Börsianer feiern schon: Da wird den Menschen (wieder mal) eine „segensreiche Technik“ untergejubelt - und alle freuen sich, wie grandios sie damit verdienen werden. Die Rede ist vom neuen Mobilfunkstandard 5G. Die in Kürze anstehende Versteigerung der Lizenzen an die großen Mobilfunk-Konzerne sorgt schon jetzt für helle Aufregung unter den Anlegern, schließlich geht es um Milliardengewinne - und da will man doch nichts verpassen…

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Wenn dieser Schuss mal nicht nach hinten losgeht. Oder anders formuliert: Vielleicht sollten sich Investoren lieber damit befassen, welche Unternehmen beispielsweise Krebsmedikamente und -Therapien vermarkten. Denn sollte 5G tatsächlich flächendeckend eingeführt werden, könnten dort womöglich die wirklich großen Gewinne zu erzielen sein.

Noch längst nicht geklärt sind nämlich die gesundheitlichen Spätfolgen des neuesten Geniestreichs aus der Alchimistenküche der Mobilfunkindustrie. Ziemlich sicher dürfte die flächendeckende Einführung von 5G zu einer deutlichen Zunahme an Krebsfällen führen.

Der eher schwache Trost dabei: Sofern Männer betroffen sind, werden die sich zumindest nicht mehr vermehren. Denn die mit 5G deutlich zunehmende elektromagnetische Bestrahlung schädigt nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auch die männlichen Samenzellen.

Schon vor zwei Jahren warnten deshalb 180 internationale Wissenschaftler und Ärzte aus 36 Ländern vor den Gesundheitsrisiken durch den neuen Mobilfunkstandard und forderten ein Moratorium.

Dabei plädieren die Mediziner lediglich für Selbstverständlichkeiten, etwa für die Überprüfung der Technologie, die Festlegung von neuen, sicheren „Grenzwerten für die maximale Gesamtexposition“ der gesamten kabellosen Kommunikation, sowie den Vorrang der kabelgebundenen digitalen Telekommunikation.

Tatsache ist: Der neue Mobilfunkstandard, obwohl in seinen gesundheitlichen Konsequenzen noch weitgehend unerforscht, wird die Exposition gegenüber elektro­magne­tischen Feldern im Hochfrequenzbereich (HF-EMF) drastisch erhöhen, weil er zu den schon heute genutzten Techniken wie GSM, UMTS, LTE, WLAN, etc. hinzukommt. Dabei ist längst erwiesen, dass hochfrequente elektro­magne­tischen Felder für Menschen, Tiere, Pflanzen und die Umwelt schädlich sind.

Der folgende Beitrag mit dem Titel „Wäre WLAN ein Medikament, würde es sofort verboten werden“, greift das Thema auf.

Doch das ist noch nicht das Ende der Geschichte: Weil die 5G-Technik nur über kurze Entfernungen funktioniert und die Signale durch festes Material, wie etwa Hauswände, nur schlecht übertragen werden, sind deutlich mehr Sendeanlagen notwendig als bisher. Die vollständige Einführung von G5 würde nach heutigem Kenntnisstand in städtischen Gebieten zu Antennen im Abstand von zehn bis zwölf Häusern führen. Die Zwangsexposition würde sich dadurch stark erhöhen.

Im folgenden Beitrag aus der Schweiz heißt es dazu:

"Wie wollen die Mobilfunker bei 5G dieses Problem lösen? Ganz einfach, mit mehr Power. Das heißt indem Mobilfunkantennen für 5G mit etwa der 10-Fachen Leistung senden müssen. Was in V/m (Volt pro Meter) gemessen, in den Wohnzonen mindestens das 3-Fache der heutigen Strahlungswerte ergibt. Weil das jedoch kaum genügt, will man zudem tausende von zusätzlichen Mobilfunkantennen erstellen. Philipp Horisberger, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Kommunikation (BAKOM) spricht im Interview mit der Netzwoche.ch von mindestens alle 150m einer Antenne. Das macht fast 100 stark strahlende Mobilfunkantennen pro Quadratkilometer. Welch ein Antennenwald und welch ein Strahlenmeer"!

Hinzu kommen die nach Experten-Schätzungen europaweit zehn bis 20 Milliarden Drahtlosanschlüsse von Kühlschränken, Waschmaschinen, Überwachungs­kameras, selbstfahrenden Autos und Bussen, und so fort, die künftig Bestandteil des „Internets der Dinge“ sein sollen. All dies zusammen könnte zu einer exponentiellen Zunahme der gesamten langfristigen Exposition aller EU-Bürger gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern führen.

