London (GodmodeTrader.de) - Wird der Handelskonflikt der USA mit Europa und China zum Handelskrieg? Steht Argentinien nach dem Währungsverfall vor der Staatspleite? Sind Bundesanleihen immer noch ein sicherer Hafen? Das sind nur einige Fragen, die in den letzten Wochen die Gemüter an den Märkten bewegt haben. Die meisten Anleger führen Kursschwankungen an der Börse allein auf ökonomische Daten und harte Fakten zurück, wie Juan Nevado, Manager des M&G (Lux) Conservative Allocation Fund, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Nevado setzt dagegen auf die Macht der Psychologie: „Investoren sind sich oft gar nicht bewusst, dass sie sich bei ihren Anlageentscheidungen sehr häufig nicht von der wirtschaftlichen Realität, sondern von Emotionen und der allgemeinen Stimmung leiten lassen. Doch aus Übertreibungen entstehen Fehlbewertungen. Diese nutzen wir aus.“

Nevado betrachtet Kursschwankungen an der Börse nicht per se als riskant, sondern als Gelegenheiten zum Kauf oder Verkauf, von denen auch vorsichtige Anleger profitieren können. „Anfang 2016 etwa bekamen die Investoren plötzlich Angst vor einer weltweiten Rezession, und die Aktienkurse fielen rund um den Globus“, erinnert sich der Fondsmanager. „Die Konjunkturindikatoren sprachen jedoch eine ganz andere Sprache und wiesen auf einen Aufschwung und sinkende Arbeitslosigkeit hin. Der Einbruch war also ungerechtfertigt – für uns ein klares Kaufsignal. Wenn die Kurse nach einer solchen Episode wieder steigen, profitieren auch die Anleger“, sagt Nevado. Auch während des jüngsten Crashs im Februar dieses Jahres sei er gelassen geblieben und habe Aktien weiterhin übergewichtet: „Für die Wirtschaft stehen die Zeichen weltweit auf Wachstum. Warum sollte eine Rezession kommen?“

Viele Anleihen – die klassischen „sicheren Häfen“ – hält Nevado dagegen für wenig attraktiv. „Gerade mit Staatsanleihen westlicher Länder verlieren Anleger aufgrund der negativen Verzinsung sogar langfristig Geld. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag vor 30 Jahren real bei sechs Prozent, heute bei minus einem Prozent. Das ist auf lange Sicht nicht haltbar“, so der Experte. Dazu kommt eine weitere Beobachtung: „Früher korrelierten Staatsanleihen negativ mit Aktien, boten also einen gewissen Schutz bei fallenden Aktienmärkten. Das ist heute anders. Denn weil viele Anleihen derzeit so teuer sind und mit den Aktienmärkten steigen oder fallen, erhöhen sie sogar das Risiko.“

Daher setzt Nevado in diesem Segment aktuell überwiegend auf Short-Positionen, also steigende Anleiherenditen. In den USA, in der Peripherie der Eurozone, den Schwellenländern und in einigen Bereichen von Unternehmensanleihen sieht er dagegen aktuell noch Potenzial zur Kurssteigerung. Wichtig ist ihm vor allem, Investments flexibel zu steuern und je nach Marktlage an kurzfristige, übertriebene Schwankungen anpassen zu können.