Die Schaffung einer neuen asiatisch-pazifischen Freihandelszone unter Führung Chinas wird die globalen ökonomischen Machtverhältnisse verändern. Das Abkommen zielt auf die Verstärkung der ohnehin hohen Dynamik in der Region. Es wird die Abhängigkeiten der Wertschöpfungsketten im Fernen Osten erhöhen und ein neues wirtschaftliches Machtzentrum schaffen, das die Stellung der USA und Europas noch stärker herausfordert.

Die Rivalität zwischen den USA und China wird weiterwachsen, vor allem auf dem Feld der für die Zukunft so wichtigen IT-Technologie. Synergien werden hier seltener werden, Konflikte zunehmen. Jedes Land wird einen eigenen Weg mit technologischen Besonderheiten einschlagen, die nicht unbedingt konsistent sein müssen. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Definition technologischer Standards eine weitere Quelle von Spannungen zwischen den beiden Ländern sein wird. Diese Divergenz dürfte in dem Maße wachsen, je stärker die Wertschöpfungsketten zwischen den Ländern der neuen Freihandelszone verzahnt werden.

Die neue amerikanische Regierung unter Joe Biden wird den Kampf gegen die Vormachtstellung Chinas weiterführen, dabei allerdings stärker auf einen multilateralen Ansatz setzen. Diese Aufgabe ist aus Sicht der USA umso wichtiger, als China mit dem neuen Freihandelsabkommen in der gesamten asiatischen Region seinen komparativen Vorteil gegenüber den Amerikanern ausspielt. Die USA werden also handeln müssen. Die Chinesen dürften sich davon weitgehend unbeeindruckt zeigen. Die Regierung in Peking , welche die technologische Entwicklung zum Kern ihrer Zukunftsstrategie gemacht hat, wird weiterhin immense Mittel in den Technologiesektor pumpen, damit die amerikanische Eindämmungspolitik im Laufe der Zeit nur als Ärgernis, aber nicht als ernsthafte Beeinträchtigung der chinesischen Pläne wahrgenommen wird.

China ist dabei, die bisherige Dominanz der Amerikaner in der Weltwirtschaft zu brechen. Das asiatisch-pazifische Freihandelsabkommen ist ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg. Die ökonomischen Kraftzentren dürften sich daher verschieben. Das zeigen auch die aktuellen Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds für das kommende Jahr. Danach wird die asiatische Wirtschaftsleistung voraussichtlich um 6,9 Prozent zulegen. In den USA dürfte das Wachstum lediglich um 3,7 Prozent steigen, in Europa um 4,7 Prozent.