Der Euro verliert am Mittwoch zum US-Dollar weiter und knüpft nahtlos an die Kursverluste vom Vortag an. Im Mittagshandel sank die Gemeinschaftswährung auf ein Tagestief bei 1,1619 US-Dollar. Am Dienstag wurde der Euro noch über 1,17 Dollar gehandelt.

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    Zur Aufwertung des Dollar und gleichzeitiger Euro-Schwäche seit gestern trägt die Anhörung des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell vor dem Bankenausschuss des US-Senats bei. Powell gab wie erwartet einen optimistischen Ausblick für die US-Konjunktur, so dass die US-Notenbank ihren schrittweise verfolgten Zinserhöhungszyklus fortsetzen dürfte. Die Wirtschaft sei „in einer wirklich guten Lage“, sagte Powell. Er betonte allerdings auch mögliche Risiken, die ein Handelskrieg mit sich brächte.

    Die britische Politik fährt einen Schlingerkurs, das Pfund Sterling reagiert mit anhaltend nachgebender Tendenz. Zur Wochenmitte wird der Euro um 0,3 Prozent fester bei 0,8917 gehandelt. Zu Vergleich: Am Montag notierte das Cross noch bei 0,8823. Die britische Premierministerin May ist im Parlament nur knapp einer Niederlage entgangen. Pro-Europäer aus ihrer konservativen Fraktion wollten verpflichtende Verhandlungen für eine Zollunion mit der EU, falls bis Januar 2019 keine Freihandelszone mit Brüssel vereinbart sein sollte. Ein entsprechender Gesetzesänderungsantrag wurde vom Unterhaus nur mit knappem Stimmenvorsprung abgelehnt. „Das britische Unterhaus gleicht einem Pulverfass“, kommentierte Devisenexpertin Esther Reichelt von der Commerzbank. Es werde zunehmend offensichtlich, dass es Premierministerin May immer schwerer fällt, im Parlament eine Mehrheit für ihren Brexit-Plan zu gewinnen.

    Ein harter Brexit hätte laut dem britischen Notenbankchef Mark Carney große wirtschaftliche Folgen - auch für die Geldpolitik. Die Bank of England müsste dann die konjunkturellen Aussichten und Zinsen neu bewerten, sagte Carney am Dienstag. Sollte das Übergangsabkommen zum Ausscheiden aus der EU nicht rechtzeitig ratifiziert werden, müsste sich Großbritannien womöglich auf die Handelsbestimmungen der WTO verlassen. Mit diesen Regeln der Welthandelsorganisation wäre das Vereinigte Königreich allerdings schlechter gestellt, warnte Carney.

    Auch die unerwartete Stagnation der Inflation in Großbritannien setzt das Pfund unter Druck. Im Juni habe die Rate zum zweiten Mal in Folge bei 2,4 Prozent verharrt, wie die Statistikbehörde ONS mitteilte. Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg auf 2,6 Prozent gerechnet. Im Vormonatsvergleich blieben die Verbraucherpreise im Juni unverändert. Aber aufgrund der mit hoher Wahrscheinlichkeit anstehenden Zinserhöhung der Bank of England dürfte der Euro-Kurs die Marke von 0,90 wohl nicht erreichen.

    Der EUR/CHF-Kurs sank in dieser Woche bereits um 1 Cent von 1,1714 in der Spitze am Montag auf 1,1616 im heutigen Tagestief. Die Gemeinschaftswährung zeigt heute eine allgemeine Schwäche, mit Ausnahme zum britischen Pfund. Die Schweizer Notenbank reduzierte jüngst ihre langfristige Inflationsprojektion. Eine Zinswende liegt wohl in noch weiterer Ferne als bei der EZB. Dabei wächst die Schweizer Wirtschaft recht robust, die Inflation zog zuletzt an. Politische Unsicherheiten stützen die Schweizer Währung grundsätzlich.