Ganz davon abgesehen: Hat sich eigentlich schon einmal jemand die Frage gestellt, welchen praktischen Nutzen ein Kühlschrank haben soll, der mit dem Internet verbunden ist? Oder ein Herd? Eine Heizungsanlage oder ein Kleiderschrank? Ein Akkuschrauber oder eine Zahnbürste? Wehe, wenn sich auch die Konsumenten diese Fragen stellen sollten. Die Milliarden-Ausgaben der Telekom-Konzerne für G5 könnte sich dann womöglich als teurer Flop erweisen…

Schadwirkung von HF-EMF sind längst bewiesen…

Schon lange vor Einführung des neuen Mobilfunk-Standards hatten 230 Wissenschaftler aus mehr als 40 Ländern ihre „ernsthafte Besorgnis“ hinsichtlich der allgegenwärtigen und zunehmenden Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern durch elektrische und kabellose Geräte geäußert.

Die Forscher verweisen auf zahlreiche aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen, die gezeigt hätten, dass sich elektromagnetische Felder auf lebende Organismen auswirken, und zwar interessanterweise schon bei Intensitäten, die weit unterhalb der internationalen und nationalen Grenzwerte liegen.

Zu den Auswirkungen gehören ein erhöhtes Krebsrisiko, Zellstress, eine Zunahme schädlicher freier Radikaler, Genschäden, strukturelle und funktionelle Veränderungen im Fortpflanzungssystem, Lern- und Gedächtnisdefizite, neurologische Störungen sowie negative Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden bei Menschen. Schädigungen betreffen bei weitem nicht nur den Menschen. Es gibt nämlich zunehmende Hinweise auf schädliche Auswirkungen bei Pflanzen und Tieren.

Wohlgemerkt, hier werden Studien zitiert, die ausdrücklich NICHT von der Mobilfunkindustrie finanziert wurden. Dass deren Untersuchungen zu gänzlich anderen Ergebnissen kommen, dürfte inmitten eines globalen Bewusstseinswandels kaum noch jemanden überraschen. Kommentatoren können sich Verweise zu den entsprechenden „Gegenstudien“ daher sparen…

Nachdem der Appell der 230 Wissenschaftler im Jahr 2015 veröffentlicht wurde, wurden durch zusätzliche Forschung ernsthafte gesundheitliche Risiken durch elektromagnetischen Feldern kabelloser Mobilfunktechnik bestätigt.

Bemerkenswert dabei war insbesondere die 25-Millionen-US-Dollar teure Studie des US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP). Dabei wurde eine statistisch deutliche Zunahme beim Auftreten von Gehirn- und Herztumoren bei Ratten nachgewiesen, die elektromagnetischen Feldern unterhalb der ICNIRP-Grenzwerte ausgesetzt waren (ICNIRP, International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection = Internationale Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung).

Zitat aus der Zusammenfassung:

“Given the widespread global usage of mobile communications among users of all ages, even a very small increase in the incidence of disease resulting from exposure to RFR could have broad implications for public health. There is a high level of public and media interest regarding the safety of cell phone RFR and the specific results of these NTP studies”.

Im Klartext: Wegen der enormen weltweiten Verbreitung der Mobilfunktechnik sind die Ergebnisse der Studie sehr ernst zu nehmen.

Werden sie aber nicht.

Bestätigt werden die Aussagen dagegen durch epidemiologischer Studien am Menschen zu hochfrequenter Strahlung und dem Hirntumorrisiko. Eine große Anzahl fachlich überprüfter wissenschaftlicher Berichte zeigen Schädigungen der menschlichen Gesundheit durch elektromagnetische Felder.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), war bereits im Jahr 2011 zu dem Schluss gekommen, dass elektromagnetische Felder der Frequenzen von 30 KHz bis 300 GHz „möglicherweise“ krebserregend für Menschen seien (Gruppe 2B). Neue Studien, wie die gerade erwähnte Untersuchung des NTP, sowie mehrere epidemiologische Untersuchungen, wie die aktuellsten Studien zur Handynutzung und Hirnkrebsrisiken bestätigen, dass hochfrequente Strahlung krebserregend für Menschen ist.

Hier geht´s zum vollständigen Artikel…

Die Zusammenfassung des folgenden Handelsblatt-Beitrags zu den Gesundheitsaspekten von G5 lautet übrigens: Wir wissen zwar so gut wie nichts über die langfristigen Folgen der neuen Technik, aber jetzt wird sie halt mal eingeführt…

Das erinnert doch stark an das Bonmot der Kanzlerin, die im September 2015 angesichts der selbst verschuldeten Flüchtlingsflut so treffend wie hilflos stammelte:

„Jetzt sind sie halt mal da“…

Bei so viel Weitblick allenthalben, da kann man doch nur viel Erfolg wünschen…

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.