Was will US-Präsident Donald Trump mit seine Kritik an der Fed bewirken? Einen schwächeren Dollar? Kurzfristig betrachtet scheint im das zu gelingen, der Euro ist weiter im Aufwind und drängt am Donnerstagmittag auf die Marke von 1,16 Dollar zu.

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    Bei einem Besuch im Bundesstaat Pennsylvania bezeichnete Trump am Mittwoch die Fed als „verrückt“. Seiner Meinung nach erfolgten die Zinserhöhungen zu schnell. „Ich denke, die Fed macht einen Fehler“, sagte Trump. Die Notenbank fahre geldpolitisch einen zu straffen Kurs und sei „verrückt geworden“. Der US-Dollar verlor daraufhin knapp einen Cent. Bisher ließ sich die Fed wenig von Trumps’ Einwürfen beeindrucken. Bereits in der Vergangenheit hatte der US-Präsident die Geldpolitik mehrfach kritisiert und die Fed hat die Zinsen doch den Erwartungen des Marktes entsprechend angehoben.

    Die Fed hatte jüngst die Leitzinsen zum dritten Mal in diesem Jahr angehoben - auf die Spanne 2,0 bis 2,25 Prozent. Wahrscheinlich werden noch vier weitere Anhebungen bis Ende 2019 folgen. Doch Experten beschleichen erste Zweifel, ob die Fed sich angesichts des politischen Drucks nicht doch zu einer langsameren Gangart hinreißen lässt. Eigentlich müsste die Fed auf den steigenden Inflationsdruck in den USA mit einer strafferen Geldpolitik reagieren, sagte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Nach den mehrfachen Attacken des US-Präsidenten gegen den Kurs der US-Notenbank könnten Zweifel an dieser Annahme aufkommen.

    Außerdem verwies die Expertin auch auf den Kurseinbruch an der Wall Street: „Zum anderen wäre da die spürbare Korrektur an den US-Aktienmärkten, die die Fed dazu bewegen könnte, ihre Zinsen nur zögerlich weiter anzuheben, da sie den Einbruch nicht verschärfen will.“ Die US-Regierung selbst sieht die heimische Wirtschaft trotz des jüngsten Abverkaufs an den Börsen weiter in guter Verfassung. „Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der USA bleiben stark, und die Zukunft der US-Wirtschaft ist glänzend. Die Arbeitslosigkeit ist auf ein fünfzigjähriges Tief gesunken, die Steuern für Familien und Unternehmen wurden gekürzt, Regulierungen und Bürokratie wurden gesenkt", so die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders.
 Die treibende Kraft für einen stärkeren Zinsanstieg in den USA ist und bleibt die Inflationsentwicklung. Die heute Nachmittag zur Veröffentlichung anstehenden US-Verbraucherpreise dürften somit von besonderem Interesse sein. Sie werden mit einem weiteren Anstieg in der Kerninflation prognostiziert. Deutliche Abweichungen könnten das Währungspaar nach Einschätzung der National-Bank bewegen.

    Das Pfund konnte am Mittwoch erneut etwas zulegen (seit Ende September knapp drei Prozent), zeigt sich heute aber schwächer. Aktuell steht der Kurs des Währungspaares EUR/GBP um 0,8759 - der Euro gewinnt damit rund 0,30 Prozent. Der britische Handelsminister Liam Fox glaubt an eine baldige Einigung mit der EU in den Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens. Der Brexit-Befürworter wollte im Gespräch mit dem "Handelsblatt" zwar keine Details über ein neues Verhandlungsangebot aus London nennen, zeigte sich aber optimistisch, dass ein ungeregelter Brexit vermieden werden kann. Bei der umstrittenen Frage um Nordirland zeigte sich der Minister wenig Kompromiss bereit: „Klar ist, dass wir keine separate Zollunion nur für Nordirland akzeptieren können, die anders aussieht als für den Rest des Landes.“ Erst in der letzten Woche wurde von Unterhändlern eine Einigung als sehr nahe bezeichnet. In der kommenden Woche steht der nächste EU-Gipfel an, von dem man deutliche Fortschritte erwartet.

    Die italienische Regierung ist weiterhin nicht willens, das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen. Die Äußerungen diverser Minister zeigen nachhaltig, dass der Kern der Probleme - etwa die schleppenden Produktivitätsfortschritte nicht erkannt wird. Hoffnungen auf eine Reformagenda hin zu mehr Wachstum, gibt es nicht. Stattdessen wird mit dem Ruf nach Finanzierung der Staatsschulden durch die EZB weiter Zeit erkauft. Der Schweizer Franken konnte kaum von den neuerlichen Sorgen um Italien profitieren. Der EUR/CHF-Kurs fiel nur zeitweise unter 1,14. Die Schweizer Notenbank warnte vor einem zu hoch bewerteten Franken. „Falls sich die Probleme um Italien nicht dramatisch zuspitzen, dürfte der Euro- Franken-Kurs bis auf weiteres um 1,15 pendeln“, kommentierte die Helaba.