Die Fed hat nach dem ersten Schritt im März nun auch im April die Zinsen angehoben. Aufgrund der hohen Inflation wurde das Tempo erhöht: Statt wie üblich um einen Viertelprozentpunkt wurde der Leitzins um einen halben Prozentpunkt angehoben. Eine Anhebung in diesem Ausmaß gab es zuletzt vor mehr als 20 Jahren – ein durchaus außergewöhnlicher Vorgang also. Daran wird man sich gewöhnen müssen. Die meisten Beobachter erwarten auch bei den nächsten Meetings Anhebungen um 0,5 %. Der Leitzins wird dann zwölf Monate nach der ersten Anhebung bei rund 3 % liegen. Sollte diese Erwartung Realität werden, dann sind wir live beim aggressivsten Zinsanhebungszyklus seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts dabei. Selbst vor dem Platzen der Dotcom- und der Immobilienblasen waren die Zinsen nicht in einem solchen Tempo angehoben worden.

Die Aktienmärkte liegen unterdessen im Schnitt rund 10 % unter ihren Höchstständen. Innerhalb dessen gibt es wohl große Unterschiede auf Basis von Ländern, Sektoren und Faktoren. Insgesamt muten die Kursrückgänge im Verhältnis zu früheren geldpolitisch induzierten Abschwüngen aber noch moderat an. Im Jahr 2018 etwa, der letzten vergleichbaren Episode, wurde der Kursrückgang bei minus 20 % erst durch eine geldpolitische Kehrtwende gestoppt. Ein solcher Politikschwenk könnte in der aktuellen Situation inflationsbedingt allerdings länger auf sich warten lassen. Deshalb stehen uns wohl aktienseitig noch einige schwierige Wochen und Monate bevor, bis im Verlauf des zweiten Halbjahres ein Durchschreiten der Tiefstände wahrscheinlich ist. Bis dahin ist eine vorsichtige Positionierung angebracht.

Staatsanleihen: Zinsanhebungspfad zu aggressiv

Staatsanleiherenditen sind seit Anfang März abermals deutlich angestiegen und die Renditen für deutsche Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit sind erstmals seit August 2014 wieder positiv. Gleichzeitig sind sowohl die kurz-, als auch die langfristig gepreisten Inflationsraten weiterhin sehr hoch und dementsprechend Zahl und Tempo der erwarteten Zinsanhebungen in den USA und Europa. Wir malen vorerst kein Rezessionsbild, schätzen aber den gepreisten Zinsanhebungspfad als zu aggressiv ein.

Unternehmensanleihen: Bankanleihen bieten Möglichkeiten

Unternehmensanleihen verlieren an Attraktivität. Innerhalb der EUR Investmentgrade Unternehmensanleihen präferieren wir Bankanleihen und da vor allem verbriefte deutsche Bankanleihen (AAA Pfandbriefe). Diese präsentieren sich hinsichtlich ihrer Ertragserwartungen momentan attraktiver als andere Papiere dieser Assetklasse.

Emerging-Markets-Anleihen machen Krieg in der Ukraine und Geldpolitik zu schaffen

Die Aussichten bei Schwellenländer-Hartwährungsanleihen haben sich eingetrübt. Grund dafür sind der Krieg in der Ukraine, zunehmend schwächere Wirtschaftsprognosen in Asien, ein starker USD sowie die erwartete recht straffe Geld- und Zinspolitik.

Entwickelte Aktienmärkte: Erwartete Zinsanhebungen belasten Märkte

Die internationalen Aktienmärkte haben sich zuletzt deutlich schwächer präsentiert. Im Mittelpunkt steht dabei weniger der Ukraine-Krieg als vielmehr die anstehenden (weiteren) Zinsanhebungen. Wir sehen das restriktiver werdende Liquiditätsumfeld als einen der größten Belastungsfaktoren für die nächsten Monate. Im Gegensatz zu den Anleihemärkten sehen wir dieses Thema auf der Aktienseite noch nicht ausreichend in den Kursen reflektiert.

Schwellenländer-Aktienmärkte ohne nennenswerte Bewegungen

Emerging-Markets-Aktien treten seit Jahresbeginn mehr oder weniger auf der Stelle. Aktien bzw. Regionen, die einen Rohstoffbezug haben, können sich dabei recht gut behaupten. Aktien, die an der lokalen chinesischen Wirtschaft hängen, tun sich deutlich schwerer. Die aktuelle Covid-Lage in China, dessen Politik weiter auf vollkommene Abschottung bei Auftreten von Krankheitsfällen liegt, belastet diese Unternehmen schwer. Die Entwicklung von Emerging-Markets-Aktien war im abgelaufenen Monat im Einklang mit entwickelten Aktienmärkten.

Rohstoffmärkte: Assetklasse wird Rolle als Inflationsschutz gerecht

Die Rohstoffmärkte präsentieren sich weiterhin sehr fest. Die deutlichen Preisanstiege erklären sich mit der wichtigen Rolle Russlands bei vielen Rohstoffen, wobei das Angebotsbild auch vor der dramatischen Eskalation in der Ukraine schon angespannt war. Die Assetklasse wird damit einmal mehr ihrer Rolle als Inflationsschutz gerecht. Auf Sektorebene ist der Energiesektor am stärksten betroffen.