Man fragt sich inzwischen, ob die US-Notenbanker den Aktienmarkt absichtlich zu Fall bringen wollen. Direkt nach der Marktbewertung gefragt, halten sich Notenbanker mit Aussagen zurück. Es ist jedoch klar, dass eine Geldschwemme früher oder später bei Anlegern die Lust am Aktienkauf weckt. Auch diesmal war es so.

Trotz einiger guter Wirtschaftsdaten äußern sich Notenbanker zunehmend skeptisch. Sie streuen geradezu Pessimismus. Als wäre das nicht schon schlimm genug, macht die Notenbank nun auch klar, dass sie den Markt nicht leerkaufen wird. Sie kauft, wenn der Markt nicht funktioniert. Solange sich die Volatilität in Grenzen hält und Anleihen noch Käufer finden, schreitet sie nicht ein.

Das sind bereits zwei schwerverdauliche Ansagen. Nun schrumpft die Bilanzsumme aber sogar. Innerhalb einer Woche verkleinerte sich die Bilanzsumme um 75 Mrd. Dollar (Grafik 1). Das ist ein Bruch mit der Expansion der Vorwochen. Vor zwei Wochen schrumpfte die Bilanzausweitung bereits auf 4 Mrd. Nun wächst die Bilanz gar nicht mehr, sondern schrumpft.


Das wirkt auf den ersten Blick ernüchternd. Anleger können aber aufatmen. Der Grund für den Rückgang der Bilanzsumme ist sogar positiv. Die Notenbank kaufte in der zurückliegenden Woche Staatsanleihen im Volumen von 19 Mrd. und Hypothekenpapiere im Umfang von 83 Mrd. Wertpapiere werden also weiterhin erworben.

Dafür fielen andere Bilanzpositionen. Global herrschte während der Panik im März und April eine Dollarknappheit. Die Fed half mit Währungsswaps aus. Notenbanken überall auf der Welt beschafften sich bei der Fed Dollar, um eine Knappheit abzuwenden. Diese Swap Lines erreichten ein Gesamtvolumen von 450 Mrd.

Da sich der Finanzmarkt insgesamt beruhigt hat, legt sich die Dollarknappheit wieder. Andere Notenbanken zahlen die Dollar zurück. In der zurückliegenden Woche reduzierten sich die ausstehenden Swaps so um fast 100 Mrd. Dollar. Das verkleinert die Bilanzsumme. Es ist aber ein gutes Zeichen. Es ist ein Zeichen, dass der Stress im Finanzsystem deutlich abgenommen hat.

Auch in den USA hat sich der Stress gelegt. Banken schlossen mit der Notenbank Rückkaufgeschäfte ab, um an Liquidität zu kommen. Mitte März beschafften sie sich so 200 Mrd. an Geld. Inzwischen ist ausreichend Liquidität vorhanden. Banken sind auf Repos nicht mehr im gleichen Ausmaß angewiesen. In den letzten Wochen fiel der ausstehende Betrag kontinuierlich, von zeitweise 450 Mrd. im März auf nun nur noch 80 Mrd.

Bleibt die Lage einigermaßen ruhig, ist denkbar, dass die Fed Bilanz weiter schrumpft. Das ist jedoch ein vorübergehendes Phänomen, das eine positive Entwicklung darstellt.

Clemens Schmale


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