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In jüngster Zeit liest man immer wieder salbungsvolle Worte über die angeblichen Strukturreformen, die im Süden der Eurozone gerade um sich greifen – die nur bedauerlicherweise nirgends zur Kenntnis genommen würden. Das ist wirklich dumm, denn diese Reformerfolge müssen in der Tat grandios sein. So ist etwa in Italien und Spanien die Industrieproduktion zuletzt auf das niedrigste Niveau seit mehr als 20 Jahren eingebrochen. Ob das trotz oder wegen der erfolgreichen Reformen geschehen ist, wurde leider nicht mitgeteilt. Nachfolgend die Entwicklung in Spanien seit 1985:

Bei den Arbeitslosenzahlen sieht es ähnlich aus: In der gesamten Europäischen Union war die Zahl der Menschen ohne Job noch nie so hoch wie heute. In Griechenland kann man in diesem Zusammenhang nur noch von einer lupenreinen Katastrophe sprechen. Von drei Menschen unter 25 Jahren haben zwei keine Arbeit mehr. Wo bleiben bloß die erfolgreichen Strukturreformen? Kommen die noch oder waren die schon da?

Über die Verkäufe bei neu gebauten Automobilien legen wir lieber den Mantel des Schweigens. Hier sind die Zahlen im Süden Europas derart desolat, dass man von allem Möglichen sprechen kann, ganz sicher aber nicht von irgendwelchen Hoffnungszeichen. Blöd nur, dass diese „Erfolge“ allmählich auch in Deutschland ankommen:

In dieser Woche hat der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) mitgeteilt, dass die PKW-Produktion in Deutschland im März 2013 im Vorjahresvergleich um stolze 13 Prozent eingebrochen ist. Auch bei der Industrieproduktion sieht es hier zu Lande ähnlich trübe aus wie im Rest Europas: Minus 5,9 Prozent lautet das jüngste Ergebnis.

Doch dass Europa anstatt Erfolge zu feiern immer deutlicher einer ausgewachsenen Rezession entgegentaumelt, das ist nur ein kleiner Teil des Problems.

Dann sind da nämlich noch die europäischen Banken, ganz besonders in den potentiell nächsten Krisenherden Luxemburg, Malta und Slowenien. Weil es dort immer dramatischer zugeht und weil niemand weiß, wann sich die EU zum nächsten Großangriff auf die Guthaben und Sparvermögen der Menschen "genötigt" sieht, hat die Industrie- und Handelskammer Unternehmen in Deutschland in dieser Woche geraten, die Bonität ihrer Hausbank eingehend zu prüfen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/12/dihk-warnt-unternehmen-bonitaet-der-hausbank-pruefen/
Im Antizyklischen Börsenbrief schreiben wir so etwas schon lange. Und wir geben auch allen Kollegen schon lange den gut gemeinten Rat, bei der Auswahl von Zertifikaten, Optionsscheinen und ähnlichen Dingen äußerst sorgfältig vorzugehen. Hier ist die Bonität des Emittenten mindestens so wichtig wie bei der Hausbank von Kleinunternehmern.

Wer über solche Ratschläge vor ein paar Monaten noch müde gelächelt hat, der sollte sich allmählich mit dem Thema befassen. Wir werden hier in den kommenden Monaten nämlich noch Dinge erleben, die man sich im Moment lieber nicht vorstellen möchte. Und wenn es ernst wird in der europäischen Bankenlandschaft, dann wird das alles sehr schnell gehen. Wenn es soweit ist, wird es allerdings auch sonst um uns herum nicht mehr so gemütlich zugehen wie in diesem Frühjahr 2013. Derivate, die sich in Rauch auflösen, sind dann vermutlich das kleinste Problem.

Frankreich vor dem Kollaps?
Achten Sie in diesem Zusammenhang jetzt ganz besonders auf Rauchzeichen aus Frankreich. Die Automobilindustrie, eine der tragenden Säulen der französischen Wirtschaft, steht vor dem totalen Kollaps. Die Sozialsysteme ebenfalls. Die Stimmung unter den französischen Unternehmenslenkern ist mittlerweile schlechter als in den europäischen Krisenstaaten Italien, Spanien und Griechenland.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/umfrage-nur-in-frankreich-ist-die-geschaeftsstimmung-mies/8037328.html
Noch sind die Anleger einigermaßen blind für das französische Problem: Das Land konnte sich zuletzt zu rekordtiefen Zinsen refinanzieren: Im Laufzeitbereich über zehn Jahre fielen die Renditen auf das Rekordtief von 1,94 Prozent, nach 2,07 Prozent im Januar.

Doch die günstigen Finanzierungskosten stehen im deutlichen Gegensatz zur politischen und wirtschaftlichen Lage der Grande Nation.

Warum das kein kleines Problem ist, liegt auf der Hand: Sollte Frankreich ernste Schwierigkeiten bekommen, die es natürlich schon längst hat, dann kann Regierungschef Francois Hollande nur noch auf „Rettung“, also auf die Sparguthaben und Steuergelder aus Deutschland hoffen. Denn machen wir uns nichts vor: Wenn Frankreich fällt, dann ist nur noch Deutschland übrig - als "Retter" für den Rest Europas...

In diesem Zusammenhang ist es wenig tröstlich, sich daran zu erinnern, dass sich Frankreich in Währungsfragen schon immer eher an Spanien, Italien und Portugal als an Deutschland orientiert hat. Deshalb ist zu vermuten, das Frankreich haargenau die gleichen Probleme bekommen wird wie seine südlichen Nachbarn.

Es dürften uns daher einige turbulente Monate ins Haus stehen, vielleicht auch Jahre. Deshalb sollte man die trügerische Ruhe dieser Tage nutzen und jetzt Vorkehrungen treffen, für den Fall, dass „völlig überraschend“ die nächste Runde im europäischen Krisendrama beginnt...

Zu wünschen wäre, und das meine ich vollkommen ernst, dass Frankreich noch vor der Bundestagswahl im September ins Taumeln gerät. Dann dürfte auch der letzte Dorftrottel verstanden haben, dass die ganze „Retterei“ der EU-Diktatoren unwiderruflich an ihre Grenzen stößt. Frankreich kann niemand retten, so einfach ist das. Und dann könnte das geschehen, was man sich im Moment (noch) nicht recht vorstellen kann: Die Beteiligung von deutschen Bürgern an der nächsten Bundesregierung, die der besinnungslosen Retterei nicht gewählter Despoten endlich ein Ende machen.

Die besten Chancen scheint derzeit die Alternative für Deutschland (AfD) zu haben. Im Wahl-O-Meter kam die aufstrebende Bewegung um den Volkswirtschaftler Bernd Lucke zuletzt auf etwas mehr als fünf Prozent (Grafik oben). An diesem Sonntag findet in Berlin der Gründungsparteitag statt. Wer vorbei schauen möchte, der sollte sich beeilen: Es wird mit gewaltigem Andrang gerechnet...

In der Mai-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs werden wir unter anderem der Frage nachgehen, wie man sich noch während dieses Sommers für die nächste Krisenrunde wappnen sollte. Warten Sie nicht mehr, die Zeit drängt jetzt...

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de