Frankfurt ist der neuntwichtigste Finanzplatz der Welt. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Ausgabe des Global Financial Centres Index (GFCI). Der GFCI ist eine jährliche Untersuchung, die auf einer weltweiten Online-Befragung von Finanzprofis basiert. Die Experten bewerten die Wettbewerbsfähigkeit der Finanzzentren, die sie persönlich kennen.

Weltweit wichtigster Finanzplatz bleibt London, knapp vor New York. An dritter bis fünfter Stelle landen die asiatischen Finanzzentren Hongkong, Singapur und Tokio. Erst an neunter Stelle findet sich Frankfurt – vor Seoul, aber hinter Zürich, Boston und Genf.

Auffällig ist das schlechte Abschneiden insbesondere der europäischen Finanzzentren. Vor allem wegen der Euro-Krise schnitten viele europäische Städte schlechter ab als noch im vergangenen Jahr. Auch die Spitzenreiter London und New York verschlechterten sich - zwar nicht im Rang, aber in der Punktzahl, die die Grundlage für die Rangliste bildet.

Das schwache Abschneiden Frankfurts im Vergleich zu den Top-Standorten dürfte mit einigen deutschen Besonderheiten zusammenhängen. So ist Deutschland deutlich weniger zentralistisch organisiert als viele andere Länder, auch was den Finanzsektor betrifft. Außerdem ist Frankfurt im Vergleich zu Metropolen wie New York oder London ausgesprochen klein und kann schon deshalb in der Wahrnehmung der weltweiten Finanzprofis nicht in derselben Liga wie London oder New York spielen.

Frankfurt ist übrigens nicht die einzige deutsche Stadt, die in der Rangliste vertreten ist. Auf Platz 34 landet München, was insbesondere auf die in München ansässigen Versicherungskonzerne zurückzuführen sein dürfte. Mit Munich Re ist München auch der Sitz des weltweit größten Rückversicherers.

Kritisch angemerkt werden muss, dass die Untersuchung vielleicht nicht ganz so unabhängig ist, wie sie es eigentlich sein sollte. Der GFCI wird von der City of London und dem Emirat Katar finanziert – beides Finanzzentren, die in der Untersuchung ausgesprochen gut wegkommen. London belegt den weltweiten Spitzenplatz vor New York, während sich Katar im Vergleich zum Vorjahr gleich um ganze sechs Plätze auf Rang 24 verbessern kann. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Den kompletten Bericht zum Global Financial Centres Index (GFCI) (englisch) können Sie hier herunterladen.

Oliver Baron