Sehr geehrte Privatanleger, „…denn Garantien, die gibt Dir keiner“, so lautet eine Zeile in einem Song von Marius Müller-Westernhagen. Wenn Sie Geld anlegen, sind Sie Kaufmann (Kauffrau). Und für Kaufleute gilt IMMER das Prinzip der Kaufmännischen Vorsicht. Überlegen Sie sich, was schief gehen könnte. Das ist die erste Pflicht. DANN überlegen Sie sich, was Sie verdienen könnten.

In der letzten Woche sah ich gleich zwei Titelstorys zum Thema Crash. Die BILD titelte: „Angst um Ihr Erspartes“. Und die anspruchsvollere ZEIT: „Wie rette ich mein Erspartes?“ Wenn ein Thema auf den Titelseiten auftaucht, ist es vielleicht schon vorbei. Im Internet-Boom brachte die BILD eine Titelgeschichte „Reich werden mit Aktien“ punktgenau zu dem Zeitpunkt, als die Blase ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Nun würde ich aufgrund solcher Zeitungsgeschichten keinen Investmententscheidungen treffen. Benjamin Graham sagte einmal: „Ihre Investmententscheidung ist dann richtig, wenn sie mit den Fakten übereinstimmt, nicht, weil Sie gegen oder mit der Masse agieren.“ Dennoch lohnt es sich, die Angst um das Ersparte besser unter die Lupe zu nehmen.

Wie also wenden Sie Kaufmännische Vorsicht an?

1. Zum Ersten: VORdenken. Wenn alle davon sprechen, ist es meistens schon etwas spät. Ich empfehle Gold seit 2005, als das Thema noch recht exotisch war. Das Vordenken bringt aber auch mit sich, dass man etwas komisch angesehen wird. Wer empfiehlt heute schon Pharmatitel wie GlaxoSmithKline (WKN: 940561), Novartis (WKN: 904278) oder Sanofi-Aventis (WKN: 920657)? Diese Titel haben sich seit zehn Jahren nicht bewegt oder sind gefallen. Oder Norske Skogindustrier (WKN: 879395 ), eine Aktie, deren Kurs sich mal eben gesechstelt hat?

2. Risiken untersuchen. Warren Buffett, zu dessen Hauptversammlung von Berkshire Hathaway (WKN: 854075) ich nächste Woche fahre, sagte letztes Mal, dass er einen Nachfolger als Chief Investment Officer suche, der genetisch programmiert sei, Risiken zu entdecken, sogar solche, die wir jetzt noch nicht kennen. Kein Wort von hervorragenden Renditen – Risiken sind wichtig.

3. Dort suchen, wo es anscheinend langweilig ist. Heute sind Stahl- und Rohstoffunternehmen, wie zum Beispiel Salzgitter (WKN: 620200), die ich auch einmal hatte, in Mode. Deswegen würde ich dort nicht suchen.

4. Streuen Sie – aber nur in Anlagen, die Sie verstehen: Aktien und einfache Aktienfonds, Gold (physisch), Anleihen und Anleihenfonds (aber echte Anleihen, keine Bankprodukte) und Termingelder. Denken Sie daran: Mit Aktien, Immobilien und Gold haben Sie einen Inflationsschutz, mit Termingeldern und Liquidität einen Deflationsschutz. Sorgen Sie für beides vor, selbst, wenn Sie mit einer der beiden Strategien verlieren werden. Absolute Sicherheit gibt es nicht, und wenn Sie nur auf eine Richtung setzten, spekulieren Sie.

Ja, Garantien gibt Ihnen keiner. Am wenigsten die, die laut davon sprechen.

Auf gute Investments,
Ihr

Prof. Dr. Max Otte