Wochenende, 18./19. Mai:

Bundesbank-Chef Jens Weidmann befürchtet, dass die aktuell niedrigen Zinsen den Reformdruck von den Krisenländern in der Eurozone nehmen. "Ich habe die Sorge, dass die gute Entwicklung an den Finanzmärkten und insbesondere die niedrigen Zinsen auch für Staatsanleihen dazu führen, dass der Kampf gegen die Ursachen der Krise mit weniger Nachdruck geführt wird", sagte er der "Bild am Sonntag".

Bundesbank-Chef Jens Weidmann übt erneut Kritik an den Rettungsmaßnahmen der EZB. "Ist es eine gute Idee, dass wir einfach alle gegenseitig für unsere Staatsschulden haften? Eigentlich geht es doch darum, dass wir auf dem Weg zu einer stabileren Währungsunion vorankommen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Die Bundesbank ist laut Jens Weidmann nicht für eine Euro-Abschaffung. "Im Gegenteil: Für die Bundesbank gilt, dass wir den Euro erhalten wollen und zwar als stabile Währung" ("Bild am Sonntag").

Die Euro-kritische Partei AfD will die südeuropäischen Länder zur Aufgabe des Euro bewegen. "Nicht Deutschland soll den Euro verlassen, sondern die südeuropäischen Staaten", sagte AfD-Chef Bernd Lucke der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Italien: Am Samstag gab es erneut Demonstrationen für ein Ende der Sparpolitik.

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein glaubt an den Fortbestand des Euro. "Selbstverständlich glaube ich an den Fortbestand des Euro. Das Risiko, dass der Euro zerbricht oder einzelne Länder in die Pleite rutschen, war vor einem Jahr wesentlich größer", sagte er der "Welt am Sonntag".

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich skeptisch zu der Entscheidung geäußert, Frankreich mehr Zeit beim Defizitabbau einzuräumen. "Frankreich hat wie Deutschland als Schwergewicht im Euro-Raum eine besondere Verantwortung dafür, dass die im vergangenen Jahr verschärften Regeln zum Defizitabbau ernst genommen werden", sagte er der "Bild am Sonntag". "Die Glaubwürdigkeit der neuen Regeln wird sicher nicht gestärkt, wenn man die darin enthaltene Flexibilität gleich zu Anfang maximal ausschöpft."

EU-Währungskommissar Olli Rehn bewertet das Krisen-Management von Griechenlands Premierminister Antonis Samaras positiv. "Herr Samaras hat viele überrascht mit seiner Fähigkeit, den Reformkurs zu halten und so das Vertrauen in Griechenland wieder herzustellen", sagte Rehn der "Welt am Sonntag".

manager-magazin: Deutschlands Wohlhabende fliehen mit ihren Milliarden aus dem Bankensystem und dem Euro. Wie eine Umfrage des Netzwerks Family Office Panel bei 60 Geldverwaltern für wohlhabende Familien zeigt, geht die Tendenz dahin, Kapital aus Bankeinlagen, aber auch Geldmarktfonds und Anleihen abzuziehen. Die Strategie der Reichen laute stattdessen, direkt in produktive Sachwerte wie Unternehmen, Immobilien, Agrarland oder Forst zu investieren.

Montag, 20. Mai:

Spanien: Die Staatsschulden sind im ersten Quartal auf ein Rekordhoch von 923,31 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht 87,8 Prozent des BIP.

Zyperns Präsident: Die Wirtschaft wird 2013 um 8,7 Prozent und 2014 um 3,9 Prozent schrumpfen.

Nach Ansicht des IWF sollte Tschechien seine Sparpolitik vorerst aussetzen, da die Rezession stärker ausfällt als erwartet.

Dienstag, 21. Mai:

Handelsblatt: Die Südeuropäer versprachen sich von dem 120 Milliarden Euro-Paket schnelle Hilfe für ihre siechende Wirtschaft. Ein knappes Jahr später ist jedoch Ernüchterung eingekehrt. Das Wachstumskonzept wirkt nicht. Die EU-Staaten im Süden rutschen immer tiefer in der Rezession.

Die Bundesbank fordert eine Fortsetzung der Reformpolitik, sieht aber kein Problem darin, falls sich Sparbemühungen in einzelnen Euro-Krisenländern etwas verzögern.

Slowenien forciert die Sanierung seines schwer angeschlagenen Bankensektors, um internationale Hilfsgelder zu vermeiden. Die staatseigene größte Bank des Landes NLB muss sich einer Schrumpfkur unterziehen.

