Am Devisenmarkt kämpft der Euro weiterhin mit der Marke von 1,13 Dollar. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1297 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Morgen. Die Gemeinschaftswährung reagiert damit nicht auf den anstehenden Wechsel an der Spitze der Europäischen Notenbank. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, soll Mario Draghi am 1. Oktober nachfolgen. Darauf verständigten sich die EU-Staats- und Regierungschefs am Dienstag in Brüssel. „Mit Christine Lagarde erhält die EZB einen weiteren hervorragenden Kommunikator", schrieb Carsten Brzeski, Chefökonom der ING Deutschland. Für welche Art von Geldpolitik sie wirklich stehe, könne derzeit aber niemand sagen.

    WERBUNG

    Tendenziell wird Lagarde aber auf der Seite der „ultralockeren" Geldpolitik gesehen. „Die Nominierung von IWF-Chefin Lagarde als Nachfolgerin von EZB-Präsident Draghi hatte keine Auswirkungen auf den Euro und somit auch nicht auf den Goldpreis", kommentierte Daniel Briesemann von der Commerzbank. „Unter Lagarde würde die EZB vermutlich die lockere Geldpolitik von Draghi fortsetzen.“

    Neben der Personalie stehen am Mittwoch einige Konjunkturdaten im Fokus. Die Wirtschaft in der Eurozone gibt ein gemischtes Bild ab. Der Industriesektor kämpft weiterhin mit Problemen, aber dafür boomen die Geschäfte der Dienstleister. Der Gesamt-Einkaufsmanagerindex für die Euro-Privatwirtschaft kletterte im Juni um 0,4 auf 52,2 Punkte, wie das Institut IHS Markit mitteilte. Dass sich der Service-Sektor so gut hält, sei eigentlich nicht normal, kommentierte IHS Markit. Es bestehe die Gefahr, dass er früher oder später von der schwächelnden Industrie mit nach unten gezogen werde.

    Das Ratsmitglied der Bank of Japan, Yukitoshi Funo, sagte am Mittwoch, er sehe keine Notwendigkeit, die geldpolitischen Impulse jetzt zu intensivieren, da sich die Wirtschaft im Einklang mit der Prognose der Zentralbank in Richtung einer moderaten Erholung bewege. „Wir können davon ausgehen, dass die japanische Wirtschaft im zweiten Halbjahr dieses Jahres an Dynamik zulegen wird. Daher sehe ich keine Notwendigkeit, die Geldpolitik jetzt weiter zu lockern", sagte Funo auf einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit Wirtschaftsführern in Hiroshima. Jede weitere Lockerung könnte negative Auswirkungen auf das Finanzsystem haben, warnte er. Der Yen scheint den Ausführungen wenig Beachtung zu schenken. Das Währungspaar EUR/JPY notiert weiter in der Nähe von 121,60.

    Die schwedische Notenbank (Riksbank) hält an ihrer Linie fest, die geldpolitischen Stimuli für die größte skandinavische Wirtschaft zurückzufahren. Die Riksbank agiert damit im Gegensatz zu den großen Zentralbanken Fed und EZB, die gerade darüber sinnieren, mit expansiven Maßnahmen die Konjunktur anzukurbeln. Die Stockholmer Zentralbank hielt ihren Leitzins erwartungsgemäß bei minus 0,25 Prozent und bekräftigte ihre Absicht, die Zinsen zu erhöhen. Die Prognose deutet nach wie vor darauf hin, dass der Repo-Satz „gegen Ende des Jahres oder zu Beginn des nächsten Jahres wieder angehoben wird“, hieß es in der Stellungnahme zum Zinsentscheid. Die Krone legte nach Bekanntgabe der Entscheidung gegenüber dem Euro um 0,3 Prozent zu, gegen 13 Uhr wurde EUR/SEK um 0,15 Prozent tiefer gehandelt.

    Der russische Rubel konnte als Risiko-Asset nach Beobachtung der National-Bank von den Erholungstendenzen an den Kapitalmärkten nach der Wiederaufnahmeankündigung der Handelsgespräche Chinas mit den USA profitieren. Dazu komme, dass der Ölpreis anstieg, nachdem die OPEC vereinbart hatte, die Angebotsreduzierung bis zum März kommenden Jahres zu verlängern. „Nachdem der Markt jedoch realisierte, dass ein Handelsabkommen zwischen den USA und China noch in weiter Ferne liegt, endete die Aufwärtsbewegung. Jetzt kommt es darauf an, wie die wöchentliche Auktion für Staatsanleihen verläuft. Die Höhe der Nachfrage gilt als guter Indikator für die Stabilität des Rubels“. In den vergangenen vier Wochen konnte der Rubel dennoch immerhin fast 2,5 Prozent zum Euro aufholen.