Die US-Notenbank hat sich im September nur "knapp" gegen eine Leitzinserhöhung entschieden. Dies geht aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll zur letzten Sitzung des Offenmarktausschusses vom 20. und 21. September hervor. Es habe vernünftige Gründe sowohl für als auch gegen eine Zinserhöhung gegeben, heißt es im Protokoll. Mehrere Mitglieder des Offenmarktausschusses hätten sich für eine baldige Leitzinserhöhung ausgesprochen. Es sei aber entschieden worden, noch eine weitere Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt abzuwarten.

    Laut Protokoll rechnen die meisten Fed-Mitglieder nun mit einer Zinserhöhung im Dezember. Der explizite Hinweis auf die übernächste Zinssitzung dürfte ein starkes Signal für einen Zinsschritt zum Jahresende sein. Die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses im November findet nur wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl statt. Da außerdem keine Pressekonferenz für den Termin geplant ist, erscheint eine Zinserhöhung im November relativ unwahrscheinlich.

    Einige Mitglieder verwiesen auf das Risiko, dass bei zu langem Zögern der Stimulus schneller zurückgenommen werden muss. Außerdem wurden Risiken für die Glaubwürdigkeit der Fed befürchtet. Viele Mitglieder sehen den Arbeitsmarkt weiterhin als nicht ausgelastet an. Die Mehrheit der Mitglieder will angesichts des fehlenden Lohndrucks außerdem mehr Beweise für Inflation sehen.

    Die US-Notenbank hatte ihre Geldpolitik beim Zinsentscheid am 21. September nicht verändert und den Leitzins in der Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent belassen. Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses (Esther George, Loretta Mester und Eric Rosengren) hatten jedoch für eine Zinserhöhung bereits beim Zinsentscheid im September gestimmt.

    Fed-Präsidentin Janet Yellen deutete auf der Pressekonferenz zum Zinsentscheid bereits eine Zinserhöhung bis Jahresende an. Wenn sich der Arbeitsmarkt wie bisher erhole und sich keine deutliche Verschlechterung der Wirtschaftslage abzeichne, sei im laufenden Jahr noch mit einer Zinserhöhung zu rechnen, sagte Yellen. Die Argumente für eine Anhebung hätten sich "verstärkt".

    Die große Mehrheit der Mitglieder des Offenmarktausschusses rechnet wie Yellen mit einer Zinserhöhung bis zum Jahresende. Insgesamt 14 Mitglieder des Offenmarktausschusses (inklusive der nicht stimmberechtigten) sehen den Leitzins Ende 2016 über dem aktuellen Niveau, wie die am 21. September veröffentlichten Fed-Projektionen zeigen. Nur drei Mitglieder erwarten einen unveränderten Leitzins. Gleichzeitig wurden die mittel- bis langfristigen Erwartungen für die Zinsentwicklung nach unten geschraubt. In den kommenden Jahren werden jeweils nur zwei bis drei Zinserhöhungen von den Mitgliedern des Offenmarktausschusses erwartet.

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