Die gestrige EZB-Ratssitzung und anschließende Pressekonferenz Mario Draghis hat die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf den Devisenmarkt gelenkt. Nach einem kurzen Rückgang unter 1,1480 Dollar legte das Währungspaar EUR/USD überraschend um bis zu 1,5 Prozent zu und ließ die Marke von 1,16 locker hinter sich. Am Freitag setzte der Euro bisland seinen Aufwärtstrend vom Vortag fort. Am Morgen erreichte der Kurs die Marke von 1,1677 US-Dollar und damit den höchsten Stand seit August 2015. Gegen Mittag handelte das Währungspaar EUR/USD bei 1,1642 und damit nur unwesentlich unter dem Hoch.

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    Dabei hat sich die Europäische Notenbank auf ihrer gestrigen Juli-Sitzung bemüht, die Pfeile im Köcher zu lassen und den Euro-Bullen so wenig Futter wie möglich mit auf den Weg zu geben. Leitzinsen, Anleihenkaufprogramm und die Forward Guidance blieben unangetastet. Auch eine Ausweitung der Anleihenkäufe bleib im geldpolitischen Werkzeugkoffer ausdrücklich eine Option. Den entsprechenden Passus strich die EZB wider Erwarten nicht aus ihrem Kommuniqué.

    EZB-Chef Draghi kündigte aber an, dass die Währungshüter im Herbst eine Entscheidung bezüglich ihres Anleihenkaufprogramms treffen werden. Ric Spooner vom britischen Handelshaus CMC Markets sieht darin in dieser Äußerung den Grund für die Euro-Stärke. Zwar habe Draghi klar gestellt, dass der EZB-Rat einig gewesen sei, keine Angaben zu einem Zeitpunkt einer möglichen Änderung bei den Wertpapierkäufen zu machen. Der Markt habe die Aussagen aber auch dahingehend gedeutet, dass die Notenbank in den kommenden Monaten über Änderungen des Anleihekaufprogramms diskutieren werde und eine Begrenzung der Käufe schon Anfang kommenden Jahres wahrscheinlich sei. Spooner zufolge hat Draghi insofern durchaus Hinweise auf eine straffere Geldpolitik gegeben.

    Ähnlich argumentierte die National-Bank. Der Hinweis Draghis, dass man kein Datum nennen könne, zu dem über veränderte QE-Bedingungen gesprochen werde, habe der Markt ignoriert, nachdem der EZB-Chef Diskussionen hierüber im Herbst als Möglichkeit sah. Auf einen solchen Hinweis habe der Markt nur gewartet und entsprechend positiv habe der Euro reagiert.

    Die tschechische Krone notierte zum Euro zeitweise auf dem höchsten Stand seit Ende 2013. Aktuell handelt EUR/CZK bei 26,0121. Von Mitte 2016 bis April dieses Jahres bewegte sich der Wechselkurs kaum bzw. nur in engen Bahnen bei der Marke von 27 Kronen. Doch der Stillstand war dem Regime der tschechischen Notenbank geschuldet. Im Frühjahr hob die Zentralbank den Mindestkurs auf, seither konnte die Krone um etwa vier Prozent zulegen.

    In Südafrika senkte die Notenbank SARB am Donnerstag überraschend den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 6,75 Prozent. Dies war die erste Zinssenkung seit fünf Jahren. Die Entscheidung basierte auf einer deutlichen Reduzierung der Inflationsprognosen der Währungshüter. Die künftige Geldpolitik in den kommenden Monaten will die SARB von den eingehenden Daten abhängig machen. Entsprechend hielt sich der Abwertungsdruck auf den südafrikanischen Rand im Zaum.

    In Brasilien hat das Statistikamt IBGE Preisdaten für die erste Hälfte des laufenden Monats veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lagen die allgemeinen Verbraucherpreise demnach um 2,8 Prozent höher. Nachdem die Preissteigerungen im Juni noch bei 3,0 Prozent gelegen haben, setzt sich damit der disinflationäre Trend leicht fort. Die sinkenden Inflationserwartungen geben der Zentralbank derzeit Spielraum für weitere Zinssenkungen. Der Real dürfte damit perspektivisch unter Druck bleiben. Aktuell tendiert EUR/BRL kaum bewegt bei 3,6285.