Der Euro ging geschwächt aus der letzten Woche. Im Tagesverlauf am Freitag verlor die Gemeinschaftswährung gut einen Cent und landete bei 1,1330. Zu Wochenbeginn hat sich die Lage am Devisenmarkt aufgehellt. Der Euro von der allgemeinen Entspannung zweier politischer Brandherde profitieren. Am Vormittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1380 US-Dollar und damit knapp einen halben Cent mehr. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag auf 1,1352 Dollar festgesetzt.

    ANZEIGE

    Profitieren kann der Kurs von zwei Entwicklungen. So gibt es nicht nur beim Brexit Bewegung, sondern auch im Haushaltsstreit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung. Einem unbestätigten Bericht zufolge zeigt sich der bisher als „Hardliner“ aufgetretene italienische Vize-Regierungschef Matteo Salvini beim Defizitziel offenbar flexibel. Er glaube, dass niemand an dem von der Regierung für den Etatentwurf angesetzten Defizit von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts klebe, sagte Salvini einer italienischen Nachrichtenagentur zufolge. Das Problem seien nicht die Stellen hinter dem Komma, sondern es gehe darum, ernsthaft und konkret zu sein.

    Auch der gesunkene ifo Geschäftsklimaindex trübte die Investorenstimmung bezüglich des Euros nicht ein. Der wichtigste Frühindikator der größten Volkswirtschaft im gemeinsamen Währungsraum ist im November auf 102,0 Punkte gefallen, nach 102,9 Punkten im Oktober. Dies ist der dritte Rückgang in Folge. Die Unternehmen schätzten vor allem die aktuelle Lage schlechter ein. Ifo Präsident Clemens Fuest kommentierte: „Die deutsche Konjunktur kühlt ab“.

    Nach Einschätzung von Marktbeobachtern wird der Euro zudem durch Fortschritte auf dem Weg hin zu einem geregelten Austritt Großbritanniens aus der EU gestützt. Der EUR/GBP-Kurs zeigt sich am Montagmittag stabil bei 0,8844. Bereits am vergangenen Donnerstag hat der Textentwurf zur Ausgestaltung der Beziehung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union nach dem Brexit für Erleichterung bei den Investoren gesorgt, wovon das britische Pfund an Wert gewinnen konnte. Am gestrigen Sonntag schließlich haben die Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Sondergipfel das Abkommen gebilligt.

    Problematisch bleibt aber die Zustimmung des britischen Parlaments. „Der Ausgang der Abstimmung ist weiterhin ungewiss und dürfte Einfluss auf das Pfund nehmen“, kommentierte die National-Bank. Nach Ansicht der britischen Premierministerin Theresa May würde eine Ablehnung des Brexit-Abkommens zu erneuter "Spaltung und Unsicherheit" führen. „Es ist kein besserer Deal erreichbar", sagte May am Montag. „Ich denke, unser nationales Interesse ist klar." May will sich am Nachmittag dem Unterhaus in London stellen und über das Vertragswerk sprechen.

    Gegenüber dem russischen Rubel legt die Gemeinschaftswährung am Montag um fast anderthalb Prozent zu auf 76,10 Rubel. Die Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine rund um die Krim hat sich am Wochenende zugespitzt und wird immer bedrohlicher. Nach den Zusammenstößen von Schiffen und Militärs beider Seiten im Asowschen Meer will das ukrainische Parlament am Montag bei einer Sondersitzung über eine eventuelle Einführung des Kriegsrechts entscheiden, wie Präsident Petro Poroschenko ankündigte. In der Meerenge von Kertsch vor der Halbinsel Krim hatte die russische Marine ukrainischen Schiffen die Durchfahrt verweigert und eines der Schiffe gerammt. Später wurden drei ukrainische Schiffe von russischen Streitkräften gekapert. Auf ukrainischer Seite seien dabei drei Angehörige der Streitkräfte angeschossen worden, teilte Russlands Inlandsgeheimdienst FSB nach Angaben russischer Medien mit. Die Spannungen sorgen dafür, dass sich Anleger aus der russischen Währung zurückziehen.