Goldstandard heute nicht mehr relevant?

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    Dem Goldstandard wird heutzutage die Relevanz abgesprochen. Vermutlich aber ist die Relevanz heute so hoch wie schon lange nicht mehr. Je länger die Welt ohne einen Gold- oder Silberstandard funktioniert, desto offensichtlicher werden die Probleme des modernen Geldsystems.

    Die Grafik fasst die Probleme des heutigen Geldsystems zusammen. Dargestellt ist die Inflations- und Haushaltsdefizithistorie der USA. In Zeiten, in denen der Dollar entweder an Gold, Silber oder beides gekoppelt war, war die Inflation tendenziell geringer als in Zeiten, in denen das nicht der Fall war.

    Kriegsfinanzierung durch Aufgabe des Goldstandards

    Es gab in der Historie nicht durchgehend den einen Standard. Vor allem in Kriegszeiten wurde er entweder aufgeweicht oder zeitweise ausgesetzt. Das war z.B. zur Zeit des Bürgerkriegs der Fall. Nur, weil der Standard ausgesetzt wurde, konnte der Krieg überhaupt finanziert werden. Die Neuverschuldung des Staates lag mehrere Jahre hintereinander bei knapp 8 % der Wirtschaftsleistung.

    In Kriegszeiten explodiert das Defizit eigentlich immer. Gleichzeitig steigt die Inflation massiv an. Das hat vor allem zwei Gründe. Einerseits steigt die Nachfrage nach Kriegsgütern sprunghaft an. Andererseits ist die Produktion anderer Güter stark beeinträchtigt. Wenn ein Großteil der sonst normal arbeitenden Bevölkerung in den Krieg zieht, ist das Angebot an Gütern knapp.

    Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern mussten die USA während des Ersten Weltkrieges ihren Standard nicht aufgeben. Dafür rang dann die Große Depression global dieses System nieder. Regierungen konnten die Depression nicht durch Konjunkturprogramme beenden, solange der Goldstandard aufrechterhalten wurde.

    Konjunkturprogramme werden durch Schulden finanziert. In normalen Zeiten ist das möglich, wenn es lediglich um einen moderaten Eingriff in die Wirtschaft durch den Staat gibt. Der Staat leiht sich bei Bürgern und Investoren Geld und pumpt es in die Wirtschaft. Wenn der Bedarf jedoch sehr hoch ist wie zur Zeit der Großen Depression, funktioniert das so nicht. Keiner hätte das Defizit finanzieren können.

    Was es brauchte war eine massive Geldmengenausweitung. Wird die Geldmenge ausgeweitet und können gleichzeitig keine Goldreserven gebildet werden, dann bricht der Goldstandard automatisch zusammen. Genauso ging es Staaten während der Großen Depression. Es brauchte mehrere Jahre, bis man aufgab und den Standard zugunsten einer expansiven Politik aufgab.

    Wirtschaftskrise mit Goldstandard schneller beendet?

    Ohne Goldstandard hätte die globale Wirtschaftskrise vermutlich früher beendet werden können. Auf der Kehrseite führte die Aufgabe dann jedoch zu explodierenden Defiziten und hoher Inflation. Als dann Anfang der 70er Jahre der Nachkriegskompromiss (Bretton-Woods System) aufgegeben wurde, gab es praktisch kein Halten mehr.

    Seitdem Staaten nicht mehr in ihrer Fiskalpolitik beschränkt sind, steigen die Haushaltsdefizite systematisch an. Unter einem Goldstandard können Defizite und Geldmengen nicht beliebig ausgedehnt werden. Die Goldreserven begrenzen auf natürlich Art und Weise die Ausweitung. Ohne einen Standard kann man praktisch tun, was man will. Genau das passierte in den letzten Jahrzehnten.

    Das hat letztlich dazu geführt, dass es überhaupt möglich war, gigantische Schuldenberge anzuhäufen, sei es durch die indirekte Staatsfinanzierung durch die Druckerpresse (QE seit mehreren Jahren) oder die Geldvermehrung durch Kreditvergabe durch Banken. Ohne die „Zwangsjacke“ des Goldstandards werden Schulden aufgetürmt, bis es nicht mehr geht. Und nun haben wir den Salat. Die Schulden sind zu hoch und nicht mehr tragfähig.

    Mit einem Goldstandard wären wir heute wohl in einer anderen Situation. Inflation war zwar in den letzten Jahren kein Thema, doch seit Aufgabe des Bretton-Woods-Systems ist die Inflation tendenziell höher. Gleichzeitig ächzen die meisten Staaten unter katastrophalen Schuldenbergen.

    Angepasster Goldstandard wäre überlegenswert

    Ein Goldstandard ist nicht die Lösung aller Probleme. Muss der Staat in einer schweren wirtschaftlichen Krise eingreifen, ist das kaum möglich. Optimal wäre ein dynamischer Standard, der an feste Regeln gebunden ist. So wäre denkbar, dass der Staat in einer Rezession zusätzliche Schulden aufnimmt und im Gegensatz dazu der Wert der Währung gegenüber Gold einmalig verringert wird.

    Ein solches System muss absolut strengen und vorher festgelegten Regeln folgen. Alles andere wäre Makulatur und nicht zielführend. Ein „Goldstandard light“ kann deutlich mehr Stabilität bringen. Bei den Schuldenbergen, die wir haben, ist eine erneute Einführung jedoch nur schwer denkbar.

    Clemens Schmale

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