Nach dem Einbruch des Euro vom Freitag nach überraschend guten US-Konjunkturdaten, hat sich die Lage am Devisenmarkt vorerst beruhigt. Am Montag notiert EUR/USD bei 1,1125 und damit um ein viertel Prozent fester als zum Fixing am Freitagnachmittag.

    Positive Zahlen vom Arbeitsmarkt in den USA hatten am Freitag gravierenden Einfluss auf das Wechselkursverhältnis von Euro zum Dollar. Nachdem die Gemeinschaftswährung in der letzten Woche zunächst einen erneuten Höhenflug erlebte und fast bei 1,14 US-Dollar notierte, ließen die deutlich stärker als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten den Euro mehr als zwei Prozent an Wert verlieren. Die Beschäftigtenzahlen in den USA legten im Mai um 280.000 Stellen zu. Erwartet war lediglich ein Zuwachs von 220.000 Stellen. Die Stundenlöhne stiegen ebenfalls an. Die zuletzt enttäuschenden Veröffentlichungen rückten damit in den Hintergrund und die Erwartungen an eine Zinserhöhung im September dieses Jahres erhielten neue Nahrung.

    Übergeordnet drücken aber die Unsicherheiten um die finanzielle Zukunft Griechenlands auf den Euro. Eine Einigung ist immer noch nicht in Sicht und die zeitlichen Spielräume werden kleiner. Der französische Finanzminister Sapin hält ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone für unproblematisch. Aus finanzieller oder ökonomischer Sicht wäre ein Grexit nicht schwerwiegend, sagte Sapin dem Radiosender RTL. Allerdings wäre dies ein schwerer Schlag für das Projekt Europa. Frankreich hatte bis vor Kurzem immer wieder Verständnis für die Haltung der griechischen Regierung im Schuldenstreit gezeigt und einen Austritt aus der Eurozone als Problem für die Währungsgemeinschaft bezeichnet.

    Die heute Morgen veröffentlichten Konjunkturdaten aus Deutschland zeigen hingegen ein positives Bild und stützten den Euro. In der größten Volkswirtschaft der Eurozone waren die Exporte und die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im April jeweils überraschend stark ausgefallen. Der erneut gefallene Index zum Sentix-Investorenvertrauen der Eurozone hinterlässt am Devisenmarkt hingegen kaum Spuren. Der vom Forschungsinstitut Sentix erhobene Konjunkturindex für den Währungsraum fiel im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Punkte auf 17,1 Punkte, wie aus einer am Montag veröffentlichten Mitteilung hervorging.

    Zum japanischen Yen liegt der Euro stabil bei 139,38 und damit auf dem Niveau zu Jahresbeginn. Die japanische Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten des Jahres stärker als erwartet gewachsen. Wie die Regierung in Tokio mitteilte, hat die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal annualisiert um 3,9 Prozent zugelegt. Die Prognosen lagen lediglich bei 2,4 Prozent. Die japanische Notenbank sieht die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft positiv. Auch der schwächere Yen dürfte seinen Teil zu den anziehenden Exporten beitragen.

    Bei der türkischen Währung Lira sorgte die Parlamentswahl in der Türkei für einen Ausverkauf. Zum Wochenauftakt war die Lira zum Euro um über 4 Prozent gefallen. Das Währungspaar EUR/TRY notiert am Mittag bei 3,0744 Lira. Die regierende Partei AKP hat ihre absolute Mehrheit verloren. Sie kommt nach vorläufigen Ergebnissen auf knapp 41 Prozent der Stimmen. Vor vier Jahren waren es noch etwa 50 Prozent. Die Partei von Präsident Erdogan ist nun auf einen Koalitionspartner angewiesen. Zweitstärkste Kraft ist die Mitte-Links-Partei CHP mit 25 Prozent vor der rechtsgerichteten MHP mit 16 Prozent der Stimmen. Die pro-kurdische HDP erreichte 13 Prozent und zieht damit erstmals ins Parlament in Ankara ein. Experten der Commerzbank rechnen in den kommenden Tagen mit stärkeren Kursschwankungen bei der Lira. Sollte die Unsicherheit über die Regierungsbildung in der Türkei beendet sein, werde dies die Lira nach Einschätzung der Commerzbank wieder etwas stützen.