Seit Tagen hat sich am Devisenmarkt wenig gedreht. Am heutigen Dienstag kann der Euro zumindest ein Zweiwochenhoch zum US-Dollar markieren. Im Mittagshandel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1360 US-Dollar und damit etwas mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montagauf 1,1349 Dollar taxiert. Nach Beobachtung der Devisenexperten der Essener National-Bank handelt sich dabei mehr um eine US-Dollar-Schwäche als eine Euro-Stärke, denn der Dollar habe gegenüber den meisten wichtigen Währungen nachgegeben.

    Etwas Rückenwind erhielt die Gemeinschaftswährung von den ZEW-Konjunkturerwartungen aus Deutschland. Das neben dem ifo Index stark beachtete Stimmungsbarometer für die größte Volkswirtschaft im Euroraum ist im März den fünften Monat in Folge gestiegen. Der neue Wert liegt nun bei minus 3,6 Punkten. „Der deutliche Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen zeigt, dass wichtige konjunkturelle Risiken weniger dramatisch eingeschätzt werden. Gleichwohl zeigen die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland ein relativ schwaches Wachstum im ersten Halbjahr 2019 an“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach.

    Das britische Pfund kann sich nach den Kursverlusten vom Wochenauftakt vorerst stabilisieren. EUR/GBP notiert zur Stunde kaum verändert bei 0,8561. Die britische Regierung sucht nach der überraschenden Ablehnung einer erneuten Abstimmung über den Brexit-Deal durch Parlamentspräsident John Bercow nach einer neuen Lösung. Bercow hatte deutlich gemacht, dass das bereits zwei Mal vom Unterhaus abgelehnte Brexit-Vertragspaket den Abgeordneten nur mit substanziellen Änderungen ein weiteres Mal vorgelegt werden darf. Eine erneute Abstimmung über das Abkommen vor dem EU-Gipfel diese Woche scheint nun kaum noch möglich.

    Spekuliert wird nun, May könne einen langen Austrittsaufschub beantragen mit der Option, abzukürzen, sollte sie doch noch eine Mehrheit im Parlament bekommen. Eine Verschiebung des Brexits muss von den EU-Staats- und Regierungschefs einstimmig beschlossen werden. „Dafür, dass ein geordneter Brexit zur Mitte des Jahres damit vom Tisch wäre, fielen die Verluste beim Pfund meiner Meinung nach aber doch recht bescheiden aus", kommentierte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank die Kursentwicklung der britischen Währung. Offenbar scheinen die Marktteilnehmer davon auszugehen, dass eine dritte Abstimmung dennoch in den nächsten Tagen stattfinden könnte.

    Am Donnerstag trifft die Norges Bank ihre nächste Zinsentscheidung. Bereits in der vergangenen Woche legte die Krone kräftig zu. Die Teuerung lag im Februar deutlich über dem Inflationsziel von zwei Prozent. „Damit wurden Zinserhöhungsfantasien geschürt, auch vor dem Hintergrund dass eine Zinserhöhung bereits durch die Notenbanker signalisiert wurde“, kommentierte die National Bank. Insbesondere nach den zuletzt zurückhaltenden Äußerungen der EZB zur Zinsentwicklung in der Eurozone gebe die Hoffnung auf weiter anziehende Zinsen in Norwegen der Krone Rückenwind. In den letzten Tagen bewegte sich der Kurs des Währungspaares von in der Spitze 9,8812 auf aktuell um 9,7050.

    Die Blicke der Devisenmarktteilnehmer richten sich weiter auf den Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am Mittwochabend. Von den Äußerungen der Notenbanker erhofft man sich Klarheit über die zukünftige US-Geldpolitik. Zuletzt zeigte sich die Fed zurückhaltend und abwartend. Bis zur Fed-Entscheidung am Mittwochabend dürften sich Kursausschläge aber in Grenzen halten.