FOMC-Mitglied James Bullard: Für die Fed ist es der beste Weg, "das laufende Anleiheprogramm fortzusetzen, das Volumen der Ankäufe aber an die einlaufenden Daten zur Wirtschaftsentwicklung und Inflation anzupassen".

FOMC-Mitglied William Dudley ist sich nicht sicher, ob das Volumen der Anleihekäufe in einem nächsten Schritt reduziert oder ausgeweitet wird. Dies sollte davon abhängig gemacht werden, wie die US-Wirtschaft auf Sparmaßnahmen der Regierung und Steuererhöhungen reagiert.

Mittwoch, 22. Mai:

Bank of Japan setzt ihren aggressiven Kurs in der Geldpolitik fort. Die Geldbasis soll weiterhin um 60-70 Billionen Yen pro Jahr ausgeweitet werden.

Zyperns Notenbank warnt vor einem Einbruch der Wirtschaft. Die Rezession könnte stärker ausfallen als bislang angenommen, so Zentralbankchef Panicos Demetriades. Dies hätte auch negative Folgen für den Staatshaushalt. Bisher rechnet die Regierung mit einem BIP-Rückgang von 8,7 Prozent bis 8,9 Prozent. Kreise im Finanzministerium und der Zentralbank rechnen mit einem Minus von rund 10 Prozent.

Aus den Sitzungsprotokollen der US-Notenbank Fed geht hervor, dass einige Fed-Mitglieder das Anleihekaufprogramm schon ab Juni zurückfahren wollen, wenn sich das Wachstum der US-Wirtschaft nachhaltig gebessert hat.

Fed-Präsident Ben Bernanke: Die Anleihekäufe könnten noch in diesem Jahr gedrosselt werden, wenn die Konjunkturdaten auf ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum hindeuten.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet: Die EZB hat im Kampf gegen die Krise ihr Pulver noch nicht verschossen. Wenn das Ziel der Preisstabilität in Gefahr gerate, "haben wir die Möglichkeit, unsere (geldpolitischen) Instrumente auszuweiten".

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle: Es ist nicht akzeptabel, wenn Deutschland im EZB-Rat das gleiche Stimmgewicht wie zum Beispiel Malta hat. Deutschland steht mit 27 Prozent aller Maßnahmen gerade, deshalb muss der deutsche Einfluss in der EZB vergrößert werden.

Donnerstag, 23. Mai:

EZB-Ratsmitglied Coeure: Das Ende weiterer Rettungsaktionen ist der Schlüssel zur Verbesserung der Disziplin.

EZB-Ratsmitglied Provopoulos: Die Bankeinlagen in Griechenland sind seit Juni 2012 um 12 Prozent gestiegen.

Bundesbankpräsident Weidmann: Frankreich sollte seinen Haushalt nicht überstrapazieren. Der Schlüssel zur Überwindung der Krise ist Wachstum.

Bundesbankpräsident Weidmann: Maßnahmen der EZB sind nicht ohne Risiko.

Financial Times: Spanische Banken müssen laut der Zentralbank weitere 5 bis 10 Milliarden Euro beschaffen, um Kreditausfällen zu begegnen.

Freitag, 24. Mai:

Zentralbank und Regierung kritisieren Bericht der "Troika" zur Geldwäsche-Bekämpfung in Zypern. Die Kontrolleure der Troika hätten eine vertrauliche Studie falsch interpretiert, heißt es. Die Troika hatte den Kampf gegen die Geldwäsche Medien zufolge als mangelhaft eingestuft.

Neue italienische Regierung verliert dramatisch an Zustimmung in der Bevölkerung. Nach 1 Monat im Amt signalisieren nur noch 31% Unterstützung, nach 62% vor 3 Wochen.

Laut "Bloomberg" will die Europäische Union die Weiterverwendung von Sicherheiten der Kunden von Banken und Brokern, wie zum Beispiel durch die sogenannte Rehypothekisierung, unterbinden. Zudem plane die EU, dass Finanzinstitute in Zukunft eine formale Erlaubnis ihrer Kunden einholen müssen, um die hinterlegten Sicherheiten für ihre eigenen Trades weiterverwenden zu dürfen.

Bundesaußenminister Westerwelle zeigt sich offen für Frankreichs Vorstoß zur Gründung einer Wirtschaftsregierung für die Eurozone.

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