Wer nach potenziellen Outperformern am Aktienmarkt sucht, kann auf ganz verschiedene Weise vorgehen und fündig werden. Ein cleverer Weg ist es, einen Blick auf die Eigentümerstruktur der Unternehmen zu werfen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Aktien von Unternehmen, die vom Unternehmensgründer oder der Familie des Gründers geführt werden, in der Regel deutlich besser performen als der Gesamtmarkt.

Eine Studie des Credit Suisse Research Institute (CSRI) aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass auch die Pandemie an der Outperformance von börsennotierten Familienunternehmen nichts geändert hat. Für seine Studie ‘Credit Suisse Family 1000: Post the Pandemic’ hat das CSRI die Performance von 1.000 börsennotierten Unternehmen in Familienbesitz mit der Entwicklung des Gesamtmarktes verglichen..

Das Ergebnis ist eindeutig: Seit dem Jahr 2006 haben die Aktien von börsennotierten Familienunternehmen eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt von 3,7 Prozentpunkten pro Jahr erzielt. In Europa war die Outperformance mit 4,7 Prozentpunkten und in Asien mit mehr als 5,0 Prozentpunkten sogar noch größer als im Rest der Welt. Grundsätzlich sei die Outperformance in allen Regionen und Sektoren feststellbar, schreibt das CSRI. Darüber hinaus zeigen börsennotierte Familienunternehmen auch ein stärkeres Umsatzwachstum, eine höhere Rentabilität und ein besseres Abschneiden bei ökologischen, sozialen und Governance-Kriterien (ESG-Kriterien). Es ist in der Regel also auch gesellschaftlich von Vorteil, wenn Eigentum und Verantwortung in einer Hand liegen.

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Quelle: Credit Suisse Research Institute (CSRI)

Auch mit der Pandemie kamen die Unternehmen gut klar. "Familienunternehmen zeichnen sich in der Regel durch eine überdurchschnittlich defensive Ausrichtung aus, dank der sie besonders in Phasen von Marktstress gute Ergebnisse erzielen", schrieb das CSRI.

Familiengeführte Unternehmen haben den Vorteil, dass Eigentum und Verantwortung in einer Hand liegen. Das Unternehmen wird nicht von austauschbaren Managern geleitet, die mit dem Unternehmen im Zweifel nur eine geringe persönliche Verbindung haben, sondern vom Unternehmensgründer oder Mitgliedern seiner Familie, deren eigenes privates Wohlergehen auch stark mit dem Wohlergehen des Unternehmens verknüpft ist. Das stärkt im Idealfall das Verantwortungsgefühl gegenüber dem Unternehmen, seinen Mitarbeitern sowie dem Umfeld, in dem das Unternehmen angesiedelt ist und führt auch zu besseren wirtschaftlichen Entscheidungen.

Für den deutschen Aktienmarkt gibt es den German Entrepreneurial Index (GEX), der die Wertentwicklung eigentümergeführter deutscher Unternehmen abbildet. Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen Unternehmen unter anderem die Bedingung erfüllen, dass aktive sowie ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder zwischen 25 und 75 Prozent der Stammaktien halten müssen. Ein expliziter Bezug zum Gründer oder seiner Familie ist dabei nicht vorgeschrieben, dürfte häufig aber gegeben sein. Zudem darf das Unternehmen erst seit höchstens zehn Jahren börsennotiert sein.

Beim DAXplus Family 30 Index (TR) muss die Gründerfamilie mindestens einen 25-prozentigen Stimmrechtsanteil halten oder in Vorstand oder Aufsichtsrat sitzen und mindestens einen Stimmrechtsanteil von 5 Prozent halten. Ausgewählt werden aus dieser Gruppe die 30 größten und liquidesten Unternehmen.

Im Zuge der Corona-Pandemie konnte der GEX den DAX deutlich outperformen, wie der folgende Chart zeigt. Der DAXplus Family 30 Index (TR) zeigte zu Beginn der Erholung zwar ebenfalls eine Outperformance, wurde inzwischen aber wieder vom DAX überholt.

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GEX, DAXpl

Weil beim GEX eher gewährleistet ist, dass Eigentum und Verantwortung für das Unternehmen tatsächlich in einer Hand liegen, scheint der GEX insgesamt das etwas schlüssigere Indexkonzept zu haben.

Derzeit gibt es keinen börsengehandelten Indexfonds (ETF), der den GEX abbildet. Die Produktsuche auf Guidants zeigt aber mehrere Indexzertifikate auf den GEX, mit denen Anleger ebenfalls an der Performance des Index partizipieren können. (Im Gegensatz zu ETFs sind Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen, bei denen ein Emittentenrisiko besteht).

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Auch bei der Suche nach guten Einzelaktien sollten Anleger im Hinterkopf behalten, dass es grundsätzlich von Vorteil ist, wenn Eigentum und Verantwortung in einer Hand liegen, wenn also das Unternehmen nicht von austauschbaren Managern geleitet wird, sondern von Personen, deren eigener Wohlstand auch stark mit dem jeweiligen Unternehmen verknüpft ist.


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