Die US-Notenbank hat gestern erwartungsgemäß beschlossen, die Leitzinsen um 25 Basispunkte zu senken. Damit notiert die obere Grenze der Fed Funds Target Rate nun bei 2,25 Prozent. Zudem werden die Maßnahmen zur Normalisierung des Bilanzvolumens der Fed vorzeitig beendet. Überraschend war der Auftritt von Fed-Chef Jerome Powell auf der anschließenden Pressekonferenz. Dieser schloss zwar weitere Zinssenkungen nicht kategorisch aus, betonte aber doch, dass er die Fed nun nicht am Beginn eines „Zinssenkungszyklus“ sehe.

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    Die Finanzmärkte hatten sich offenkundig deutlichere Signale in Richtung einer perspektivisch lockereren US-Geldpolitik erhofft. Entsprechend kam mit den Worten Powells Druck auf die Aktienmärkte auf. Am Devisenmarkt konnte der Dollar überraschend kräftig aufwerten, der Euro rutschte auf ein Zwei-Jahrestief. „Eine Zinssenkung in den USA stellt für sich genommen eine Unterstützung für den Euro-Kurs dar“, konstatierte die Helaba. „Allerdings sind die US-Zinssenkungserwartungen in den letzten Wochen und Monaten bereits sehr ausgeprägt gewesen, sodass die Entscheidung der Fed gestern nicht überraschte und dem US-Dollar zugutegekommen ist“.

    Am Mittag wurde die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,1030 Dollar gehandelt. So tief stand der Kurs seit dem Mai 2017 nicht mehr (s. auch: EUR/USD-Tagesausblick: Neues Jahrestief nach FOMC-Entscheid). „Sollte sich die Zinsdifferenz zum Euro nicht weiter einengen, dürfte die Gemeinschaftswährung unter Druck bleiben“, hieß es in einem Kommentar der National-Bank aus Essen.

    Die Turbulenzen des britischen Pfunds ähneln zunehmend den Schwankungen, die typischerweise in Schwellenländern zu beobachten sind. „Während die britische Währung angesichts des wachsenden Risikos auf einen Brexit ohne Abkommen ihren größten monatlichen Einbruch seit Oktober 2016 verzeichnete, ist ihre 90-Tage-Korrelation mit einem Indikator für die Währungen der Entwicklungsländer seit fast drei Jahren am stärksten gestiegen“, berichtete Bloomberg. Angesichts der Stärke des US-Dollars und der gemeinsamen Anfälligkeit für politische Risiken in Großbritannien und den Entwicklungsländern könnte diese Beziehung in den kommenden Wochen mehr Aufmerksamkeit erhalten. Das Pfund notiert nun auf einem Rekordtief im Vergleich zu den Schwellenländern.

    Der neue britische Premierminister Boris Johnson signalisierte seine Entschlossenheit, Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union zu entlassen - mit oder ohne eine Verhandlungslösung über den Handel und die zukünftige wirtschaftliche Zusammenarbeit. Das Potenzial für Störungen der Geschäfts- und Kapitalströme hat zuletzt zu einem Ausverkauf des Pfunds geführt. Im Verhältnis zum Euro verlor das Pfund Sterling im vergangenen Monat rund zwei Prozent, gegenüber dem Dollar sogar mehr als vier Prozent.

    In Neuseeland wurde am Mittwoch das Geschäftsvertrauen veröffentlicht, welches auf ein 11-Monatstief gefallen ist. „Die globale Wirtschaftsabschwächung hinterlässt auch in Neuseeland ihre Spuren“, kommentierte die National-Bank. In der nächsten Woche wird dort die Notenbank ihre turnusmäßige Sitzung abhalten. Viele Marktteilnehmer gehen laut den Essener Bankexperten davon aus, dass sie die Zinsen zur Ankurbelung der Wirtschaft senken wird. Gegenüber dem US-Dollar verliert der Kiwi etwas an Wert. Der Kurs des Währungspaars NZD/USD sinkt aktuell um 0,09 Prozent auf 0,6553.

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    EUR/USD