Indikatoren und Oszillatoren sind nützliche Hilfsmittel zur Marktanalyse und zur Signalgenierung. Ganze Bücher sind bereits mit unterschiedlichen Abhandlungen zu Indikatoren und Oszillatoren gefüllt worden. Formel- und Einsatzbeschreibungen finden sich zu MACD, RSI und den üblichen verdächtigen Zuhauf im Internet und einschlägigen Fachpublikationen.
Der Grund warum viele Trader und Analysten auf die Marktanalyse mit mathematischen Modellen zurückgreifen ist einfach: man eliminiert jegliche Emotionen. Signale werden automatisch generiert, der Computer spuckt automatisch alle Ein- und Ausstiegssignale aus (insofern er richtig programmiert wurde) und der Handel kann automatisiert werden. Insbesondere Hedge-Fonds und andere innovative institutionelle Investoren legen besonders hohen Wert auf Handelssysteme die aus mathematischen Berechnungen zusammengesetzt sind. Nicht zuletzt aufgrund der umfangreichen Backtesting-Möglichkeiten in unzähligen Märkten auf einer Vielzahl von unterschiedlichen Zeitebenen. Die Vorteile vom Einsatz von Indikatoren liegen also auf der Hand.
Viele angehende Börsianer sehen oder suchen in Indikatoren allerdings so etwas wie den „heiligen Gral“; das perfekte System. Nun, sie können Indikatoren noch so sehr optimieren und tunen – es gibt keinen perfekten Indikator ohne Fehlsignale. Der einzige heilige Gral der Börse ist, auch wenn es nur die wenigsten Glauben können, effektives Money Management.
Doch dennoch kann man aus den Standardeinstellungen der berühmten Indikatoren wie MACD, RSI oder Stochastiken mehr herausholen. Ich möchte Sie nur darauf hinweisen, dass es trotz dieser Verbesserungen absolut notwendig ist mit einem Stopp-Loss zu arbeiten. Auch diese Verbesserungen werden Fehlsignale generieren und ist von absoluter Essenz für Ihren Börsenerfolg, dass Sie Ihr Anfangsrisiko begrenzen und sich an Ihren selbst auferlegten Stopp-Loss halten.

Das Prinzip der „Starken Signale“

Mit welcher Technik lassen sich also Fehlsignale eliminieren? In meinem Trading führe ich ein Handelsjournal in dem ich alle Trades aufführe und den dazugehörigen Chart speichere. In regelmäßigen Abständen untersuche ich dann die Gewinn- und Verlusttrades auf Fehler oder Anregungen. Eines meiner Handelssysteme basiert auch auf einem berühmten Indikator, dem MACD. Ich suchte mir all meine Verluste heraus und entdeckte, dass die meisten von Ihnen eines gemeinsam hatten: die Intensität des Signals war schwach.
Also tradete ich fortan nur „starke Signale“ und konnte meine Performance drastisch verbessern. Ich möchte Ihnen anhand des MACD nun dieses „Prinzip der starken Signale“ näher bringen.

In Abbildung 1 sehen Sie den MACD Kursverlauf eines DAX-Stundencharts. Nach der klassischen Interpretation kommt es beim MACD zu einem Signal wenn die Trigger-Linie (gelb) gekreuzt wird. Kreuzt der Durchschnitt (rote Linie) die gelbe Linie von unten nach oben, so handelt es sich um ein Kaufsignal. Kreuzt der Durchschnitt die Trigger-Linie von oben nach unten, so handelt es sich um ein Verkaufssignal.
Wie unterscheidet sich ein starkes Signal also von einem schwachen Signal? Ein starkes Signal definiert sich durch die Intensität. War der Durchschnitt weit von der Trigger-Linie entfernt und kreuzte die Trigger-Linie mit einer heftigen Bewegung so kam es zu einem starken Signal. Ein schwaches Signal zeichnet sich durch eine ruhige Phase aus, in der der Eintrittswinkel der roten Linie im Vergleich zur gelben Linie sehr niedrig ausfällt.
Wie sieht das ganze nun in der Praxis aus? In Abbildung 2 sehen Sie einen Wochenchart des DAX der bis Winter 2003 zurückreicht. Wir wissen, dass 2003 eine breite Erholungsphase eingesetzt hat. Eine alte Händlerregel besagt: „An der Börse wird im Gegensatz zur Strassenbahn nicht zum Einstieg geklingelt“. Und was wenn doch?

Eintrittswinkel verrät Börsenumfeld

Interessant ist, dass nur die Hausse-Signale, d.h. Long-Signale, einen spitzen Eintrittswinkel aufzuweisen haben. Alle Baisse-Signale haben einen flachen Eintrittswinkel und sind somit schwache Signale. Die Signale mit spitzem Eintritsswinkel und somit vollständiger Gültigkeit sind mit einem weißen Pfeil im Chart markiert. Die schwachen Signale sind mit einem roten Pfeil markiert.
Was fällt Ihnen an diesem Chart auf? Erkennen Sie, dass Sie nur bei starken Signalen eine Position aufbauen sollten und schwache Signale in die Gegenrichtung als Ausstiegszeitpunkt nutzen sollten?

Funktioniert auch am Tageschart. Werfen Sie einen Blick auf Abbildung 3; diese zeigt den DAX-Index anhand eines Tagescharts. Auch hier kam selbiges System zum Einsatz. Generierte der MACD ein starkes Signal, so kam es in allen Fällen zu einem Long-Einstieg. Beim ersten Anzeichen eines schwachen Signals wurde die Position unverzüglich glatt gestellt. Sie sehen auch hier konnte das System Sie vor gröberen Verlusten schützen und war beim nächsten Kursaufschwung rechtzeitig investiert.

Fazit
Das Prinzip der starken Signale verbessert die Trefferquote eines jeden Indikators. Zusätzlich tendieren starke Signale dazu nur in eine Richtung zu zeigen, d.h. hauptsächlich Long-Signale in einem Hausse-Umfeld zu generieren - und hauptsächlich Short-Signale in einem Baisse-Umfeld. Die schwachen Signale sind herausragende Exit-Signale. Probieren Sie es selbst aus.

Viel Spaß beim Traden,

Pierre M. Daeubner - Trader bei GodmodeTrader.de und stellvertretender Chefredakteur vom Tradersjournal

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