Wie kann die lahmende Wirtschaft in Gang gesetzt werden? Ein Volkswirt des Vermögensverwalters PIMCO hat eine unkonventionelle Idee: Die US-Notenbank sollte ein neues Kaufprogramm auflegen, aber dieses Mal nicht Staatsanleihen, sondern Gold kaufen. Zum Beispiel für 5.000 Dollar je Unze!

    Denn auch sieben Jahre nach dem Ende der Finanzkrise und trotz unzähliger Stimulierungsmaßnahmen der Notenbanken wächst die Wirtschaft der Industriestaaten bisher nur mit einem bestenfalls mittelmäßigen Tempo. Von den rasanten Erholungen nach anderen Krise ist nichts zu spüren.

    Das Gold-Kaufprogramm würde wie ein QE-Programm funktionieren, die Notenbank würde also mit frisch erzeugtem Geld Vermögenswerte aufkaufen, dieses Mal aber keine Staatsanleihen oder Hypothekenpapiere, sondern Gold. Der Vorteil: Das neue Geld würde in die Realwirtschaft fließen. Bei den QE-Programmen der vergangenen Jahre kaufte die Notenbank Wertpapiere wie Staatsanleihen auf, die in den Büchern v.a. der Banken lagen. Damit flossen die frisch erzeugten Milliardenbeträge aber vor allem in den ohnehin aufgeblähten Finanzsektor, statt der Realwirtschaft zu nutzen.

    Bei Gold-Käufen durch die Notenbank wäre das aber anders, meint PIMCO-Volkswirt Harley Bassman. In einem Research-Bericht verweist Bassman darauf, dass mit einem Goldkaufprogramm die US-Wirtschaft nach der Weltwirtschaftskrise bereits angekurbelt wurde: In den drei Jahren von Januar 1934 bis Dezember 1936 wuchs die US-Wirtschaft laut Bassmann um sensationelle 48 Prozent. Gleichzeitig legte der Dow Jones Index um fast 80 Prozent zu, während die Inflation stabil bei zwei Prozent blieb.

    Das Kaufprogramm für Gold, das in der Vergangenheit so gut funktionierte, hatte allerdings einen Haken: Gleichzeitig mit der Entscheidung der US-Regierung im Jahr 1933, Gold zum offiziellen Kurs von 20,67 Dollar je Feinunze zu erwerben, wurde auch der private Goldbesitz in den USA verboten. Besitzer von Gold mussten das Edelmetall also zum staatlich festgelegten Preis bei der US-Regierung abliefern. Bereits 1934 wurde der Kaufpreis für Gold dann angehoben: Die Feinunze wurde nun zu 35 Dollar erworben, was einer Preiserhöhung um 70 Prozent entsprach. Gleichzeitig wurde dadurch der Dollar gegenüber dem Gold effektiv abgewertet.

    Zu welchem Kurs könnte die US-Notenbank heute Gold aufkaufen? Bassman nennt einen möglichen Kaufpreis von 5.000 Dollar je Feinunze. Dies würde ungefähr einer Vervierfachung des heutigen Goldpreises entsprechen.

    Bassman betont, dass es aktuell noch sehr unwahrscheinlich sei, dass der Vorschlag eines Gold-Kaufprogramms von den Notenbanken umgesetzt werde. Gleichzeitig weist der Experte aber darauf hin, dass auch Negativzinsen vor einigen Jahren noch als völlig abwegig betrachtet wurden. Die Notenbanken der Welt könnten also durchaus auf groß angelegte Gold-Käufe zusteuern. Das Gold-Kaufprogramm hätte zudem den Vorteil, dass es in der Vergangenheit bereits seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt hat, während die Bilanz der zahlreichen QE-Programme bestenfalls gemischt ausfällt.

    Statt einfach so Geld zu drucken und an die Bürger zu verteilen (Stichwort Helikopter-Geld) hätte ein Kaufprogramm für Gold außerdem den Vorteil, dass das frisch gedruckte Geld nur als Gegenleistung für reale Arbeit in die Wirtschaft fließen würde. Denn alles Gold muss mit großem Aufwand und realer Arbeit aus dem Boden geholt werden, bevor es erstmals gehandelt werden kann. Bei Staatsanleihen oder anderen Wertpapiere ist das anders.

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