Alle Anlageklassen scheinen mit Euphorie auf die Nachricht über die Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna reagiert zu haben. Weitere Ankündigungen von Oxford-AstraZeneca folgten. Die Märkte entwickelten sich durchweg positiv, da sie sich auf die Auswirkungen fokussierten, die die Zulassung und Einführung der Impfstoffe auf die Volkswirtschaften im nächsten Jahr haben werden.

Diese Nachrichten unterstützen unsere grundsätzliche Haltung, sich auf die langfristigen positiven Fundamentaldaten zu konzentrieren. Allerdings sind wir uns auch der kurzfristigen Risiken bewusst. Die Brexit-Verhandlungen werden bis zur letzten Minute andauern, doch die verbleibenden Differenzen scheinen sehr strukturell und schwer zu schließen zu sein. Immerhin hat sich der Europäische Rat während seiner Tagung am 10. und 11. Dezember auf den Haushalt der Europäischen Union und das Aufbaupaket geeinigt.

Die Märkte werden auch mit der Corona-Lage in den USA zu kämpfen haben, wo sich der Virus weiter ausbreitet. Darüber hinaus halten die europäischen Länder die Mobilitätsbeschränkungen über die Feiertage aufrecht und weiten sie teilweise aus. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Realwirtschaft müssen bis ins 1. Quartal 2021 berücksichtigt werden.

Dennoch scheint es mehr Risikoneigung zu geben. In den letzten Wochen wurden Barmittel, die zuvor in Geldmarktfonds und anderen traditionell „sicheren" Bereichen angelegt worden waren, in ein breiteres Spektrum von Risikoanlagen umgeschichtet. Aktien verzeichneten große Zuflüsse, aber auch Investment Grade- Anleihen in den USA und Europa profitierten von der Risikobereitschaft der Investoren. Auch zu High Yield-Anleihen gab es Zuflüsse, allerdings stärker in den USA als in Europa.

Investoren bestätigen schon seit Ende des Sommers ihren Appetit auf Schwellenländeranleihen, mit anhaltend starken Zuflüssen in diese Anlageklasse. In diesem Umfeld haben wir gesehen, dass globale High Yield-Anleihen besser abschneiden als globale Investment Grade-Anleihen, da sie Carry bieten und weniger empfindlich auf potenzielle Zinserhöhungen reagieren.

Unserer Ansicht nach ist es weiterhin wichtig, Anlageklassen mit Risikoprämie im Portfolio zu haben, weil sich die Welt wieder auf eine Normalisierung zubewegt. Während wir davon ausgehen, dass die Bewertungen nach der November-Rallye enger geworden sind, werden technische Faktoren wahrscheinlich dazu beitragen, dass die Kreditspreads im Jahr 2021 weiter sinken.

Bei der Umschichtung in Sektoren, die stärker von der wirtschaftlichen Erholung im Jahr 2021 profitieren können, sollten wir unserer Ansicht nach eine Präferenz für qualitativ hochwertige Krediten beibehalten, und diejenigen Unternehmen auswählen, die überleben können. Insbesondere das Ertragswachstum dürfte entscheidend sein und einen schnelleren Schuldenabbau und eine schnellere Bilanzsanierung ermöglichen.

Alles in allem müssen wir die kurzfristigen Faktoren im Auge behalten, die für Volatilität und Marktstörungen sorgen können, wie z. B. die Brexit-Verhandlungen und die Entwicklungen hinsichtlich Covid-19. Wir können auch einige Gewinnmitnahmen vor Jahresende nicht ausschließen, behalten aber unser Vertrauen in die Dynamik der langfristigen Verbesserung von Fundamentaldaten.