Voltaire war ein kluger Mann. Außerdem war der französische Philosoph und Schriftsteller einer der wichtigsten Wegbereiter der Französischen Revolution. Viele seiner etwa 750 Werke wurden in andere europäische Sprachen übersetzt. Voltaire, der von 1694 bis 1778 lebte, hatte den Menschen etwas zu sagen. Und er prägte ganz entscheidend das Europa des 18. Jahrhunderts.

Von diesem regen Geist stammt der folgende Satz:

„Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null“.
Nun ist es zweifellos richtig, dass nicht jede Generation miterleben wird, wie ihr Papiergeld wertlos wird. Wir jedoch gehören zu einer Generation, die noch ihren Enkeln davon erzählen wird. Praktisch tagtäglich geschehen Dinge, die mit „historisch“ am besten umschrieben sind:

Wie nicht anders zu erwarten, haben die Richter des Bundesverfassungsgerichts in dieser Woche durchblicken lassen, dass sie über die Verfassungsmäßigkeit der Euro-Rettungsgelder gar nicht entscheiden können. Sie seien nicht zuständig, das sei Sache der Europäer.

http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/services/nachrichten/ftd/PW/60074407.html
Man ist geneigt zu fragen: WER SOLL DENN SONST darüber entscheiden, ob es rechtens ist, wenn die Bundesregierung mit Steuermilliarden für die Rettung der europäischen Nachbarn nur so um sich wirft, wenn nicht das Bundesverfassungsgericht?

Die Frage, die sich hier stellt, lautet folgendermaßen: Haben die deutschen Bürger einen Anspruch auf rechtmäßiges Handeln des Bundestages? Für die Antwort auf diese nicht ganz unwichtige Frage braucht der gesunde Menschenverstand nicht einmal jene No-Bailout-Klausel, um die jetzt auf höchster Ebene gestritten wird.

In den Verträgen von Maastricht heißt es ganz unzweideutig, dass die Staaten Europas untereinander nicht für ihre Schulden haften dürfen. Und vor dieser sehr lupenreinen Formulierung zieht das Bundesverfassungsgericht jetzt den Schwanz ein – vielleicht um nicht als der Buhmann dazustehen, wenn der Euro auseinander fliegt. So jedenfalls sieht das jetzt aus.

„Gutes“ Timing...
Von historischer Tragweite könnte rückblickend auch eine Entscheidung der US-amerikanischen Rating-Agentur Moody´s sein, die Kreditwürdigkeit Portugals zu einem Zeitpunkt herabzustufen, da mit der vermeintlichen Rettung Griechenlands an den Kapitalmärkten etwas Ruhe hätte einkehren können. Aber vielleicht wollen einige das ja gar nicht: Kaum ist die Katastrophe abgewendet, prügelt Moody‘s auf Portugal ein und reduziert das Rating des Landes gleich um vier Stufen auf "Ba2". Ramsch-Niveau sagt man dazu. Portugal-Anleihen sind jetzt „Müll“ oder auch „Junk“.

Das bedeutet, Moody´s erwartet dort in naher Zukunft die gleichen Probleme, die Griechenland um ein Haar (schon jetzt) über die Klippen gestürzt hätten. Grundsätzlich ist diese Annahme natürlich gar nicht so verkehrt - was auffällt, ist vielmehr der Zeitpunkt der Herabstufung. Fast könnte man Methode dahinter vermuten.

Die beiden Ereignisse, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben, machen deutlich, wie sehr wir uns mit jedem Tag jener Situation nähern, die Voltaire sybillinisch mit „früher oder später“ umschrieben hat.

Das gewaltige weltweite Schuldenproblem lässt sich längst nicht mehr wegdiskutieren. Es vergeht kein Tag mehr, an dem nicht irgendeine Hiobsbotschaft aus irgendeinem Winkel der Erde darauf hindeutet, dass diese Schuldenpyramide, die wir alle in den vergangenen Jahrzehnten aufgetürmt haben, in absehbarer Zukunft einstürzen wird.

Ich sage deshalb „wir alle“, weil praktisch jeder von uns einen Beitrag zu diesem Wahnsinn leistet. Wir alle konsumieren Dinge, die wir gar nicht brauchen. Sehr viele von uns verschulden sich dafür bis über beide Ohren. Das Motto könnte lauten:

Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, um damit Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen – und bezahlen mit Geld, das wir nicht haben.
Jetzt ist Sommer. Die richtige Zeit, um einmal in sich zu gehen und sich Gedanken zu machen. Zum Beispiel darüber, ob wir uns von diesem Wahnsinn nicht besser verabschieden sollten. Und ob es nicht viel wichtigere Dinge gibt als „ganz viel Geld“.

Von Voltaire, der uns lehrte, dass Papiergeld per se wertlos ist, stammt auch der folgende Gedanke:

„In der einen Hälfte des Lebens opfern wir die Gesundheit, um Geld zu erwerben; in der anderen opfern wir Geld, um die Gesundheit wieder zu erlangen. Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen“.

Wie wir die Börsenlage einschätzen und was wir unseren Lesern raten, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und [Link "www.antizyklischer-aktienclub.de" auf www.antizyklischer-aktienclub.de%20/... nicht mehr verfügbar]