Die von US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping vereinbarte 90-tägige Waffenruhe hinsichtlich der Handelszölle hatte die Aktienmärkte zu Wochenbeginn in Euphorie-Stimmung versetzt, am Devisenmarkt aber keine größeren Turbulenzen ausgelöst. Der Euro verlor am Montag sukzessive in überschaubarem Ausmaße an Wert und rutschte von 1,1360 zu Handelsbeginn auf 1,1327 am Mittag ab.

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    Mit ihrer Vereinbarung wollen die beiden Streithähne Amerika und China Zeit gewinnen, um eine Lösung der Handelsstreitigkeiten herbeizuführen. So werden die USA auch ihre Zölle im Umfang von 10 Prozent auf chinesische Güter im Wert von 200 Mrd. US-Dollar nach dem 1. Januar 2019 beibehalten. Falls die beiden Parteien jedoch innerhalb von 90 Tagen keinen Vergleich aushandeln können, werden diese Zölle unmittelbar auf 25 Prozent angehoben. China sicherte unterdessen zu, US-Waren für einen „sehr beträchtlichen Betrag“ zu kaufen, um das Handelsungleichgewicht zu verringern. Dies schließt den unmittelbaren Kauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse ein.

    Der Markt reagierte auch nicht auf neue Aussagen aus der US-Notenbank. Minneapolis Fed-Präsident Neel Kashkari hatte sich für eine „Pause bei den Zinserhöhungen“ ausgesprochen und betont, „drastische Zinsanhebungen könnten eine Rezession auslösen“. „Angesichts der Unsicherheiten über die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und der damit verbundenen hohen Relevanz von Wirtschaftsdaten für den Devisenmarkt, könnte diese Woche recht volatil werden“, schrieb die National-Bank in einem Kurzkommentar am Montag. In den USA stehen am Nachmittag die Daten des Einkaufsmanagerindex ISM an. Der Indikator gilt als gute Schätzgröße für die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung.

    Etwas am Euro-Selbstverständnis knabbern die derzeitigen Stimmungsindizes, die der Wirtschaft im gemeinsamen Währungsraum wiederholt weniger Schwung attestieren. So auch der heute veröffentlichte IHS Markit Einkaufsmanagerindex für die Industrie. Der Fürhindikator fiel im November auf 52,0 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit zwei Jahren. Vor allem die deutsche Industrie kann sich dem Abwärtstrend nicht entziehen. Der entsprechende Index für Deutschland fiel auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

    Die rasante Teuerung in der Türkei infolge der Lira-Krise hat sich zuletzt etwas entspannt. Die Verbraucherpreise seien im November gegenüber dem Vorjahresmonat um 21,6 Prozent gestiegen, teilte das nationale Statistikamt am Montag mit. Das ist weniger als von vielen Bankvolkswirten erwartet. Im Oktober hatte die Inflation noch über 25 Prozent gelegen. Trotz des Rückgangs bleibt die Teuerung in der Türkei aber weiter auf vergleichsweise hohem Niveau. Vor allem der Absturz der türkischen Landeswährung hatte die Inflation stark steigen lassen. Die Lira verliert heute wieder deutlich an Wert. EUR/TRY gewinnt 1,25 Prozent auf 5,92.

    Der G20-Gipfel warf schon am Freitag am Devisenmarkt einen Schatten voraus. Denn im Fokus für Rubel-Investoren standen Nachrichten zum G20-Gipfel und zum Handelsstreit. Mit Enttäuschung wurde daher die Absage von US-Präsident Donald Trump für ein Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin am Freitag aufgenommen. Der Rubel verlor sowohl gegen den US-Dollar als auch gegen den Euro. Heute, nach dem Gipfel, notiert EUR/RUB um 0,7 Prozent tiefer bei 75,50.