Einer der zuverlässigsten Indikatoren für den deutschen Aktienmarkt liefert zum 1. November ein frisches Kaufsignal. Der sogenannte Gebert-Indikator, der ursprünglich unter dem Namen „Börsenindikator Deutschland“ bekannt wurde, hat in den vergangenen Jahrzehnten die Entwicklung des DAX treffsicher prognostiziert.

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    Von Anfang 1993 bis Anfang Oktober 2018 hätten es Anleger mit der Gebert-Strategie ungehebelt auf einen Gesamtgewinn von knapp 2.600 Prozent gebracht. Wer einfach immer im DAX investiert war (Buy-and-hold-Strategie), zum Beispiel über einen Indexfonds oder ein Zertifikat, hätte es in der gleichen Zeit vor Kosten nur auf einen Gewinn von weniger als 700 Prozent gebracht. Aus 1.000 Euro, die Anfang 1993 investiert wurden, wären so im ersten Fall knapp 27.000 Euro und im zweiten Fall weniger als 8.000 Euro geworden.

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    So wird der Gebert-Indikator berechnet

    Der Gebert-Indikator basiert auf drei fundamentalen und einem saisonalen Kriterium. Dabei kann der Gebert-Indikator zwischen null und vier Punkten schwanken. Steht der Indikator auf drei oder auf vier Punkten, ist der Anleger im DAX investiert (zum Beispiel über einen ETF oder ein Indexzertifikat). Steht der Indikator auf null oder einem Punkt, ist der Anleger nur im Geldmarkt investiert bzw. parkt sein Geld auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto. Bei zwei Punkten wird die bisherige Positionierung beibehalten. Der Punktestand wird jeweils zum Monatsanfang überprüft.

    Wie werden die einzelnen Punkte nun berechnet? Um die Punkte zu vergeben oder nicht zu vergeben muss der Anleger nur vier einfache Fragen beantworten:

    • Leitzins: War die letzte Leitzinsänderung der EZB eine Zinssenkung? Falls ja, dann gibt es einen Punkt. Wenn die letzte Zinsveränderung durch die EZB eine Erhöhung war, gibt es null Punkte. Da die letzte Zinsveränderung der EZB eine Leitzinssenkung war (bereits im Jahr 2016), gibt es für dieses Kriterium aktuell weiterhin einen Punkt.
    • Inflationsrate: Ist die von Eurostat ermittelte Inflationsrate für die Eurozone (HCPI, harmonisierter Verbraucherpreisindex) tiefer als im entsprechenden Monat des Vorjahres? Wenn die Frage mit "ja" beantwortet werden muss, gibt es einen Punkt, sonst null Punkte. Vorläufige Inflationsdaten werden nicht berücksichtigt, sondern nur die endgültigen Daten. Da die Inflationsrate in der Eurozone zuletzt deutlich höher lag als vor einem Jahr, gibt es für dieses Kriterium aktuell keinen Punkt.
    • Euro/Dollar-Wechselkurs: Steht der Euro/Dollar-Kurs heute tiefer als vor einem Jahr? Wenn er tiefer steht, gibt es einen Punkt, sonst null Punkte. Auf Basis des Euro-Referenzkurses der EZB stand der EUR/USD-Wechselkurs Ende Oktober mit 1,1318 niedriger als ein Jahr zuvor (1,1638), weshalb es für dieses Kriterium einen Punkt gibt.
    • Saisonalität: Befinden wir uns aktuell im Zeitraum zwischen 1. November und 30. April? Falls ja, gibt es einen Punkt, sonst null Punkte. Für die Saisonalität gibt es nun im November erstmals wieder einen Punkt, weshalb der Gebert-Indikator nun auch das Kaufsignal liefert.

    Anleger bleiben mindestens bis Ende April investiert

    Mit jeweils einem Punkt für Leitzins, Euro/Dollar-Wechselkurs und Saisonalität ergibt sich für den Gebert-Indikator im November ein Punktestand von drei Punkten, womit ein frisches Kaufsignal generiert wird. Zuvor hatte der Indikator mit zwei Punkten signalisiert, dass die bisherige Positionierung (nicht im DAX investiert) beibehalten wird.

    Sind Anleger dem letzten Verkaufssignal im DAX gefolgt, so konnten sie damit auch die riesigen Kursverluste im Oktober vermeiden. Der Gebert-Indikator generierte das letzte Verkaufssignal Anfang Juli. Damals stand der DAX noch bei rund 12.300 Punkten und damit rund 800 Zähler höher als aktuell.

    Das aktuelle Kaufsignal dürfte für etliche Monate Bestand haben. Die EZB hat angekündigt, den Leitzins bis mindestens „über den Sommer 2019“ auf dem aktuellen Niveau zu halten. Damit dürfte dieser Punkt noch für etliche Monate garantiert sein. Der Saisonalitätspunkt bleibt bis Ende April erhalten. Da nach dem Gebert-Indikator zwei Punkte ausreichen, um die bisherige Positionierung beizubehalten, kann der Gebert-Indikator voraussichtlich frühestens im Mai 2019 wieder ein Verkaufssignal liefern.

    Muss der Gebert-Indikator modifiziert werden?

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das monatliche Ankaufvolumen ihres Anleihenkaufprogramms bereits reduziert und wird dieses sogenannte QE-Programm voraussichtlich zum Ende des Jahres ganz einstellen. Als der Gebert-Indikator entwickelt wurde, setzten die Notenbanken noch keine Anleihenkäufe im Rahmen ihrer Geldpolitik ein. Man könnte nun argumentieren, dass die Reduzierung der Anleihenkäufe durch die EZB bereits eine Straffung der Geldpolitik darstellt und beim Gebert-Indikator wie eine Leitzinserhöhung gewertet werden müsste. In diesem Fall würde es nach dem Gebert-Indikator im November nun auch kein frisches Kaufsignal geben.

    Es gibt aber durchaus Argumente, die dagegen sprechen, den Gebert-Indikator entsprechend zu modifizieren. Denn die EZB reduziert zwar das Nettoankaufvolumen der Anleihen, reinvestiert aber fällige Beträge weiterhin und hält den Bestand der bereits gekauften Anleihen damit konstant. Damit wird dem Finanzmarkt, anders als bei einer Leitzinserhöhung, noch keine Liquidität entzogen. Zu einer Reduzierung der Liquidität kommt es erst, wenn die EZB die Leitzinsen wieder erhöht und/oder den Anleihenbestand in ihrer Bilanz reduziert. Aus diesem Grund wird im Rahmen dieses Artikels die Reduzierung des QE-Ankaufvolumens noch nicht mit einer Leitzinserhöhung gleichgesetzt.

    Fazit

    Der Gebert-Indikator liefert Anfang November ein frisches Kaufsignal für den DAX. Anleger, die dem Signalgeber folgen, dürften bis mindestens Anfang Mai im deutschen Aktienmarkt investiert bleiben. In den vergangenen Monaten hat es sich für Anleger ausgezahlt, sich bei ihren Anlageentscheidungen nach dem Gebert-Indikator zu richten. Da der Gebert-Indikator zuletzt Anfang Juli ein Verkaufssignal lieferte, wären dem Anleger Kursverluste von rund 800 Punkten erspart geblieben.


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