EUR/USD hat sich zuletzt um 1,1150 stabilisiert. Der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China hatte tendenziell den Euro belastet. Der US-Dollar konnte zulegen, da er trotzt allem als sicherer Hafen in Krisenzeiten gesucht wird. Nach schwachen Konjunkturdaten aus der Eurozone und Deutschland gibt der Euro am Donnerstag aber weiter nach. Am Mittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1135 US-Dollar und damit um 0,15 Prozent weniger als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1171 Dollar festgesetzt.

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    Die Verunsicherung in den Chefetagen der deutschen Firmen ist angesichts des internationalen Handelsstreits und der unberechenbaren Politik von US-Präsident Trump groß. Abzulesen ist das am ifo Geschäftsklimaindex, der im Mai deutlicher nachgegeben hat als erwartet.

    Auch die Einkaufsmanagerdaten aus der Euro-Privatwirtschaft enttäuschten. Aufgrund der anhaltenden Nachfrageflaute blieb das Eurozone-Wirtschaftswachstum im Mai schwach, wie der aktuelle PMI signalisiert. Der Wert stieg zwar hauchdünn um 0,1 auf 51,6 Zähler, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten aber einen stärkeren Anstieg erwartet. Die Unterindikatoren für die Industrie und die Dienstleister verschlechterten sich beide. Belastet werde die Stimmung in der Wirtschaft durch ungünstigere Wachstumsprognosen und zunehmende politische Unsicherheiten wie Handelskonflikte, kommentierte IHS Markit Chefökonom Chris Williamson. „Die Industrie schrumpft weiter, womit das Wachstum der Eurozone hauptsächlich vom Servicesektor abhängt.“

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    EUR/USD

    Das britische Pfund konnte seine Verluste etwas eindämmen, ist aber nach wie vor auf Talfahrt. Das Währungspaar EUR/GBP notiert nun bereits über 0,88. Gestern hatte die britische Premierministerin Theresa May einen neuen Vorstoß im Parlament gewagt und einen Vorschlag zur Lösung der Brexit- Blockade vorgestellt. Darüber sollte Anfang Juni abgestimmt werden, doch wie es scheint, kommt es erst gar nicht dazu. Sowohl seitens der Opposition als auch den eigen Reihen erfuhr May heftigen Widerstand, eine Zustimmung ist außerhalb jeglicher Wahrscheinlichkeit.

    Die Premierministerin selbst räumte am Mittwoch ein, dass ihre Tage im Amt gezählt seien. Zu gegebener Zeit werde ein anderer Premierminister hier im Parlament stehen, sagte sie im Unterhaus. Britischen Medien zufolge könnte dies schnelle eintreten als gedacht, nämlich noch in dieser Woche. "Die Geier kreisen schon", hieß es in einem Kommentar. Den Spekulationen zufolge könnte sie bereits am kommenden Freitag gezwungen sein, ein Datum für ihren Abschied zu nennen.

    Schon jetzt zählt die türkische Währung zu den schwächsten weltweit. In den vergangenen drei Monaten hat die türkische Währung zum Dollar und Euro jeweils zwischen 13 und 14 Prozent verloren. Die Lira gibt auch heute weiter deutlich nach - um rund 0,6 Prozent zu USD und EUR. Globale Investoren fürchten nichts so sehr wie politische Unsicherheit. Auf Drängen des Präsidenten Erdogan beschloss die oberste Wahlbehörde der Türkei, die Bürgermeisterwahl von Istanbul zu annullieren. Diese Akt von politischer Willkür hat den Ausverkauf der Lira weiter verstärkt.

    Auch die Notenbank agiert laut Commerzbank ungeschickt. „Die Reaktionsfunktion der Zentralbank besteht darin, Zinserhöhungen so lange wie möglich hinauszuzögern“, hieß es in einer Studie von letzter Woche. Zuletzt habe die Zentralbank ihre Geldpolitik mit sekundären Instrumenten wie dem Mindestreservesatz und gelockerten Kreditnormen gar entspannt.