Im Einklang mit dem kürzlichen Anstieg der Markterwartungen und entgegen ihrer früheren Selbstprognose von 50 Basispunkten erhöhte die US-Notenbank auf ihrer Juni-Sitzung die Leitzinsen um 75 Basispunkte auf eine Spanne von 1,50-1,75 Prozent. Gleichzeitig hoben die Gremiumsmitglieder ihre Aussichten für die zukünftige Entwicklung der Leitzinsen deutlich an: auf 3,4 % Ende dieses Jahres und etwa 3,8 % im Jahr 2023. Trotz dieser beträchtlichen Anpassung liegt der langfristige Leitzins weiterhin bei 2,5 %.

Die US-Notenbanker verschärften auch die Formulierung in der obligatorischen Presseerklärung: Sie verpflichten sich „die Inflation auf das 2-Prozent-Ziel zurückzuführen". Auch wurde angedeutet, dass sie dies auch dann tun werden, wenn es kostet: Man geht nun davon aus, dass das Wachstum bereits in diesem Jahr mit 1,7 % nahe am Potenzial liegt und die Arbeitslosenquote bis 2024 langsam auf 4,1 Prozent steigen wird. Diese Prognosen bedeutet noch nicht zwangsläufig eine Rezession, aber sie reizen die Möglichkeiten der Geldpolitik hinsichtlich einer Feinabstimmung der Wirtschaft deutlich aus. In der Pressekonferenz nannte der Vorsitzende Jerome Powell den überraschenden Inflationsanstieg als Hauptgrund für eine Anhebung der Zinssätze um mehr als die im Vorfeld der Sitzung avisierten 50 Basispunkte. Außerdem sagte er, dass sowohl 50 als auch 75 Basispunkte bei der nächsten Sitzung möglich seien.

Insgesamt scheinen die US-Notenbanker fest entschlossen, ihre Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, und zwar insbesondere in Bezug auf ihre Fähigkeit, die noch zu hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Mit Blick auf die Zukunft muss die US-Notenbank diese Härte nun jedoch umsetzen - selbst wenn das Ergebnis eine Rezession sein sollte. Die Risiken dafür sind jetzt eindeutig noch weiter gestiegen.