Von den größten Airlines in den USA (Delta, United, Southwest, American) und Deutschlands (Lufthansa) bleibt in diesem Jahr nicht viel übrig. Die Berichtssaison läuft und die ersten Milliardenverluste für das abgelaufene Quartal wurden veröffentlicht. Die Verluste sind besonders schmerzhaft, da das Sommerquartal sonst das beste des Jahres ist. Im Winter schreiben Airlines häufig Verluste, weil weniger gereist wird. In der Feriensaison sprudeln die Gewinne dafür. Dieser Rettungsanker war für Airlines in diesem Jahr nicht vorhanden. Es ist absehbar, dass allein die großen US-Airlines und die Lufthansa in diesem Jahr über 36 Mrd. Dollar Verlust schreiben werden. Im kommenden Jahr soll es besser werden. Die meisten dürften ihre Verluste eindämmen. Mit etwas Glück kann der nächste Sommer vieles herausreißen, wenn ein effektiver Impfstoff in großen Mengen verfügbar ist. Doch selbst unter den positiven Annahmen fällt insgesamt noch ein Verlust an. Erst 2022 wird wieder mit Gewinnen gerechnet.


Für die gesamte Branche weltweit dürfte 2020 ein Verlust von fast 100 Mrd. Dollar anfallen (Grafik 2). Im kommenden Jahr könnte das Minus noch bei 16 Mrd. liegen. Trotz dieser äußerst prekären Lage bleiben die Aktienkurse stabil. Seit Juni tendieren die Kurse seitwärts. Das hat einen guten Grund.


Jeder weiß, dass 2020 ein katastrophales Jahr wird. Die meisten Airlines sind zwar keine staatlichen Unternehmen, doch wenn es schlimm kommt, werden sie vom Staat gerettet. Es ist nicht das erste Mal, dass Airlines in einer Krise mit vielen Milliarden unterstützt werden.

An den Airlines hängen viele Arbeitsplätze. Die großen Airlines beschäftigen je mehr als 100.000 Personen. Hinzu kommen viele indirekte Arbeitsplätze, die an den Airlines hängen. Würde man alle Airlines bankrottgehen lassen – de facto sind alle Airlines bankrott – würden weltweit Millionen an Arbeitsplätzen verlorengehen.

Alle sind sich aber einig, dass irgendwann in naher Zukunft wieder geflogen wird. Jetzt alle bankrottgehen zu lassen schadet der Infrastruktur enorm. Das macht keinen Sinn. Auch die Folgen für den Finanzmarkt sind nicht zu unterschätzen. Airlines haben in den Jahren eine halbe Billion an Schulden angehäuft. Würden große Teile dieser Schulden nicht zurückgezahlt werden, bleibt das nicht ohne Folgen.

Airlines werden durchgefüttert, komme, was wolle. Einzelne nicht „systemrelevante“ Airlines könnten in den nächsten Jahren bankrottgehen. Der Großteil wird jedoch überleben. Staatliche Hilfe macht es möglich. Anleger müssen daher vor allem Sitzfleisch haben. Bevor sich die Lage bessert, werden die Kurse nicht steigen. Das kann in wenigen Wochen der Fall sein oder auch erst Ende 2021. Bis dahin sind große Airlines mit dem Rückhalt staatlicher Hilfe bei größeren Rücksetzern ein Kauf.

Clemens Schmale


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