Auch wenn viele Menschen den Aktienmarkt für ein gigantisches Spielcasino halten, so erfüllt die Börse doch eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Durch einen Börsengang versorgen sich Unternehmen, die bereits eine gewisse Größe überschritten haben, mit frischem Eigenkapital und können so ihr weiteres Wachstum finanzieren. Die Unternehmen, die ihre Aktien an einer Börse platzieren, befinden sich dabei in ganz unterschiedlichen Stadien in ihrem Lebenszyklus. Während einige Unternehmen bereits nachhaltig profitabel sind, soll bei anderen Firmen der Börsengang erst noch das notwendige Kapital einbringen, um irgendwann die Gewinnzone zu erreichen.

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    Doch während es früher die Regel war, dass Unternehmen zunächst unter Beweis stellen mussten, dass sie überhaupt in der Lage sind, Gewinne zu erzielen, ist es inzwischen sogar die Regel, dass unprofitable Unternehmen an die Börse streben und Millionen- oder gar Milliardenbeträge von Anlegern einsammeln.

    Wie sehr sich die Qualität der an die Börse strebenden Unternehmen verschlechtert hat, zeigt die Statistik des US-Professors Jay Ritter von der University of Florida, der sämtliche Erstplatzierungen (engl. initial public offerings, IPOs) an der Wall Street seit dem Jahr 1980 akribisch ausgewertet hat. Wie die Statistik von Ritter zeigt, war der Anteil der Unternehmen, die zum Zeitpunkt ihres Börsengangs noch keine Gewinne erzielen, noch nie so hoch wie aktuell. Ganze 83 Prozent der Unternehmen, die in den ersten drei Quartalen 2018 ihre Erstplatzierung feierten, waren zum Zeitpunkt des IPOs noch unprofitabel.

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    Während es bis Ende der 90er Jahre die Regel war, dass Unternehmen zum Zeitpunkt ihrer Erstplatzierung bereits profitabel waren, galt vor allem vor dem Platzen der Internetblase und auch jetzt wieder das Gegenteil: Die allermeisten Unternehmen, die an die Börse streben, schreiben noch keine Gewinne.

    Diese Entwicklung lässt sich wohl vor allem mit dem Anlagenotstand erklären, unter dem institutionelle Anleger seit Jahren leiden. Etablierte und nachhaltig profitable Unternehmen haben inzwischen so hohe Bewertungen erreicht, dass das Geld der Investoren immer häufiger auch zu Firmen fließt, die noch gar nicht bewiesen haben, dass sie überhaupt über ein profitables Geschäftsmodell verfügen. Es zählt nur die Fantasie, dass ein Unternehmen eben irgendwann den Sprung in die Gewinnzone schaffen wird. Ob diese Vorstellung der Realität entspricht, interessiert immer weniger Anleger.

    Der hohe Anteil der nicht profitablen Unternehmen an den Börsengängen ist auch ein Indiz dafür, dass sich der Aktienmarkt ganz ähnlich wie in den Jahren 2000 oder 2007 wohl wieder an einem zyklischen Hochpunkt befindet: Inzwischen, so scheint es, wird einfach jeder "Schrott" an die Börse gebracht, einfach weil Anleger bei ihren Investments nicht mehr so wählerisch sind wie in eher normalen Marktphasen. Gekauft wird alles, Qualität hin, Qualität her. Für Anleger sollte dies ein klares Warnzeichen sein: Der Aktienmarkt hat sich längst wieder von der fundamentalen Entwicklung der Unternehmen abgekoppelt.


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