„Historisch gesehen haben sich steigende Arbeitslosenquoten meist hartnäckig gehalten. Das heißt, wenn die Arbeitslosenquote erst einmal steigt, wird es schwer, sie wieder unter Kontrolle zu bringen. Den Leitzins in einem Jahr um fast 450 Basispunkte anzuheben und gleichzeitig zu verhindern, dass die Arbeitslosigkeit um mehr als 100 Basispunkte ansteigt, ist eine sehr schwierige Aufgabe für die Zentralbank. Die Geschichte zeigt, dass hier wenig Aussicht auf Erfolg besteht. Die Wirtschaftsprognosen nach dem gestrigen Treffen zeigen, dass die Fed davon ausgeht, die Zinsen 2024 geringfügig auf knapp unter 4,0 Prozent zu senken.

Die Märkte scheinen bisher zuversichtlich, dass die Fed eine tiefgreifende Rezession vermeiden kann. Wenn die Wirtschaftsdaten schwächer werden und die Arbeitslosigkeit zu steigen beginnt, könnte sich die Lage allerdings ändern.

Das Engagement von Privatanlegern am Aktienmarkt, der gestiegene Konsum sowie solide Unternehmensbilanzen haben aus unserer Sicht dazu beigetragen, dass US-Aktien 2022 bei steigenden Zinsen nicht noch stärker eingebrochen sind. Wenn die Fed die Zinsen jedoch weiter anhebt, könnte sich die Lage ändern. Denn wenn die Ersparnisse aufgebraucht sind, wirkt sich das auf den Endverbraucherkonsum aus, bevor die Inflation spürbar zurückgeht. Das wiederum könnte die Unternehmensbewertungen unter Druck setzen.

Höhere US-Leitzinsen dürften sich bei sonst gleichen Bedingungen in einem stärkeren US-Dollar niederschlagen. Dies könnte die Schwellenländer vor Herausforderungen stellen. Diejenigen, die hohe auf US-Dollar lautende Staats- oder Unternehmensanleihen ausstehen haben, müssen diese möglicherweise bald zu höheren Kosten umschulden. Auch die multinationalen US-Konzerne werden aufgrund des stärkeren US-Dollars wahrscheinlich einen Margendruck spüren, wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben.“