehr von der sonst üblichen Zuversicht.

- Postbank: Trotz der starken Performance während der Coronavirus-Pandemie ist die Gewinnentwicklung der Tech-Werte in der Regel stark von der Konjunktur abhängig. Das heißt, das Profitwachstum nimmt im Aufschwung zu und im Abschwung ab.

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Die weitere Entwicklung der FAANG-Aktien wird davon abhängen, ob die Gewinnschätzungen steigen oder weiter sinken. Wie es derzeit aussieht, dürfte Letzteres eintreten. Die Tech-Unternehmen selbst haben vor schwierigeren Zeiten gewarnt. Eine weitere Abwärtsbewegung könnte auch durch Kürzungen der Unternehmensausgaben ausgelöst werden, wie jüngst bei Uber angekündigt.

Als Fazit ist festzuhalten, dass es unwahrscheinlich ist, dass die FAANG-Aktienkurse wieder nachhaltig zulegen, solange der Markt nicht Anzeichen sieht, wann die Gewinnschätzungen wieder steigen könnten. Eine Trendumkehr ist derzeit nicht zu erkennen.