Der Euro kann am Dienstag verlorenen Boden gutmachen. EUR/USD notiert im Mittagshandel bei 1,0860 und damit deutlich fester als noch am Morgen, als die Gemeinschaftswährung bei 1,0820 Dollar tendierte, nachdem sie am späten Vorabend mit 1,0809 Dollar auf den tiefsten Stand seit Mitte April gefallen war.

    Die Aussicht auf eine baldige Leitzinserhöhung in den USA hatte dem Dollar jüngst wieder Rückenwind verliehen. In der vergangenen Woche hatte US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen deutlich gemacht, dass sie im laufenden Jahr mit der ersten Zinsanhebung seit neun Jahren rechnet. Der Gouverneur der regionalen Notenbank aus St. Louis, James Bullard, bekräftigte jüngst noch einmal die Erwartung, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September bei über 50 Prozent liegt. Der US-Dollar-Index, der den Wert des Greenback gegen einen Korb der fünf wichtigsten Währungen abbildet, erreichte ein Dreimonatshoch.

    Die Entspannung in Sachen Griechenland kann den Euro indes nur bedingt tragen. So verpuffte am Montag die Nachricht über die Rückzahlungen griechischer Gelder an den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Zentralbank. Dies war durch die Auszahlung der angekündigten Brückenfinanzierung durch die Euro-Partner ermöglicht worden.

    Zum Schweizer Franken hält sich der Euro zur Stunde stabil bei 1,0445. Die deutliche Aufwertung des Franken seit Anfang des Jahres hat die Exporte der Schweiz spürbar verringert. Am 15. Januar hatte die Schweizer Notenbank den Euro-Mindestkurs des Schweizer Franken aufgegeben. Die Ausfuhren schrumpften in der ersten Jahreshälfte um 2,6 Prozent, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) am Dienstag mitteilte. Sieben wichtige Exportbranchen erlitten Einbußen. Insgesamt exportierten Schweizer Firmen Waren im Wert von rund 100 Milliarden Franken. Ein Grund für den Rückgang waren auch tiefere Preise: Nach der Euro-Entkopplung hatten sich Schweizer Produkte in den Euro-Ländern schlagartig um rund 20 Prozent verteuert. Viele Exporteure reagierten mit Preissenkungen.

    Das Pfund hat am Dienstag nach guten britischen Konjunkturdaten leicht gegenüber dem US-Dollar zugelegt. Der GBP/USD Kurs erreichte mit 1,5591 während des Handels am europäischen Vormittag sein Sitzungshoch. Das britische Statistikamt hat mitgeteilt, dass die Nettokreditaufnahme der öffentlichen Hand im Juni leicht auf 8,58 Milliarden Pfund gestiegen ist, nach revidiert 8,35 Milliarden Pfund im Vormonat. Analysten waren Juni von einer Zunahme der staatlichen Neuverschuldung auf 8,60 Milliarden Pfund ausgegangen.

    Da der Datenkalender in den USA und der Eurozone heute ansonsten leergefegt ist, könnte sich das Marktinteresse auf die Zinsentscheidung der ungarischen Notenbank konzentrieren. Seitens der Fiskalpolitik dürfte in dem osteuropäischen Schwellenland kaum Spielraum für neue wachstumsfördernde Maßnahmen vorhanden sein. Der Ball liegt daher bei der Geldpolitik, die ihren Spielraum noch nicht völlig ausgeschöpft hat. Experten erwarten heute mehrheitlich eine Senkung der Leitzinsen um 0,1 Prozentpunkte auf 1,40 Prozent. Der Forint dürfte vor diesem Hintergrund zunächst weiter unter Druck bleiben.