Köln (BoerseGo.de) - Gesetzlich vorgeschriebene Verkaufsdokumente wie der Wertpapierprospekt oder die Wesentlichen Anlegerinformationen (KIID) spielen für Fonds-Investoren in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Dies ist das Ergebnis einer von ergo Kommunikation in Kooperation mit finanzen.net und fundinfo durchgeführten Befragung von 1.004 Anlegern. Demnach sind für 57 Prozent der Privatanleger und 61 Prozent der professionellen Investoren von den Fondsgesellschaften gestaltete und veröffentlichte Factsheets „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“, wenn sie Entscheidungen über den Kauf oder Verkauf eines Fonds treffen. Die seit dem Jahr 2011 eingeführten Wesentlichen Anlegerinformationen (KIID) halten dagegen nur 41 Prozent der Privatanleger und 49 Prozent der professionellen Investoren mindestens „wichtig“. Noch schlechter sieht es für die ausführlichen Wertpapierprospekte aus, die Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) für ihre Fonds erstellen müssen. Diese halten lediglich 22 Prozent der Privatanleger und 42 Prozent der Profis für „wichtig“ oder „sehr wichtig“, wie ergo Kommunikation in einer Pressemeldung mitteilt.

„Das Ergebnis verdeutlicht einmal mehr, dass gut gemeint gelegentlich das Gegenteil von gut gemacht ist“, kommentiert Holger Nacken, als Partner bei ergo Kommunikation verantwortlich für den Geschäftsbereich Investmentgesellschaften. „Die noch relativ jungen KIIDs sollen absolut werbefrei und neutral sein, werden von vielen Anlegern aber offenbar vor allem als abstrakt und unverständlich empfunden.“ Dennoch seien die Wesentlichen Anlegerinformationen durchaus sinnvoll, wenn man auf die noch deutlich geringeren Nutzungsquoten anderer Verkaufsdokumente blicke. Neben dem ausführlichen Verkaufsprospekt schnitt auch der vereinfachte Verkaufsprospekt, der in den vergangenen Jahren nach und nach vom KIID verdrängt wurde, in der Umfrage schlecht ab. „Insgesamt belegt die Umfrage vor allem, dass es sich für Fondsgesellschaften lohnt, ihre Factsheets konsequent zu pflegen und an Anlegerbedürfnissen auszurichten – denn hier gibt es einerseits die größten Gestaltungsspielräume und andererseits die größte Nachfrage nach Informationen“, so Nacken.

Gefragt sein dürften dabei vor allem klassische Angebote wie Informationen zu Gebühren sowie Performancedaten. Auch dies zeige sich bei der jetzt veröffentlichten Studie. So hielten 79 Prozent der befragten Privatanleger und 74 Prozent der professionellen Investoren Angaben zu Kosten und Gebühren für mindestens „wichtig“. Ähnlich groß sei der Bedarf an Informationen zu Kursen und historischen Performances gewesen. 75 Prozent der Privatanleger und 73 Prozent der Profis hätten angegeben, diese Informationen seien „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Vor allem für professionelle Anleger seien zudem allgemeine Angaben zur Fondsgesellschaft von großer Bedeutung – 69 Prozent der Profis hielten derartige Informationen für wenigstens „wichtig“ (Privatanleger: 51 Prozent). „Dies deutet darauf hin, dass die Bedeutung der Marke für Asset Manager gerade im Geschäft mit institutionellen Investoren steigt – die Anleger wollen wissen, für welche Werte und Ziele die Gesellschaft steht. Das schafft Vertrauen und erleichtert die Kaufentscheidung“, erläutert Nacken.

„Zudem ist die Website für Fondsgesellschaften ein wichtiger Informationskanal, wenn es darum geht, mit eigenen Medien Investoren zu erreichen. Rund 52 Prozent der professionellen und rund 34 Prozent der privaten Anleger gaben an, dass sie die Web-Präsenz der Gesellschaften sehr häufig bis häufig nutzen. Damit waren Corporate Websites bei professionellen Investoren sogar beliebter als unabhängige Printmedien. 46 Prozent der befragten Profis gaben an, diese mindestens häufig zu nutzen. Bei Privatanlegern lagen Zeitungen und Zeitschriften dagegen noch auf Rang 2 – in dieser Gruppe nutzen 42 Prozent Printmedien mindestens häufig“, heißt es.