Wenn morgen Abend die US-Notenbank ihren Zinsentscheid veröffentlicht, werden wieder Händler und Anleger in aller Welt gebannt auf ihre Bildschirme starren und versuchen, mit den Marktreaktionen Geld zu verdienen. Dabei ist weniger entscheidend, was die US-Notenbank tatsächlich entscheidet (eine Leitzinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte gilt als sicher), sondern eher, wie der Markt auf die Entscheidungen der Fed reagiert und wie die Aussagen zur künftigen Fed-Geldpolitik interpretiert werden.

    Der Zinsentscheid wird um 20.00 Uhr MEZ veröffentlicht. Um 20.30 Uhr beginnt die vorletzte Pressekonferenz mit Fed-Präsidentin Janet Yellen, die ihr Amt im Februar 2018 an ihren Nachfolger Jerome Powell übergeben wird. Auch morgen wird der Markt wohl wieder genau darauf achten, welche Andeutungen Yellen zur künftigen Geldpolitik macht. Da ihre Tage an der Fed-Spitze allerdings gezählt sind, könnten ihre Worte dieses Mal weniger stark ins Gewicht fallen als bisher.

    Wie kann man mit dem Fed-Zinsentscheid als Anleger oder Trader Geld verdienen? Für langfristige Investoren gilt bekanntlich das alte Börsensprichwort "Don't fight the Fed": Anleger sollten sich mit ihren Anlageentscheidungen nie gegen die US-Notenbank und ihre geldpolitische Ausrichtung stellen, wenn sie Geld an der Börse verdienen wollen. Sorgt die US-Notenbank etwa über sinkende Zinsen für mehr Liquidität, dann ist das in der Regel gut für die Aktienmärkte.

    "Fade the Fed": So funktioniert die Fed-Strategie

    Im Gegensatz zum oben zitierten Sprichwort sind kurzfristige Trader in der Regel gut beraten, sich mit ihren Trades genau gegen die von der US-Notenbank verursachten Marktreaktionen zu stellen. Die sogenannte Fade-the-Fed-Strategie geht davon aus, dass die anfängliche Reaktion auf den Fed-Zinsentscheid selten von Dauer ist. Bei den vergangenen drei Fed-Zinsentscheiden lag man mit dieser Einschätzung goldrichtig. Der folgende Chart zeigt den fast "idealtypischen Verlauf" beim vorletzten Zinsentscheid am 20. September.

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    Der Dow Jones Industrial Average reagierte nach 20.00 Uhr zunächst mit Kursverlusten auf das Fed-Statement. Doch die Kursverluste waren nicht von Dauer. Bereits nach rund 20 Minuten war das Tief erreicht und die Kurse begannen wieder zu steigen. Bis zum Handelsende um 22 Uhr wurde das Kursniveau von vor dem Fed-Zinsentscheid wieder deutlich überschritten.

    Das Muster, dass sich die anfängliche Reaktion in ihr Gegenteil umkehrt, ist relativ häufig bei Fed-Zinsentscheiden zu beobachten. Beim letzten Zinsentscheid am 1. November (wegen des unterschiedlichen Zeitpunkts der Umstellung zur Winterzeit bereits um 19 Uhr MEZ) kam es zunächst zu Kursgewinnen im Dow. Diese Aufwärtsbewegung setzte sich letztlich bis zur Eröffnung am folgenden Handelstag um 14.30 Uhr MEZ fort. Aber nach der Eröffnung brachen die Kurse ein und rutschten dabei auch deutlich unter das Niveau von vor dem Fed-Zinsentscheid.

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    Die Strategie ist nicht einfach zu traden. Die Schwierigkeit der Fade-the-Fed-Strategie besteht darin, zu erkennen, wann genau sich die erste Marktreaktion in ihr Gegenteil umkehrt und wie weit die Kurse dann in die Gegenrichtung laufen. Hier lassen sich leider keine pauschalen Aussagen treffen. Trader, die davon ausgehen, dass sich die anfängliche Marktreaktion auf einen Fed-Zinsentscheid in ihr Gegenteil umkehrt, haben jedenfalls in der Mehrzahl der Fälle Recht.

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